Der Mitbewerber sieht’s entspannt Agilent reagiert gelassen auf 100-GHz-Ankündigung

Peter Kasenbacher, Agilent: »Der Schlüssel ist nicht die Technologie als solche, sondern viel mehr das Messergebnis, das mit dem jeweiligen Gesamtdesign erreichbar ist.«
Peter Kasenbacher, Agilent: »Der Schlüssel ist nicht die Technologie als solche, sondern viel mehr das Messergebnis, das mit dem jeweiligen Gesamtdesign erreichbar ist.«

Vor wenigen Wochen hat Teledyne LeCroy erstmals öffentlich den Prototypen eines 100-GHz-Echtzeit-Oszilloskops gezeigt. Markt&Technik sprach mit Peter Kasenbacher, EMEA Market Segment Manager von Agilent, über die spannende Wettbewerbssituation im Markt für High-end-Scopes.

Markt&Technik: Teledyne LeCroy ist mit der Vorstellung des 100-GHz-Prototypen ein echter Paukenschlag gelungen. Wie reagieren Sie als Mitbewerber auf diese Ankündigung?

Peter Kasenbacher: Gemäß unserer Unternehmensgepflogenheiten kommentieren wir Ankündigungen von Wettbewerbern eigentlich nicht. Wir konzentrieren uns vielmehr auf unsere Kunden und darauf, Produkte zu entwickeln, die auf ihre aktuellen und zukünftigen Messanforderungen zugeschnitten sind. Mit dieser Strategie sind wir bislang sehr erfolgreich. Unter anderem hat sie uns zu der einzigartigen Infiniium-90000-Q-Serie geführt, die wir mittlerweile seit über einem Jahr auch ganz regulär ausliefern. Diese Geräte bieten nicht nur bis zu 63 GHz Bandbreite, sondern sie punkten auch mit extrem niedrigen Rauschen und einem hervorragenden Jitter-Verhalten – beides essentielle Parameter, die der Anwender braucht, um auch wirklich von der hohen Bandbreite zu profitieren. Das Feedback unserer Kunden ist überaus positiv. So hat beispielsweise Alcatel-Lucent unser Scope eingesetzt, um erstmals einen 1-Terabit/s-Data-Link zu demonstrieren. Das ist ein realer Beweis unserer Technologieführerschaft, nicht nur eine Pressemitteilung oder eine Prototypen-Demonstration.

Wie groß schätzen Sie das Marktpotential für diese High-end-Oszilloskope ein?

Peter Kasenbacher: Nun, die größten Marktsegmente finden sich in Anwendungen unter 16 GHz. Der mit diesen High-end-Geräten bedienbare Markt liegt vielleicht bei zehn Prozent. Dennoch ist es überaus wichtig, als Hersteller in diesem Segment aktiv zu sein, denn einerseits treibt die Entwicklung der High-end-Komponenten die Investitionen in neue Technologien voran, und andererseits lassen sich die daraus entstehenden neuen Entwicklungen auch in andere Marktsegmente übertragen. Unser Engagement im High-end-Bereich hält uns eng verbunden mit den so genannten Emerging Technologies und den Kundenanforderungen. Genau dieses Engagement erwarten die Kunden von Agilent als Marktführer der Test- und Messtechnik.

Wann können wir mit einer neuerlichen Bandbreitensteigerung seitens Agilent rechnen?

Peter Kasenbacher: Nun, es ist wiederum nicht unsere Firmenphilosophie, Produkt-Roadmaps zu veröffentlichen. Andere Hersteller mögen aus verschieden Motivationslagen hier anders verfahren, beispielsweise wenn sie heute noch kein entsprechendes Gerät liefern können. Aber Sie können sicher sein, dass wir als Marktführer im Bereich der High-Performance-Oszilloskope natürlich beabsichtigen, unsere Position hier noch weiter zu stärken. Dazu investieren wir massiv in modernste Halbleiter-, Packaging- und Testtechnologien und entwickeln leistungsfähige Softwaretools, um dem Kunden die für ihn bestmögliche Systemlösung zu bieten. Wir stehen in engem Kontakt mit den Kunden – die wiederum in ihren Segmenten führend sind - und stimmen unsere Produkt-Roadmap mit deren Messaufgaben ab. Das Feedback der Kunden auf unsere Produktpläne ist bislang sehr positiv, entsprechend werden wir diesen Weg auch weiterhin gehen.

LeCroy hat durch die Konzernzugehörigkeit zu Teledyne nun auch Zugriff auf die InP-Technologie, die Sie bereits in Ihren High-end-Geräten einsetzen. Sehen Sie darin eine Gefährdung Ihrer Marktposition?

Peter Kasenbacher: Es ist interessant, dass man nach vielen Jahren, in denen wir für unseren Einsatz der InP-Technologie kritisiert wurden, nun selbst mit den Vorteilen dieser Technologie wirbt. Wir haben bereits viel Erfahrung mit InP-Prozessen, nicht nur produktionstechnisch sondern auch hinsichtlich des gesamten Systemdesigns inklusive Simulation, Packaging, Test und der Integration weiterer Mikrowellen-Technologien. Wir sind zuversichtlich, dass uns diese Erfahrung auch zukünftig einen Vorsprung verschafft. Und natürlich werden wir auch weiterhin unterschiedliche Prozess-Technologien für unsere Produkte weiterentwickeln und verwenden. Bereits jetzt nutzen wir nicht nur InP sondern auch GaAs oder SiGe und andere – jeweils abgestimmt auf das, was sich für das entsprechende Produktdesign am besten eignet. Und um nochmal auf die Kundenanforderungen zurückzukommen: Der Schlüssel ist nicht die Technologie als solche, sondern viel mehr das Messergebnis, das mit dem jeweiligen Gesamtdesign erreichbar ist. Und auch hier beweist sich Agilent immer wieder als Marktführer in Sachen messtechnischer Performance.

Die Fragen stellte Nicole Wörner.