TrackNet Kostengünstige und durchgängige LoRa-Vernetzung

Hardy Schmidbauer, TrackNet: »Wir fokussieren uns mit durchgängigen Systemen vom Sensor bis zur App und Netzwerkmanagement zunächst auf die Märkte Consumer und Gebäudemanagement, die hohe Stückzahlen versprechen und eine gute Abdeckung verlangen.«
Hardy Schmidbauer, TrackNet: »Wir fokussieren uns mit durchgängigen Systemen vom Sensor bis zur App und Netzwerkmanagement zunächst auf die Märkte Consumer und Gebäudemanagement, die hohe Stückzahlen versprechen und eine gute Abdeckung verlangen.«

Mit einem neuen Modell zur Installation von LoRa-Netzen will der Start-up TrackNet den LPWANs neuen Schub geben. »Wir reduzieren die Kosten und bieten sowohl Netzbetreibern als auch Endanwendern ganz neue Möglichkeiten der Vernetzung«, sagt CEO Hardy Schmidbauer.

Markt&Technik: Warum haben Sie TrackNet gegründet?

Hardy Schmidbauer: Weil ich und die Mitgründer Dr. Thorsten Kramp und Joe Knapp überzeugt sind, dass wir in eine Marktlücke vorstoßen. Wir haben TrackNet im Oktober 2016 gegründet, weil wir ein ganz neues Modell zugrunde legen, um eine gute Netzabdeckung sowohl in Häusern und Gebäuden als auch über ganze Stadtviertel und Regionen zu erreichen. Wir wollen alle Komponenten des Systems durchgehend anbieten. Denn bisher hat dies im LPWAN-Ökosystem keine Firma umgesetzt.

Worin unterscheidet sich TrackNet von anderen Anbietern konkret?

Wir bieten komplette Systeme hoher Leistungsfähigkeit und einer guten Qualität zum richtigen Preis an. Zu den kompletten Systemen gehören Apps für die Endanwender, Sensoren, Gateways sowie Netzwerkmanagement. Zudem ist unser Kern-Netzwerk skalierbar, um hybride Netzszenarien mit mehr als 100 Millionen Home-Gateways installieren zu können. Auch die zusätzlichen Sicherheitsfunktionen, die wir bieten, sind sehr wichtig. Wir unterscheiden uns also in der Deployment-Strategie und auch in der Strategie, schlussendlich Geld zu verdienen.

Was ist konkret so neu an der Strategie und warum wird sie aus Ihrer Sicht erfolgreich sein?

Die Gateways für LPWANs werden aus unserer Sicht sicherlich nicht nur auf Sendemasten und Türmen installiert und es  bedarf einer neuen Installationsstrategie, um die CapEx- und OpEx-Kosten für ein Netzwerk zu reduzieren. Während sich die meisten Anbieter im LPWAN-Markt auf das industrielle Segment konzentrieren, fokussieren wir uns auf den Consumer-Markt und auf das Facility-Management. Diese Märkte skalieren sehr viel schneller und liefern ein attraktives Return on Investment. Sobald genügend Geräte installiert sind und eine ausreichende Abdeckung vorhanden ist, wenden wir uns der Installation im Industriesektor in hohen Stückzahlen zu sowie Smart-City-Projekten.

Sie liefern also die Geräte für den Aufbau von IoT Netzwerken?

Wir bieten Endgeräte und Gateways an, weil wir dazu gezwungen sind. Denn sie stehen noch nicht in ausreichendem Maße und vor allem nicht zum richtigen Preis zur Verfügung. Einzelne Komponenten kaufen wir ein, wir sind zum Beispiel ein Kunde von Semtech.

Sie sind  kein reiner Anbieter von LoRa-Netzen?

Nein, wir setzen zwar im LPWAN-Bereich auf LoRa, wir binden aber auch WiFi ein und können Mobilfunk zur Anbindung der Gateways nutzen.

Arbeitet TrackNet mit anderen LPWAN-Netzen im unlizenzierten Frequenzbereich zusammen?

Nein, wir setzen ausschließlich auf LoRa. Die Gründer von TrackNet sind alles Experten auf dem Gebiet der LoRa-Technik. Joe Knapp hat bei Samtech auf diesem Gebiet gearbeitet, ich selber habe als Director of Wireless von Semtech die LoRa-Technik vorangetrieben und die LoRa-Alliance mitbegründet. Dr. Thorsten Kramp hat in seiner Position als Master Inventor von IBM Research die Entwicklung des IBM LoRaWAN-Netzwerkservers (IBM LRSC) verantwortet und die LoRaWAN-1.0-Spezifikation als einer von vier Autoren miterarbeitet, die Grundlage der LoRa Alliance.

Wie sieht das erste Produkt aus?

Auf dem diesjährigen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona stellt TrackNet »Tabs« vor, ein Smart-Home-System, das einen WiFi- und einen LoRa-Hub mit verschiedenen Funksensoren und einer einfach zu bedienenden App kombiniert. Jedes Tabs-Netz basiert auf einem Wireless-Hub, der die Sensoren in der gesamten Nachbarschaft und in Gebäuden verbindet. Ein Tab-Extender gewährleistet die Abdeckung an Orten, die die Familienmitglieder häufig frequentieren, wie Schulen, Tagesbetreuungen und Häuser von Freunden. Der Tab-Extender ist ein Sensor-Hub ohne WiFi-Router-Funktion. Installieren immer mehr Nutzer die Tabs-Hubs und -Extender, können sie sich vernetzen und zusammenarbeiten. So baut sich die Netzabdeckung über eine ganze Stadt oder Region auf und verbessert sie. Und Eltern können ihre Kinder sicher lokalisieren. Dazu lassen sich verschiedene Sensoren im eigenen Haus und in Gebäuden wie Schulen einbinden und eine umfassende Internet-Kindersicherung aufbauen.

Die Telekommunikationsfirmen setzen jetzt auf NB-IoT, um ebenfalls ein LPWAN-Netz anbieten zu können. Sehen Sie dies als Wettbewerb an?

Nein, NB-IoT und LoRa ergänzen sich. Sie sind für unterschiedliche Anwendungen zu unterschiedlichen Preisen gedacht. Auch bezüglich der Quality of Services unterscheiden sie sich. Ein Carrier, der Umsatz und Verbindungen maximieren muss, benötigt beides. Sogar die Neztbetreiber, die sich für NB-IoT sehr stark gemacht haben, sehen sich jetzt LoRa noch einmal genau an und erwägen den Einsatz.