Lantiq-Interview Technik für verändertes Kundenverhalten: DSL + LTE

Dan Artusi, Lantiq: »In der Vergangenheit hat sich praktisch niemand für den Upstream interessiert.«
Dan Artusi, Lantiq: »In der Vergangenheit hat sich praktisch niemand für den Upstream interessiert.«

Lantiq kombiniert DSL und LTE für mehr Bandbreite. Die Vorteile und Hintergründe erklärt Dan Artusi, CEO von Lantiq, und gibt weitere Einblicke in die Unternehmensstrategie.

Markt&Technik: Lantiq ist eigentlich als eine Wireline-Firma bekannt. Warum jetzt die Kombination mit LTE?

Dan Artusi: Da muss ich etwas ausholen. Ich war schon mit Lantiq beschäftigt, da gab es das Unternehmen in seiner heutigen Form noch nicht. Ich war Teil des Teams beim Investor Golden Gate Capital, das dabei half, den Unternehmensteil aus Infineon herauszulösen. Schon als Aufsichtsratsmitglied war mir klar, dass wir eine Breitband-Company sind. Sich auf ein Medium festzulegen, ist eine zu große Einschränkung. Wir sind für die Frage aufgeschlossen, was heute und morgen an Bandbreite benötigt wird. Deswegen legte ich zusammen mit dem Team einen verstärkten Fokus auf LTE - denn LTE ist einfach eine weitere Breitbandzugangstechnologie, eine WAN-Technologie.

Wie reagiert der Markt?

Unsere Kunden und die Netzbetreiber sind sehr daran interessiert, diese beiden Datenströme - DSL und LTE - zusammenzubringen. Es gibt viele Wege, sie zu kombinieren, denn jeder Betreiber hat sein eigenes Equipment und seine eigene Vorstellung, wie das zu geschehen hat. Das Interessante ist dabei, dass man die Datenströme - z.B. zwei Paar VDSL plus Full-Speed-LTE - zusammenfassen kann und so 300 MBit/s im Downstream hat. Wir haben das mehreren potenziellen Kunden gezeigt, und es ist natürlich eine interessante Alternative für Anbieter, die sowohl über DSL als auch LTE verfügen. Zudem gibt es auch viele Gebiete, in denen die im Wettbewerb stehenden Anbieter keinen Zugriff auf Wireline haben - mit LTE können sie sofort Breitbandanbieter werden. Auch in kleineren Gemeinden kann man so quasi über Nacht Breitbandzugänge anbieten. Zukünftige LTE-Versionen (wie Category 4) unterstützen z.B. Carrier Aggregation, womit die Datenraten nochmals signifikant erhöht werden können - was neue Möglichkeiten eröffnet.

Woher kommt das LTE-Know-how?

Für LTE haben wir Partner, das machen wir nicht selber. Wir verstehen mit DSL die drahtgebundene Kommunikation sehr gut und wissen, wie man die Datenpakete kombiniert und verarbeitet. Wir müssen natürlich auch sicherstellen, dass die CPU auf dem Board den Datenverkehr bewältigen kann. Neben dieser CPU, die sich um die allgemeinen Computing-Belange kümmert, nutzen wir auch eine Packet Processing Engine (PPE). Damit können wir den Datenstrom optimieren, ohne dass die CPU sich um jedes Paket kümmern muss. Wir haben die Firmware und die PPE-Treiber für LTE entsprechend optimiert und brauchen für die 300 MBit/s nur 35 Prozent der CPU-Rechenleistung. Damit bleiben 65 Prozent frei für andere Aufgaben, und man kann weitere Services und Anwendungen wie Sprachverarbeitung anbieten. Wir nutzten damit das Know-how, das wir für andere Zwecke entwickelt haben, auch für DSLTE.

Wer sind die LTE-Partner?

Altair Semiconductor, ein israelischer Start-up mit ehemaligen TI-Mitarbeitern, der einen sehr guten Job macht und eine sehr kosteneffektive Lösung anbietet. Mit ihm arbeiten wir sehr eng zusammen. Wir kooperieren natürlich auch mit Qualcomm, weil einige unserer Kunden auf Qualcomm setzen. Und als Drittes mit einer kleineren Firma - GCT - einem amerikanisch/koreanischen Investment. Auf der Softwareseite arbeiten wir mit Ecrio und D2 für die Bereiche VoIP und IMS zusammen.

Der Kunde kann sich also seine LTE-Komponenten selber aussuchen?

Korrekt. Das LTE-Modem ist nicht unsere Expertise, aber wir wissen ganz genau, wie Breitband geht.

Kommt es in Zukunft zu Kooperationen zwischen reinen DSL- und reinen LTE-Anbietern?

Ich hoffe darauf, aber das Problem ist weit größer als alle technischen Probleme, über die wir hier reden: die ganzen Abrechnungssysteme und wie soll gemessen werden. Zudem wollen die Kunden keine zwei Rechnungen - das will ich als Consumer auch nicht.