Sensor+Test / AMA Verband »AMA Innovationspreis 2016« für zwei Biomedizinprojekte

Der AMA Innovationspreis zählt seit Jahren zu den renommiertesten Preisen in der Sensorik und Messtechnik und wird jährlich vom AMA Verband ausgelobt.
Der AMA Innovationspreis zählt seit Jahren zu den renommiertesten Preisen in der Sensorik und Messtechnik und wird jährlich vom AMA Verband ausgelobt.

Der mit 10.000 Euro dotierte »AMA Innovationspreis 2016« geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an zwei Gewinner – beide aus dem Bereich der Biomedizin. Das Projekt »Magnetische Durchflusszytometrie« überzeugte ebenso wie die »Nerven aus Glas – Faseroptische 3D-Positionierung von Herzkathetern«.

»In diesem Jahr haben sich 41 Entwicklerteams um den AMA Innovationspreis beworben« erklärt der Juryvorsitzende Professor Andreas Schütze von der Universität des Saarlandes. »Die beiden Gewinnerprojekte Magnetische Durchflusszytometrie und Nerven aus Glas lagen mit wissenschaftlich herausragenden Lösungen und erkennbarem praktischen Nutzen eine Nasenlänge vor den anderen Nominierten. Insgesamt hat in diesem Jahr aber die Sensorik in der Biomedizintechnik gewonnen. Überraschenderweise entwickeln alle fünf nominierten Teams innovative Lösungen für medizinische Anwendungen basierend auf ganz unterschiedlichen Prinzipien der Sensorik und Messtechnik.«

Die Gewinner:

»Magnetische Durchflusszytometrie« – von Dr. Oliver Hayden, Lukas Richter, Michael Helou, Mathias Reisbeck (Siemens Healthcare), Ronald Lehndorff (Sensitec), Ignaz van Domelein (Sencio), Mario Nitzsche (M2 Automation). 

Dieses Projekt könnte einen echten Durchbruch im Bereich der Krankenhaus-Notaufnahme darstellen. War es bislang noch sehr zeitaufwändig, eine genaue Zellanalyse aus einer Blutprobe zu erstellen, könnte das mit der neuen Methode nun innerhalb kürzester Zeit erfolgen: Die Neuentwicklung ermöglicht durch spezifische magnetische Markierung mit einem rein magnetischen Workflow in einer Einwegkartusche den Nachweis von Zielzellfunktionen ohne Probenaufbereitung direkt im Patientenblut. 

Dies geschieht durch eine magnetische Laufzeitmessung des Signals patientennah in einem Tischgerät innerhalb weniger Minuten. 

Die hohe Messgenauigkeit eröffnet schnelle Therapieentscheidungen bei instabilen zellulären Biomarkern, die bisher bei anderen Verfahren aufgrund hoher Investitionskosten und nötigem Spezialistenwissen keine Routineanwendung erlaubten. 

Derzeit befindet sich das Verfahren in der Praxiserprobung an zwei Krankenhäusern in Erlangen und Mainz.

»Nerven aus Glas« – von Professor Dr. Wolfgang Schade, Dr. Martin Angelmahr (Fraunhofer HHI, Goslar), Christian Waltermann, Anna Lena Baumann (Photonik Inkubator/ Fraunhofer HHI) und Philip Gühlke (Photonik Inkubator, Göttingen). 

Die zweite prämierte Innovation sind die »Nerven aus Glas«. Dabei geht es um eine multifunktionale faseroptische Sensorplattform zur 3D-Formerfassung, mit der die Wissenschaftler einen Durchbruch im Bereich der 3D-Positionierung von Herzkathetern geschafft haben. 

Als präzises Navigations- und Trackingsystem könnte es künftig eine wichtige Rolle in der minimal-invasiven Radiologie und Chirurgie spielen: Die dreidimensionale Form- und Bewegungserfassung mittels faseroptischer Sensorik erlaubt eine Repositionierungsgenauigkeit von Herzkathetern <1 mm. Dies trägt entscheidend zur Verbesserung des Erfolgs und Reduzierung der benötigten Operationszeit bei.

Über die Positionierung von Herzkathetern hinaus sind noch viele andere Anwendungen – nicht nur in der Medizintechnik – denkbar. Auch für die Industrie könnte diese Technologie interessant sein. So könnte man beispielsweise mittels integrierter Drucksensoren einem Roboter »Gefühl« in die Greifhand geben, so dass er vorsichtig sogar ein rohes Ei greifen könnte, ohne es zu zerdrücken. 

Ganz allgemein könnte man mit einem »Cyber-Handschuh«, der die Bewegungen jeden einzelnen Fingers erkennt und visualisiert, Arbeitsabläufe kontrollieren und optimieren. 

Sonderpreis ‚Junges Unternehmen‘ für 4D-Mikroskop-Kamera

Den Sonderpreis erhielt das Entwicklerteam um Dr. Rachel Wang Ruiqi (d'Optron Pte Ltd., Nanyang Technological University) für die Entwicklung des »d’Bioimager«, einer echten 4D-Mikroskop-Kamera (3D-Bildgebung in Echtzeit), insbesondere für biomedizinische Anwendungen. 

Das ‚Junge Unternehmen‘ aus Singapur erhielt als Sonderpreis einen kostenfreien Messeauftritt auf der SENSOR+TEST 2016. 

Broschüre mit allen Einreichungen 2016

Alle Einreichungen sind mit einer Kurzbeschreibung in der Broschüre »AMA Innovationspreis 2016 – Die Bewerber« zusammengefasst. Sie steht kostenfrei auf der Homepage des AMA Verbandes zum Download bereit.