Maschinelles Lernen Maschinen kopieren Moral

Probanden saßen am Steuer eines virtuellen PKWs, der in einem Vorstadt-Setting auf Hindernisse zufuhr. Eine Kollision war unausweichlich, es konnte lediglich die Spur ausgewählt werden.
Probanden saßen am Steuer eines virtuellen PKWs, der in einem Vorstadt-Setting auf Hindernisse zufuhr. Eine Kollision war unausweichlich, es konnte lediglich die Spur ausgewählt werden.

Maschinen könnten schon bald moralisches Verhalten von Menschen imitieren – das meldet zuversichtlich die Universität Osnabrück.

Das Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück hat eine Studie veröffentlicht, wonach von Menschen abgeschaute menschlich-ethische Entscheidungen schon bald in Maschinen wie etwa autonome Fahrzeuge implementiert werden könnten. Demzufolge könnten moralische Dilemmata im Straßenverkehr („überfahr ich im Falle einer unausweichlichen Kollision die Oma oder den Hund?“) bald besser zu bewältigen sein.

Prof. Dr. Gordon Pipa ist einer der leitenden Wissenschaftler der Studie. »Um Regeln oder Empfehlungen definieren zu können sind zwei Schritte notwendig. Als Erstes muss man menschliche moralische Entscheidungen in kritischen Situationen analysieren und verstehen. Als zweiten Schritt muss man das menschliche Verhalten statistisch beschreiben, um Regeln ableiten zu können, die dann in Maschinen genutzt werden können«.

Um beide Schritte zu realisieren, nutzten die Autoren eine virtuelle Realität, um das Verhalten von Versuchspersonen in simulierten Verkehrssituationen zu beobachten. Die Teilnehmer der Studie fuhren dazu an einem nebeligen Tag durch die Straßen eines typischen Vorortes. Im Verlauf der Experimente kam es dabei zu unvermeidlichen und unerwarteten Dilemma-Situationen, bei denen Menschen, Tiere oder Objekte als Hindernisse auf den Fahrspuren standen. Um den Hindernissen auf einer der beiden Spuren ausweichen zu können, war deshalb eine moralische Abwägung notwendig. Die beobachteten Entscheidungen wurden dann durch eine statistische Analyse ausgewertet und in Regeln übersetzt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser unvermeidbaren Unfälle moralisches Verhalten durch eine einfache Wertigkeit des Lebens erklärt werden kann, für jeden Menschen, jedes Tier und jedes Objekt.

Leon Sütfeld, der Hauptautor der Studie, erklärt dies so: »Das menschliche moralische Verhalten lässt sich durch den Vergleich von einer Wertigkeit des Lebens, das mit jedem Menschen, jedem Tier oder jedem Objekt assoziiert ist, erklären bzw. mit beachtlicher Präzision vorhersagen. Das zeigt, dass menschliche moralische Entscheidungen prinzipiell mit Regeln beschrieben werden können und dass diese Regeln als Konsequenz auch von Maschinen genutzt werden könnten.«

Die Ergebnisse der Studie »Using Virtual Reality to Assess Ethical Decisions in Road Traffic Scenarios: Applicability of Value-of-Life-Based Models and Influences of Time Pressure« sind in »Frontiers in Behavioral Neuroscience« erschienen.