Rezession Ziel: 100 Prozent Wertschöpfung

Jetzt ist es amtlich: 2009 droht eine Rezession. Viele Betriebe werden ihre Freelancer nach Hause schicken und die Stammbelegschaft stärker belasten. Andere gehen bewusst den umgekehrten Weg und picken sich aus dem vermutlich wieder wachsenden Angebot der doppelt »Freien« nun die besten heraus. Denn – Krise hin, Krise her – die Arbeit muss gemacht werden.

Wie immer ist alles eine Frage der Perspektive. Für einen Existenzgründer ist die Einstellung des allerersten Mitarbeiters in der Regel ein Anlass zum Jubeln. Ein Mann schreibt eine Rechnung. Zwei Männer schreiben zwei Rechnungen, aber der zweite bekommt davon nur die Hälfte. Steuerberater, Stammtischfreunde und Schwiegerväter indes kräuseln die Stirn: Der Fixkostenschub. Das Theater mit der Krankenkasse. Der Würgegriff des Finanzamts. Die Personalverantwortung. Und überhaupt: Was ist, wenn der Mitarbeiter für längere Zeit ausfällt? Weitaus vernünftiger sei es doch, etwaige Auftragsspitzen mit externen Mitarbeitern abzufedern.

Angesichts einer ins Taumeln geratenen Konjunktur stehen vermutlich bald auch gestandene Betriebe mit Dutzenden oder Hunderten von Beschäftigten vor der gleichen Zwickmühle. Konzerne tun sich vergleichsweise leicht damit, auf einen Schlag die Beschäftigung externer Mitarbeiter zu untersagen und bestehende Verträge auslaufen zu lassen. Sie erhöhen einfach die Schlagzahl der regulär Beschäftigten, da verteilt sich die Mehrarbeit in Miniportionen auf viele Kollegen.

Mittelständler können das nicht so einfach. Sie müssen mit dem maximalen Frust ihrer nun deutlich mehr belasteten Festangestellten rechnen. Schlimmer noch: Für manche Zusatzarbeit, die zuvor von einem freien Mitarbeiter erledigt wurde, findet sich kein geeigneter Mitarbeiter mehr in den eigenen Reihen. Fachkräfte mit Spezialwissen sind ohnehin Mangelware.

Externe IT-Spezialisten haben sich fest etabliert

Nicht zuletzt deshalb haben die jüngsten Wachstumsjahre in den meisten Unternehmen einen massiven Anstieg der Freelancer bewirkt. Eine Studie des Spezialkräfte-Rekrutierers Hays in Mannheim macht deutlich: Insbesondere der Einsatz externer IT-Spezialisten hat sich in Deutschland fest etabliert. Mehr als zwei Drittel der größeren deutschen Unternehmen arbeiten mit externen Computerspezialisten – jedes achte Unternehmen beschäftigt gleichzeitig sogar mehr als 20. Haupteinsatzgebiete sind SAP-Architektur sowie Beratung und Coaching.

Doch auch abseits der IT werden Externe nicht nur als Lückenfüller, sondern auch als Wissensvermittler bei neuen oder nur mit hohem Schulungsaufwand zu erschließenden Themen eingesetzt. Ob auf Honorarbasis engagierte Berater, Entwickler oder Projektingenieure: Vielerorts liegt bis zu einem Zehntel des betrieblichen Know-hows mittlerweile in fremden Köpfen und Händen.