Image und Ingenieurberuf Wir können alles, außer Nachwuchsarbeit

Für das Image einer Berufsgruppe ist vor allem ihr Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt wichtig – das hat auch Einfluss auf die Berufswahl. Den sinnstiftenden Einfluss zu vermitteln, den der Beruf des Ingenieurs hat, haben Hochschulen, Verbände und auch Unternehmen bislang nicht geschafft.

Ingenieure sind Taktgeber für Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Umweltschutz und Energiewende. Das zu vermitteln, vernachlässigen Hochschulen, Verbände und auch Unternehmen bislang sträflich!

Stattdessen klagen Ingenieure gerne über ihr angeblich so schlechtes Image. So wie hier: Es sei heute geradezu chic, von Technik keine Ahnung zu haben, schreibt uns ein Leser.

Beweise gibt es dafür aber keine, im Gegenteil: Eine VDE-Studie aus dem Jahr 2005 nennt Elektroingenieure auf Rang fünf, direkt hinter Arzt, Lehrer, Architekt und Rechtsanwalt.

Weniger gut steht es  um das öffentliche Ansehen von Ingenieuren für Atom-, Wehr- oder Gentechnik (Studie aus dem Jahr 2010). Aber überrascht das wirklich? Für das Image einer Berufsgruppe ist heute vor allem ihr Einfluss auf Gesellschaft  und Umwelt wichtig – das hat Einfluss auf die Berufswahl. Junge Menschen (und vor allem Frauen) wünschen sich heute einen Beruf, der Sinn macht.

Ingenieure beklagen ein schlechtes Image, verachten im selben Atemzug aber "unwichtige" Studiengängen wie - der Klassiker! - Betriebswirtschaftslehre. Den Satz kennt jeder Ingenieur: "Ingenieure sind die Kamele, auf denen die Betriebswirte zum Erfolg reiten". Das mag Balsam auf der wunden Seele sein - aber wahr ist eben auch, dass keine noch so tolle Erfindung ohne BWL auskommt, wenn es darum geht, aus der Idee ein Geschäftsmodell zu machen.

Anderen studierbaren Künsten, meist geisteswissenschaftlichen, wird gleich gänzlich die Berechtigung abgesprochen. Solch Elitentum ist aber nicht nur hochnäsig - es ist unmodern, weil nicht interdisziplinär. Und doch habe ich es gerade eben wieder erlebt auf einer Tagung mit TU9-Professoren der Elektrotechnik. Antwort des Küchenpsychologen: Ein versteckter Hinweis auf Minderwertigkeitskomplexe?

Vermeintlich negative Eigenschaften „technikverliebt“, „Nerd“  können übrigens auch sympathisch sein, denken Sie mal an die mittlerweile zigfach kopierte Baden-Württemberg-Kampagne „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Nie klang schwäbisch charmanter. 

Wann kommt endlich eine professionelle Kampagne, vielleicht mit Unterstützung durch eine  professionelle Image-Agentur? Denn warum ist Rangar Yogeshwar Deutschlands Lieblings-Physiker? Weil er es versteht, Technik und Naturwissenschaften spannend zu vermitteln. Diese Fähigkeit zu begeistern vermisse ich in der öffentlichen MINT-Anwerbungskampagne.

Nein, es ist nicht gesellschaftlich anerkannt, von Technik keine Ahnung zu haben. Außer man gehört zu den Männern und Frauen, die damit kokettieren, zwei linke Hände zu haben und eine schwach ausgebildete Gehirnhälfte  für Logik, Verstand und Analyse.  Doch diese Zielgruppe trägt auch Arschgeweih oder findet Dieter Bohlen cool - und studiert nie im Leben Ingenieurswissenschaften.