Interview / Keysight Technologies Automotive & Energy – eine vielversprechende Symbiose

Siegfried Groß, Keysight im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner.
Siegfried Groß, Keysight, im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteurin Nicole Wörner.

Keysight hat seine Geschäftsbereiche umstrukturiert: Standen früher Produkte im Fokus, sind es nun Kunden und Applikationen. Letztere verschmelzen zunehmend, wie das Beispiel Automotive & Energy zeigt. Siegfried Groß, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Keysight Deutschland, über die Hintergründe.

Markt&Technik: Keysight hat seine Geschäftsbereiche komplett umstrukturiert. Bitte erklären Sie uns kurz die neue Organisation. 

Siegfried Groß: Wir fokussieren nun auf die drei Business-Segmente Communications, Electronic Industrial Solutions – inklusive General Electronics, Semiconductors und Automotive & Energy – und Services Solutions. Diese drei Segmente bilden den Rahmen. Das wichtigste dabei ist aber, dass wir uns nun nicht mehr auf reine Produkte konzentrieren, sondern auf Kunden. Das heißt, künftig sind in einem Business-Segment nicht mehr das Produkt A, B oder C angesiedelt, sondern der Kunde A, B oder C.

Ein Beispiel: Ein Kunde kommt mit einem Car-to-Car-Communication-Projekt auf uns zu. Früher wären verschiedene Produktbereiche dafür zuständig gewesen, jetzt gibt es eine einzige klare Verantwortung in der Automotive & Energy Business Unit, weil eine eindeutige Kundenzuständigkeit definiert ist.

Aber damit verschieben Sie die Umsätze doch lediglich intern…

Das könnte man zunächst annehmen, aber die Erfahrung seit Einführung der neuen Organisation zeigt: Es ist für uns in der Tat eine Erweiterung, keine Verschiebung oder gar Verdrängung. Mit diesen neuen Definitionen erhalten wir deutlich tiefere Einblicke in die einzelnen Industrien – was zum klaren Mehrwert für den Kunden führt und uns wiederum große Wachstumschancen bietet. 

Wie ist die Idee der Automotive-&-Energy-Strategie entstanden?

Der Schritt in die Selbstständigkeit vor drei Jahren bot Keysight die einmalige Chance, völlig neue Strukturen zu etablieren und neue Wege zu gehen. Wir sahen neue Märkte entstehen und bestehende Marktsegmente verschmelzen. Darin lag so viel Potential – man musste nur Wege finden, es für sich zu nutzen.

Aus der lokalen Nähe zur Automobilbranche und der starken Energiewirtschaft in Deutschland heraus lag die Idee nahe, diese beiden Marktsegmente genauer zu betrachten. Die zunehmend starke Verschmelzung dieser beiden Märkte war damals zwar bereits abzusehen, allerdings noch nicht so klar umrissen, wie es sich heute darstellt.

Als dieser Zusammenhang klar wurde, haben wir strategisch reagiert und den Bereich »Automotive & Energy« gegründet, in dem wir unsere Kernkompetenzen gebündelt und beide Segmente gemeinsam adressiert haben. Damals war der hier in Deutschland entstandene Ansatz vielleicht noch ein wenig opportunistisch, er entwickelte sich dann aber so gut, dass er essentieller Bestandteil unserer neuen globalen Strategie wurde. 

Wäre das nicht auch mit der bestehenden produktzentrierten Organisation realisierbar gewesen?

Nein, denn man muss dabei auch die zunehmend breiter gefasste Struktur der Märkte berücksichtigen. Auch die Kunden selber arbeiten ja nicht mehr nur in einem einzigen Applikationssegment. Automobilhersteller wie Tesla, VW oder Daimler engagieren sich auch im Bereich der verteilten Energie, und nahezu alle klassischen Mobilfunkanbieter haben eMobility als Geschäftsfeld für sich entdeckt und bieten spezielle Automotive-Lösungen an. Daher reicht es ihnen nicht mehr, nur ein Stand-alone-Produkt zu kaufen. Sie brauchen breiter angelegte, vielleicht auch Marktsegment-übergreifende Lösungen. Auf diese sich ändernden Marktbedingungen haben wir reagiert, indem auch wir nicht mehr nur auf Produktgruppen fokussieren, sondern auf den Kunden, der seinerseits marktsegmentübergreifend arbeitet.