Flüssiger Funk Nokia Siemens Networks revolutioniert die Mobilfunkinfrastruktur

Flexi RACE (Radio Antenna Capillary Elements) ist das Nokia Siemens Networks-Konzept für Platz sparende aktive Antennen, deren Abstrahlcharakteristik verzögerungsfrei dynamisch regelbar ist.
Flexi RACE (Radio Antenna Capillary Elements) ist das Nokia Siemens Networks-Konzept für Platz sparende aktive Antennen, deren Abstrahlcharakteristik verzögerungsfrei dynamisch regelbar ist.

Die Mobilfunkinfrastruktur der Zukunft soll auch selber so dynamisch und flexibel werden wie die Funkwellen, die sie verbreitet.

Und Multiradio ist nicht das einzige Phänomen und auch nicht die einzige Herausforderung in der Mobilfunkstruktur: »Die bisherige Netzabdeckung ist viel zu statisch«, stellt Robrecht fest, »Die Hot Spots im Mobilfunk sind dynamisch; sie bewegen sich zunehmend mit den Benutzern und sind tagsüber im Office-Bereich, während sie im gleichen Umfang abends zu Hause weitergehen«. Hinzu kommt, dass das Kommunikationsaufkommen sich nicht nur sowohl geografisch als auch zeitlich dynamisch verteilt, sondern auch immer größer wird. Die immer noch wachsende Zahl von Mobilfunkteilnehmern mit Flatrates führt zu einer Veränderung des Kommunikationsverhaltens: Die Netzlast steigt, was wiederum zu hohen Anforderungen an die Infrastruktur führt. »Die bisher üblichen Standard-Makro-Netze genügen den neuesten Anforderungen nicht mehr«, sagt Robrecht. »Wir müssen die Zellen kleiner machen und Overlay-Netze schaffen. Das sind zum Beispiel Femtonetze und Piconetze«.

Verbesserte spektrale Effizienz in Self-Organizing Networks

Es geht aber um mehr als Architekturen: »Bandbreite ist ein knappes und kostbares Gut. Wir müssen deshalb auch die spektrale Effizienz verbessern«, fordert Robrecht. Und nicht nur das Funkspektrum soll effizient genutzt werden. »Wir brauchen auch effizientes Netzmanagement, in Gestalt so genannter Self-Organizing Networks (SON)«, fügt der Nokia-Siemens-Networks-Sprecher hinzu. Diese SON konfigurieren sich selbst. Sie arbeiten praktisch nach dem Plug-and-Play-Prinzip. »Das funktioniert wirklich so«, versichert Robrecht. »Wir liefern die neue Technik heute bereits. Das Equipment wird dabei nur zentral vorkonfiguriert und dann angeliefert, aufgebaut, angeschlossen und eingeschaltet. Alles weitere geschieht automatisch und die Netzwerkelemente konfigurieren sich gegenseitig - völlig automatisiert.«
Und während das Baseband-Processing teilweise mehr und mehr zentralisiert wird, gibt es eine Gegenbewegung geben, im Zuge dessen die Management-Funktionen dezentral wahrgenommen werden. »Wenn ein Knoten ausfällt, merken das die anderen Knoten nicht nur, sondern sie übernehmen eigenständig die Versorgung der ausgefallenen Gebiete«, sagt Robrecht, der in diesem Zusammenhang von »SON-enabled heterogenen Netzen« spricht. Und auch die Handover Relations könne man ohne Weiteres im Knoten verwalten. Selbst Störungen könne man besser Herr werden. »Störungen kann man abfangen, indem man sie vorausschauend erkennt und sich darauf einstellt, bevor das eigentliche Problem auftritt«, so Robrecht.

Von Fiktion zu Fakten

Vieles im Liquid Radio hört sich noch wie Science Fiction an - und ist gleichwohl schon jetzt Realität. Nachdem die Architektur von einem finnisch-deutschen Infrastrukturhersteller entwickelt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass erste Anlagen auch in diesen Ländern in Betrieb sind. »Sowohl in Deutschland, genauer genommen in unserem Excellence Center in Ulm, als auch in Finnland laufen bereits Pilotanlagen«, bestätigt Robrecht. Aber auch in China, in dem die dort entwickelte und mittlerweile global verbreitete TD-LTE-Variante eingeführt wird, wird diese Technik bereits installiert.