»Zukunft Personal«: Letzte Hoffnung Konjunkturkrise

Fast ein Drittel mehr Besucher als 2007, nämlich genau 8279 Männer und Frauen, strömten nach Köln zu Europas größter Fachmesse für Personalmanagement. Auf der Suche nach Inspiration. Sie kamen, sahen – und gaben die Hoffnung auf, dass der aktuelle Fachkräftemangel nur eine vorübergehende Zeiterscheinung sei.

Wer im Personalmarketing tätig ist, sollte gute Laune ausstrahlen – er macht schließlich Werbung für seine Firma. Aber manchmal geht das selbst beim besten Willen nicht. Zum Beispiel, wenn der unerwartet um die Ecke tretende Big Boss seiner Personaldame vom Stand gleich am Eingang zur Halle 5.2. jovial die Frage stellt: »Und, heute schon was gelernt? Wissen Sie jetzt, wie wir sie kriegen? « Schlagartig knipst die Recruiterin ihr ohnehin bemühtes Lächeln aus. Es sieht so aus, als kriege sie gleich die Krise.

Im Herbst 2008 sieht es so aus, als gäbe es nur noch zwei Gruppen von Arbeitnehmern: qualifizierte und leistungsbereite oder wechselwillige, und die Schnittmenge scheint leer gefegt. Umherschwirrende Satzfetzen, im Zeitraffer aneinander gereiht, vereinen sich zum Grundton der Ratlosigkeit: »Es wird immer schlimmer.« »Der Engpass verfestigt sich.« »Mein Chef sagt immer nur: Tun Sie was. Seien Sie kreativ« »Wir sitzen den Professoren fast auf dem Schoß.« »Das kann doch nicht so bleiben.« »Ich sage: Mehr aus dem Ausland holen.« »Es muss jetzt langsam mal etwas geschehen.« »Aber was?«

Über den mehrheitlich in grau, schwarz und dunkelblau gewandten Menschenwogen an und zwischen den Ständen lag eine ebenso dunkle Wolke. Zu sehen war sie nicht. Aber sie beherrschte die Gespräche und lag offensichtlich bei vielen auf dem Gemüt. Ein HR-Mitarbeiter sah nur einen Ausweg aus der ausbrechenden Personalbeschaffungskrise: »Helfen würde uns jetzt nur ein heftiger Konjunkturabschwung in Deutschland, mit Entlassungen und wieder steigenden Arbeitslosenzahlen.«

Aber danach sieht es nicht aus in der Elektronik. Und trotz Unsicherheiten stellen die Unternehmen auch in den Nachbarbranchen noch immer ein. Nach einer Umfrage der Zeitarbeitsfirma Manpower wollen 13 Prozent der befragten Personalentscheider im vierten Quartal, also noch vor Weihnachten, zusätzliche Mitarbeiter unter Vertrag nehmen. Nur fünf Prozent planen Stellenstreichungen.