Alternativen zum Messgerätekauf verhindern unnötige Kapitalbindung »Das Miet- und Finanzierungsgeschäft in Deutschland wächst schnell«

Clive Nunn, Microlease: »Wir verzeichnen auch nach der Krise eine deutlich größere Nachfrage nach Miet- oder Finanzierungslösungen als zuvor.«
Clive Nunn, Microlease: »Wir verzeichnen auch nach der Krise eine deutlich größere Nachfrage nach Miet- oder Finanzierungslösungen als zuvor.«

Die britische Firma Microlease hat sich darauf spezialisiert, Messgeräte per Miete, Leasing oder Finanzierung anzubieten. Und das bereits mit großem Erfolg. Mit einem Mietpool von rund 15.000 Geräten fast aller namhaften Messtechnik-Hersteller zählt Microlease bereits jetzt zu den größten Anbietern in diesem Segment. Nun macht sich das Unternehmen daran, den deutschen Markt zu erobern. Wir sprachen mit Clive Nunn, Sales Manager Northern Europe von Microlease, über die Perspektiven.

Markt&Technik: Wie stellt sich der deutsche Messtechnik-Miet- bzw. -Leasing-Markt im internationalen Vergleich dar?

Clive Nunn: Nun, da gibt es große Unterschiede: In den USA und in Asien ist Mieten sehr üblich, in Europa eher weniger. Betrachtet man Europa im Einzelnen, sieht man, dass England und Südeuropa häufiger auf Miete zurückgreifen als nordeuropäische Länder wie Skandinavien oder Deutschland. Hier bevorzugen die Kunden immer noch den traditionellen Weg der Beschaffung: Neukauf.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich schätze, das hat kulturelle Gründe. In Deutschland ist es immer noch so, dass sich Anwender mit ihrem Equipment ein kleines Imperium aufbauen und sich damit ein gewisses Maß an Sicherheit erhalten wollen. Miete wird hierzulande eher als Notlösung gesehen, und es kommen dem Anwender Zweifel, ob er einen Fehler in seiner Planung gemacht hat, wenn er auf Mietgeräte zurückgreifen muss. Aber gerade in Deutschland ist derzeit ein Umschwung zu verzeichnen.

Ist dieser Umschwung auf die vergangene Wirtschaftskrise zurückzuführen?

Ja, ganz deutlich. Während der Finanzkrise war weniger Budget verfügbar, und Projekte wurden auf Eis gelegt, oft weil das entsprechende Mess-Equipment nicht beschafft werden konnte. Das hat dazu geführt, dass die Anwender doch eher mal an die Alternativen Miete oder Leasing gedacht haben. Wir haben das in unserem Geschäftsverlauf deutlich gespürt.

Dann müssten Sie ja einen gewissen Boom erlebt haben ...

Einen Boom vielleicht nicht, aber unser Geschäft hat einen deutlichen Schub bekommen. Die Anwender sahen sich gezwungen, nach Alternativen zu suchen, und sind dabei auf Miete oder Leasing gestoßen. Aus dieser Zwangslage haben sie erste Erfahrungen gemacht und haben meist festgestellt, dass mieten oder leasen deutlich einfacher ist, als gedacht. Die Erfahrung zeigt: Kunden, die es einmal probiert haben, kommen immer wieder zu uns.

Und wie hat sich das Geschäft nach der Krise entwickelt?

Mittlerweile sind die Lagerbestände der Hersteller wieder geschrumpft und die Lieferzeiten haben sich verlängert. Für Anwender, die diese Lieferzeiten nicht abwarten können oder wollen, ist die Miete nun die einzige sinnvolle Alternative. Mietet man bei uns ein Gerät, steht es bei Bedarf bereits am nächsten Tag beim Anwender auf dem Labortisch. Komplett kalibriert und einsatzbereit. Wir verzeichnen also auch nach der Krise eine deutlich größere Nachfrage nach Miet- oder Finanzierungslösungen als zuvor.

Sie sprechen von Miete, Leasing und Finanzierung. Können Sie bitte kurz erläutern, worin die Unterschiede liegen und wann sich was empfiehlt?

Mit der Miete ist man absolut flexibel unterwegs. Die Mindestmietdauer beträgt bei uns eine Woche, sie kann aber auch über mehrere Wochen oder Monate gehen. Je länger der Mietzeitraum, desto günstiger ist der Mietpreis. Ändern sich die Pläne des Kunden, und er benötigt das Gerät kürzer als gedacht, kann er den Vertrag jederzeit abbrechen. Hierzu bieten wir - meines Wissens als einziger Anbieter - eine tagesgenaue Abrechnung an. Das heißt, der Kunde zahlt definitiv nur für die Zeit, die er das Gerät bei sich hat. Es gibt auch die Variante des Mietkaufs. Dabei kann der Kunde das gemietete Gerät nach Ablauf der Mietzeit von uns kaufen.

Mieten ist aber auch langfristig vorteilhaft. Sehen Sie, die Technik entwickelt sich so rasant weiter, dass das beschaffte Equipment rasch veraltet. Und gerade hochspezialisierte Messgeräte etwa für die 40/100-Gbit-Übertragung sind a) sehr teuer und b) so schnell nicht wieder zu verkaufen. So bleibt der Kunde letztlich auf seinem in den Messgeräten gebundenen Kapital sitzen, auch wenn er eigentlich keine Verwendung mehr für das Equipment hat. Hat er das Gerät jedoch gemietet, kann er es jederzeit zurückgeben, zahlt dann keinen Cent mehr dafür und kann sich bei Bedarf gleich das passende neue Equipment mieten. Aus diesen genannten Gründen greifen Kunden auch in Deutschland in letzter Zeit verstärkt auf Langzeitmieten zurück.

Leasing fällt unter den Oberbegriff Finanzierung. Dabei handelt es sich um einen festen, befristeten Vertrag über eine Dauer ab zwei Jahren, typischerweise eher von drei bis vier Jahren. Im Gegensatz zur Miete sind Leasing-Geräte meistens Neugeräte, die wir für den Kunden beim Hersteller kaufen und die Finanzierung gegenüber dem Kunden abwickeln. In Deutschland ist derzeit noch das so genannte Vollamortisations-Leasing, auch Finanzleasing genannt, am weitesten verbreitet. Hier wird der komplette Kaufpreis getilgt. Am Ende der Laufzeit ist der Kauf des Geräts gewöhnlich eine der Optionen, die der Kunde in Anspruch nehmen kann.

Ebenfalls interessant, und gerade in Deutschland zunehmend aufgegriffen, ist das Teilamortisations- oder Operating Leasing. Hier wird nur ein gewisser Teil des Gerätewertes während der Laufzeit amortisiert. Am Vertragsende zahlt der Kunde den Restwert oder das Gerät geht an uns zurück.

Für kurzfristige Leihen ist die Miete perfekt, Leasing spielt seine Vorteile wiederum bei mittel- oder langfristigem Bedarf aus.