Kommentar Bosch zeigt: Chips sind systemrelevant!

Heinz Arnold
Heinz Arnold

Die Stimmung auf politischer Ebene ist umgeschlagen, zugunsten der Mikroelektronik und der Halbleiterindustrie. Endlich.

Auf dem Forumsgespräch zum Thema »Halbleiter in Europa«, zu dem die Markt & Technik kürzlich eingeladen hatte, war dies deutlich zu spüren: Ob Jens Drews von Globalfoundries, Jürgen Weyer von NXP, Dr. Jürgen Haase vom Edacentrum oder Prof. Dr. Peter Kücher vom Fraunhofer EMFT, alle waren sich einig: Über die vergangenen zwölf Jahre (!) sei die Erkenntnis sowohl in der deutschen als auch der europäischen Politik gewachsen: Sie habe erkannt, dass die Mikroelektronik systemrelevant sei, selbst das Bundeswirtschaftsministerium gebe jetzt Geld, es herrsche Aufbruchsstimmung, es würden künftig hierzulande wieder Investitionen getätigt.

Das bestätigt die jetzt bekannt gewordene Entscheidung von Bosch, für 1 Mrd. Euro eine Fab in Dresden zu bauen, aufs Allerschönste. Dass der Bund 200 Mio. Euro zuschießen will, dürfte nicht hinderlich gewesen sein, auch wenn Bosch sich beeilt zu sagen, dass das Umfeld in Dresden mindestens eine ebenso große Rolle gespielt habe.

Aber ist der Zug nicht längst schon abgefahren? Den größten Teil der Chips fertigen asiatische Hersteller, der Anteil Europas ist sogar über die letzten Jahre weiter gesunken. 

Es gibt dennoch gute Argumente, die dafür sprechen, hierzulande zu entwickeln und zu fertigen, auch wenn heute der größte Teil der Chips aus Asien kommt.  

Vor allem wenn es um More than Moore geht – hierfür sind die MEMS-Sensor-Systeme von Bosch ein schönes Beispiel – kann die Entwicklung und Fertigung vor Ort einen Vorteil bedeuten. Sie sind nämlich aus Asien nicht so einfach zu beziehen.

Und ein weiterer Aspekt ist interessant: Die Fertigung vor Ort spielt auch eine Rolle, wenn es um die jetzt glücklicherweise heftig diskutierten Sicherheitsanforderungen in der vernetzten Welt geht. Denn erst wenn sie erfüllt sind, wird der Traum von den vernetzten Autos und dem Internet of Things in Erfüllung gehen können. Und Sicherheit muss auf der Hardware-Ebene beginnen, daran führt kein Weg vorbei.

Die gute Nachricht: Auf der Ebene der Embedded-Hardware- und -Software-Systeme ist Deutschland führend. Sowohl große Unternehmen als auch besonders der Mittelstand mischen hier kräftig mit. Bosch ist ein gutes Beispiel dafür.