Arbeitsmarkt-Prognosen Wird diesmal alles anders?

Wird die Digitalisierung zum Jobkiller oder nicht? Kann man im Zeitalter von künstlicher Intelligenz die Sorgen vor Massenarbeitslosigkeit wirklich seriös besänftigen? Wir haben ein paar Meinungen aus unserer Branche zusammengetragen.

Wie wird die Digitalisierung unsere Arbeitswelt und unsere Berufe verändern? Die Ansichten darüber sind so vielfältig wie kontrovers. Wird es mehr Jobs geben oder weniger? Welche Studiengänge werden morgen noch gefragt sein? Rückblicke sind leicht, aber wie sieht die Zukunft aus?

Bill Gates meinte dazu kürzlich, zukünftig gebraucht würden vor allem die technischen MINT-Fächer. Wieder andere vermuten genau das Gegenteil, nämlich dass den Geisteswissenschaften in einer technologiegetriebenen Welt eine Renaissance bevorstehen könnte.

Was, um Himmels Willen, soll man als junger Mensch da wählen? Auch wenn ein Schweinezyklus bei Ingenieuren momentan nicht vorstellbar erscheint: In den 90er Jahren gab es den sehr wohl, viele (ältere) Ingenieure waren arbeitslos, Ingenieurwissenschaften in Folge nicht mehr sexy. Heute herrscht bei Elektroingenieuren Vollbeschäftigung. Wie aber wird die Zukunft aussehen? Wer garantiert uns, dass sie MINT-lastig sein wird?

Elektronik-Personaler einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Arbeit waren sich auf diese Frage hin einig:  Nach Neigung sollte man vor allem studieren, nicht nach potenziellen Arbeitsmarkt-Chancen.

Denn die ändern sich manchmal schneller, als man denkt: Der VDI startete Ende der 90er Jahre mit dem Institut der deutschen Wirtschaft ihre »Fachkräftelücke«-Offensive und  veröffentlichte in regelmäßigen Abständen neue Horror-Zahlen, um Abiturienten in die Ingenieurwissenschaften zu treiben.  Mit Erfolg: Vor ein paar Jahren stellte der VDI diese Aktivitäten ein, weil von einer »Lücke« nicht mehr die Rede sein kann.

Das Marketing war erfolgreich: Auf dem Ingenieurarbeitsmarkt halten sich heute Angebot und Nachfrage in etwa die Waage. Für die Zukunft erwartet der VDE jedoch einen erhöhten Zusatzbedarf angesichts der Digitalisierung praktisch aller Lebensbereiche und wegen der demographischen Entwicklung. Ob das wirklich noch mal zu einem Fachkräftemangel führt? Das wissen sicher nur die Glaskugel-Kundigen. So sind Zuwanderer und ihre Abbrecherquoten ein schwer zu kalkulierender Faktor, wie der Blick auf die ausländischen Studierenden in Elektrotechnik beweist, die sich sehr zahlreich an den Unis tummeln, vor allem aus China.  Heute kehren die meisten von Ihnen nach Hause zurück, und morgen?

Sicherer ist da der Blick ins Hier und Jetzt: Wenn heute vielerorts von »Mangel« die Rede ist, liegt das auch an einem gewissen Anspruchsdenken der Unternehmen, wie Personalberaterin Renate Schuh-Eder berichtet: »Kompromisse bei Kandidaten werden selten gemacht, lieber wird die Stelle unbesetzt gelassen.«