Low-Power-WAN im Einsatz »Die Nachfrage nach LoRa ist enorm!«

IoT fordert neue Kooperationen

Selbstverständlich hat er auch als eine mögliche Anwendung von LoRa das Ablesen von Zählern im Blickfeld. Aber sein Blick wandert über das Ablesen von Strom-, Wasser- und Gaszählern hinaus zu den Wärmezählern an den Heizkörpern. Hier ist der Preisdruck immens, sie sind deshalb mit äußerst kostengünstigen Transmittern ausgestattet. Sie nutzen allerdings FSK als Modulationsverfahren (wie wMBus).

Nun trifft es sich, dass das Konzentratormodul iC880A von IMST, der Funkteil eines LoRa-Gateways, neben LoRa auch mit FSK-moduliertem Funk kommunizieren kann. So könnten die Low-Cost-FSK-Transmittern der Wärmezähler ihre Daten direkt an das Konzentratormodul übertragen, welches als Gateway in den Sromzählern integriert ist. "Das wäre doch eine clevere Topologie. Der Privatkunde und die Serviceanbieter benötigen dann keine zusätzlich Gateways mehr, um die Daten zu sammeln, und die Stromversorgung des Gateways ist auch gegeben", erklärt Dirk Sollbach.

Das führt laut Sollbach auch den wichtigen nichttechnischen Aspekt von IoT vor Augen: "Das IoT erfordert neue Arten der Zusammenarbeit über bisherige Grenzen hinweg. Dies wäre ein Beispiel dafür, wie sich ein Mehrwert gemeinsam besser nutzen lässt, als wenn jeder für sich allein separat vorgeht."
 
Auf der Messe hatte IMST mit dem iM880B-L ein Modul vorgestellt, das bereits nach LoRaWAN zertifiziert ist. "Es ist erst das zweite zertifizierte Produkt am Markt, darauf sind wir stolz", sagt Sollbach. Außerdem ist IMST inzwischen selber ein "LoRa Alliance certified testhouse", kann also auch Geräte nach LoRaWAN für andere Firmen zertifizieren.

Ein interessanter Aspekt des neuen Moduls iM880B-L ist der große Speicher von 128 KByte. Weil der LoRaWAN-Stack weniger als 50 Prozent des angebotenen Speicherplatzes benötigt, bleiben 64 KByte frei. "Damit kann der Anwender sein System direkt auf das Modul integrieren und kann sich seinen Host sparen, was die Kosten deutlich reduziert."

Wie schnell sich ein LoRa-Gateway aufbauen lässt, das hat IMST zusammen mit der französischen Firma Expemb SAS gezeigt, die ebenfalls auf der embedded world in Nürnberg ihre Gatewaylösung mit integrierter 3G-, WLAN- und LoRa-Technologie vorgestellt hat. "Wir haben die Software und die Hardware so kombiniert, dass in dem komplexen Gerät keine Störungen und kein Übersprechen auftritt", so Sollbach. "Das gesamte Gateway konnte, basierend auf unserem LoRa-Concentrator iC880A, innerhalb von drei Monaten fertiggestellt werden."

Insgesamt rechnet Sollbach damit, dass LoRa-Applikationen für Sensorik, die sich mit moderaten Datenübertragungsraten begnügen, über die nächste Zeit stark wachsen werden. Ob in der Verbrauchserfassung, in der Umwelttechnik, der Logistik, der Industrie, in Smart Cities und im Smart Home sowie - stark wachsend - in der Agrartechnik: Überall ermögliche LoRa die kostengünstige Anbindung von Endgeräten ans IoT. Große Unternehmen können ihre eigenen Netze aufbauen, es werden sich aber auch Netzbetreiber gründen - wie etwa Senet und ThingsNetwork oder kürzlich in Deutschland Digimondo (siehe Artikel auf S.38) -, die Netzwerke anbieten. Und wahrscheinlich wird sogar das eine oder andere Telekommunikationsunternehmen sein Angebot um LoRa ergänzen.

Sollbach jedenfalls verspürt eine rege Nachfrage nach den LoRa-Modulen. 2015 hatte das Unternehmen bereits eine deutliche Umsatzsteigerung mit LoRa-Produkten zu verzeichnen. In diesem Jahr würde es Sollbach nicht wundern, wenn er sich nochmals verdoppelt.