Unternehmensgründung und Industrie 4.0 "Wir sehen uns als Entwicklungsbeschleuniger"

Thomas Henn (l.) und Dr. Henri Kretschmer (r.) von Virtenio.
Thomas Henn (l.) und Dr. Henri Kretschmer (r.) von Virtenio.

Keine Frage, Industrie 4.0 ist der industrielle Megatrend: IT-Start-ups und Innovationswettbewerbe für die smarte Produktion von morgen schießen wie die Pilze aus dem Boden, aktiv begleitet von der Politik. Und auch Kapital für Wachstumspläne steht bereit. Allein die "Old Economy" zaudert.

Im Zeitalter der Industrie 4.0 wissen Produkte, woher sie kommen und wofür sie bestimmt sind. Mit Hilfe von Barcodes oder Chips transportieren sie die Informationen auf der Oberfläche. Ein Scanner liest die Daten aus, gibt sie online weiter und liefert den Maschinen die Antwort, was mit den Erzeugnissen geschehen soll.

Die Produkte steuern folglich die Herstellung, kurz: die Objekte werden intelligent. Die Grundstoffe stehen immer zur Verfügung, da die Beschaffung automatisiert erfolgt.

Eine Vernetzung und gegenseitige Steuerung von Maschinen, Lagersystemen und Betriebsmitteln sind Grundlage der Fabrik von morgen. Smarte Objekte sind miteinander vernetzt und kommunizieren miteinander. Es bildet sich ein "Internet der Dinge und Dienste". Die physikalische und virtuelle Welt verschmelzen zu cyber-physischen Systemen.

Virtenio hat die passenden Produkte dazu. Der Spin-off der Technischen Universität Berlin entwickelt drahtlose Sensorsysteme mit Multi-Hop-Funktechnik für den Einsatz in Industrie 4.0, Logistik oder Gebäudetechnik. Zielgruppe sind B2B-Systemintegratoren.

"Die Umsetzung zu Industrie 4.0 krankt an zu viel Respekt vor der Aufgabe – unsere Lösung hingegen kann man sofort einsetzen.", sagt Mitgründer Thomas Henn, kaufmännischer Leiter bei Virtenio.

Virtenio wurde 2010 als technologischer Spin-off der TU Berlin ausgegründet. Bis heute nutzt das Jungunternehmen ausschließlich Eigen- und Fördermittel.

Die technologische Grundlage aller Produkte von Virtenio stellt der Miniaturcomputer "Preon 32" dar, eine universell einsetzbare Sensor- und Aktor-Plattform mit drahtloser Kommunikation in die Cloud. Preon 32 wird in unterschiedlichen Sensor-Cubes verbaut und als Baukastensystem aus Sensor Cubes, Gateways und Auswertungstools angeboten: PreonSolutions als Komplettlösung, drahtlos vom Sensor in die Cloud, PreonComponents (OEM-Komponenten) und Preon-Services zu Entwicklung und Beratung. 

Aufeinander abgestimmt, lassen sich die Bausteine individuell auswählen und zu Wireless-Lösungen zusammenführen, etwa im Bereich Gebäudetechnik (Messung von Temperatur, Licht, Luft etc.) oder Logistik (etwa Temperatur oder Feuchtigkeit während eines Transports).

Auch Messgrößen wie Beschleunigung, Beleuchtungsstärke oder CO2 können erfasst werden, "auch an schwer erreichbaren Orten oder mobil", sagt Thomas Henn. Die Sensorknoten haben einen minimalen Energiebedarf und können autark oder im Netzwerkverbund arbeiten. "Unsere Lösung amortisiert sich schnell", wirbt Thomas Henn.

Die Resonanz potenzieller Kunden sei enorm positiv, erzählt Henn, beklagt aber auch eine gewisse "Grundträgheit", wenn es um Investitionen und die Umsetzung der Industrie in konkrete Produkte geht. Henn mag das Wort Industrie 4.0 daher auch nicht all zu sehr, "der Begriff ist mittlerweile überstrapaziert und abgedroschen. Etwas mehr Pragmatismus, mehr hemdsärmeliges "walk the talk" wäre schön."