Kommentar Das Rennen um LPWAN

Heinz Arnold, Chefredakteur M&T HArnold@markt-technik.de

Das Internet of Things ist doch immer wieder für Überraschungen gut. So ist es spannend zu beobachten, welche Firmen sich welche Anteile im Sektor der Low-Power-Wide-Area-Networks (LPWANs) erobern werden.

Die Marktforscher scheinen sich gegenseitig darin überbieten zu wollen, eine Welt zu prognostizieren, in der schon in wenigen Jahren nicht Hunderte von Millionen, nicht Milliarden sondern Zig Milliarden Geräte untereinander vernetzt sind und miteinander kommunizieren.

Und auf den ersten Blick scheint klar zu sein, wie sich die Geräte verständigen können. An technischen Optionen mangelt es jedenfalls nicht. Die Auswahl ist eher zu groß als zu klein. Da verwundert es, dass bisher ein IoT-Sektor zumindest von großen Anbietern vollkommen übersehen worden ist, der sich folgendermaßen umreißen lässt: Geringe Datenraten, Einbindung vieler Endgeräte, deren Transceiver nur wenig Energie aufnehmen, Überbrückung großer Distanzen und gute Durchdringung in Gebäuden.

Zu guter Letzt muss das alles zu einem sehr günstigen Preis zu haben sein. Definieren diese hohen Anforderungen nur eine kleine Marktnische? Mitnichten. Es wird Hunderte von Millionen Geräte geben, die künftig genau diese Kombination von Anforderungen stellen. Dennoch haben offenbar bisher nur wenige diesen Marktsektor im Auge gehabt. Bisher – denn jetzt rückt er ins Zentrum des Interesses und einen Namen hat er ebenfalls bekommen: Low Power Wide Area Networks (LPWAN).

Zu den wenigen, die schon früh ein Auge auf diesen Markt geworfen haben, gehörten die französische SigFox und Semtech mit der LoRa-Technik. Es gib noch zahlreiche weitere Start-ups im LPWAN-Umfeld, aber im Moment funktionieren die Marketing-Maschinen von SigFox und den Firmen rund um die LoRa-Alliance am besten. Trommeln in eigener Sache und Eile sind auch geboten. Denn es kommt darauf an Tatsachen zu schaffen: SigFox ist eifrig dabei, unter eigener Regie und über Provider möglichst in vielen Ländern und Städten ihre Infrastruktur aufzubauen und hat dafür erhebliche Investorengelder auftreiben können. Die LoRa-Allianz gewinnt rasch neue Mitglieder und die Infrastrukturen auf LoRa-Basis wachsen derzeit ebenfalls in vielen Ländern schnell.

Schnell Tatsachen zu schaffen, ist deshalb wichtig weil die Telekommunikationsfirmen aufgewacht sind. Bisher hatten sie sich für LPWAN wohl eher weniger interessiert, weil sie mit der Anbindung von Geräten über herkömmlichen Mobilfunk gut Geld verdient haben. Nun arbeiten die Hersteller der Infrastruktur und die Provider aber mit Hochdruck an einem Standard, der es erlaubt, LPWANs auf Basis von LTE und der vorhandenen Infrastruktur zu realisieren. Die Zeiten für die bisherigen LPWAN-Anbieter dürften also härter werden – falls die LTE-Pläne aufgehen. Das Wettrennen ist eröffnet – wir dürfen gespannt sein, wer sich welche Anteile am LPWAN-Markt sichern wird.