Breitbandversorgung Digitalkoordinator ins Kanzleramt!

Dieter Kempf, BDI: »Ich bin optimistisch, dass wir einen deutlich schnelleren Ausbau der Netze hinbekommen. Dafür muss die Politik aber nun handeln.«
Dieter Kempf, BDI: »Ich bin optimistisch, dass wir einen deutlich schnelleren Ausbau der Netze hinbekommen. Dafür muss die Politik aber nun handeln.«

Mangelende Breitbandversorgung bleibt 2018 das Top-Thema der Industrie: Ohne Digitalisierung keine Industrie 4.0.

Auch kein Big Data, keine KI, kein IoT und schon gar kein autonomes Fahren. »Alle Vorschläge, die die Nachfrage nach gigabitfähigen Netzen ankurbeln und vor allen Dingen für die Telekommunikationsunternehmen die richtigen Anreize zum Breitbandausbau setzen, gehören jetzt auf den Tisch«, sagt deshalb Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Deutschland drohe sonst weiter zurückzufallen. »Rund zwei von drei Industriearbeitsplätzen befinden sich auf dem Land. Die Breitbandversorgung hinkt gerade dort hinterher.« Es müsse einen Digital-Koordinator im Kanzleramt geben. Nötig sei ein Schulterschluss von Politik, Kommunen und Wirtschaft.

Kempf schlug vor, wie in anderen Ländern – etwa in Großbritannien – staatlich finanzierte Gutscheine für Zuschüsse zu Gigabitanschlüssen auszugeben. Nutzen könnten solche Gutscheine etwa kleine und mittlere Unternehmen. »Wir können uns übergangsweise die Einführung von Gigabit-Vouchers vorstellen. Auf dem Land erhalten kleinere Unternehmen, Schulen oder Arztpraxen Gutscheine von der Regierung. Über diese Gutscheine können zeitlich befristete Zuschüsse für Gigabit-Anschlüsse gewährt werden.«

Noch ist er optimistisch: »Wir können einen deutlich schnelleren Ausbau der Netze hinbekommen. Dafür muss die Politik aber nun handeln!« Deshalb will er keinesfalls, dass es von Seiten der Politik vor der nächsten Wahl wieder heiße: »Wir haben leider nichts hinbekommen.«

Zur wirtschaftlichen Lage der Industrie sagte Kempf, Deutschland sei auf dem Weg in eine Hochkonjunktur. »Die Produktion läuft fast überall auf vollen Touren, die Auftragslage ist sehr gut. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen nehmen zu, der Arbeitsmarkt läuft weiter gut.« Die Industrie suche händeringend Arbeitskräfte, der Beschäftigungsaufbau dürfte unvermindert weiter gehen.
Der BDI erwartet für 2018 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,25 Prozent. Auch mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Konjunkturprognosen für das kommende Jahr erhöht.