Interview Das CSA-Prüfzeichen auf dem Weg nach Europa

Magali Depràs, CSA Group: »Unser Ziel ist es, möglichst viele Kunden lokal zu bedienen. Das erreichen wir durch Akquisitionen und den Ausbau unserer eigenen Ressourcen.«
Magali Depràs, CSA Group: »Unser Ziel ist es, möglichst viele Kunden lokal zu bedienen. Das erreichen wir durch Akquisitionen und den Ausbau unserer eigenen Ressourcen.«

Der kanadische Zertifizierungsdienstleister CSA baut seine Präsenz im europäischen Markt derzeit massiv aus. Markt&Technik sprach mit Magali Depràs, Vice President CSA Group Europe, über den Stellenwert, den Deutschland in der Geschäftsstrategie der Non-Profit-Organisation einnimmt.

Markt&Technik: Das CSA-Prüfzeichen ist auf Milliarden von Produkten zu sehen – allerdings ist es bislang nur in ihren Heimatmärkten Kanada und Nordamerika relevant. Warum verstärken Sie nun ihre Präsenz in Europa?
Magali Depràs: In Kanada und den USA ist das CSA-Prüfzeichen bereits seit langem eingeführt. Ähnlich dem europäischen CE- und dem US-amerikanischen UL-Zeichen steht es für die norm- und leistungsgerechte Einhaltung der gängigen Sicherheitsanforderungen. Mit unserem Engagement in Europa wollen wir europäischen Herstellern anhand des CSA-Prüfzeichens eine schnellere globale Markteinführung ihrer Produkte ermöglichen. Das geht nicht vom Büro im fernen Kanada aus, sondern dazu muss man nah am Kunden sein. Daher haben wir eine eigene Europa-Organisation ins Leben gerufen und bauen diese kontinuierlich aus.

Welche Produktbereiche zertifizieren Sie?
Nun, wir sind sehr breit aufgestellt. Global betrachtet betreiben wir sechs Geschäftsbereiche und decken damit viele Anwendungen ab, darunter Medizintechnik, Industrie, Haushaltsgeräte, Installation und Baugewerbe – zu dem beispielsweise die Beleuchtung gehört -, alternative Energien und Konsumerprodukte.

Damit decken Sie einige der zukunftsträchtigsten Märkte ab…
Ja, durch unsere Arbeit in den Standardisierungsgremien und unseren engen Kontakt zu Industriekunden haben wir früh ein Gespür dafür bekommen, welche Anforderungen in Zukunft wichtig werden. Entsprechend zeitig konnten wir damit beginnen, das nötige Know-how aufzubauen. Und wo wir diese Expertise nicht aus eigenen Ressourcen aufbauen konnten, haben wir sie über Akquisitionen ergänzt.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die 2011 getätigten Akquisitionen der EMV-Testdienstleister Emitel und Mikes Testingpartners?
Um unsere Präsenz auszubauen und nahe beim Kunden zu sein, brauchen wir Experten, die im lokalen Markt bereits bekannt sind. Mit Emitel und Mikes Testingpartners haben wir die perfekten Firmen gefunden. Beide Labore sind unter anderem von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS akkreditiert und verfügen über ein hohes Maß an Expertise im Bereich EMV, Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Zudem liegt einer der Schwerpunkte von Emitel auf Automotive-Anwendungen. Damit erhalten wir nun auch Zugang zu einem Markt, den wir in Europa noch weiter ausbauen möchten.

Welchen Stellenwert haben EMV-Prüfungen generell in Ihrer Europastrategie?
Einen sehr hohen. Sehen Sie, jeder Hersteller muss für jedes Produkt sicherstellen, dass es alle Regularien hinsichtlich elektromagnetischer Verträglichkeit erfüllt. Die entsprechenden Pre-Compliance-Messungen und Zertifizierungen werden in den meisten Fällen von Testdienstleistern durchgeführt. Daraus ergibt sich ein großes Potential, das man allerdings nur dann voll ausschöpfen kann, wenn man nahe beim Kunden ist. Um dies zu gewährleisten, haben wir das EMV-Kompetenzzentrum in Straßkirchen mit drei CSA-Laboren aufgebaut: den beiden vorhandenen Betriebsstätten von Emitel und Mikes Testingpartners sowie einem neuen Prüflabor, das wir im Herbst 2012 direkt als CSA eröffnet haben. Insgesamt haben wir dort nun über 5000 Quadratmeter Prüffläche.

Im November 2012 hat CSA den US-amerikanischen LED/Lighting-Testdienstleister Orb Optronics gekauft und verstärkt damit seine Expertise im Beleuchtungsmarkt. Gibt es ähnliche Pläne für Europa?
Auch in Europa – und speziell in Deutschland – birgt der Beleuchtungsmarkt ein großes Zukunftspotential für uns. Das haben wir erkannt und wir arbeiten bereits an Strategien, wie wir den Markt adressieren und den Kunden einen schnellen globalen Marktzugang ermöglichen können.

Welche Ziele verfolgt CSA in Europa mittelfristig?
Bislang waren wir in Europa nur wenig präsent. Das wollen wir nun ändern. Unser Ziel ist es, möglichst viele Kunden lokal zu bedienen. Das erreichen wir zum einen durch Akquisitionen, zum anderen über den Ausbau unserer eigenen Ressourcen. Wir werden überall dort, wo wir das Gefühl haben, dass ein lokaler Partner für die Kunden wichtig ist, prüfen, ob wir eine Möglichkeit dazu finden. So werden wir beispielsweise Ende 2013 in Frankfurt ein eigenes Labor eröffnen, das sich schwerpunktmäßig auf Medizintechnik, Industrieanwendungen und Haushaltsgeräte konzentrieren wird. Neben der geografischen Ausbreitung wollen wir auch unsere Kompetenz und unser Dienstleistungsangebot in vorhandenen Märkten ausbauen und in neue Bereiche eintreten.

Wo sehen Sie das größte Wachstumspotential?
In Europa ist Deutschland für uns der größte und wichtigste Markt, gefolgt von England. In diesen Ländern wollen wir weiter wachsen. Einen steigenden Bedarf an Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen sehen wir aber auch in Zentraleuropa, Frankreich, Skandinavien und in der Türkei. Diese Märkte werden wir genau analysieren und dann entscheiden, wie wir die Kunden dort am besten betreuen können.

Das Interview führte Nicole Wörner.