Corporate Startup Meetup in München Wie gut kann der Mittelstand Disruption?

Wie können Mittelständler und Startups von einander profitieren?  V.l.n.r.: Seriengründer und Investor Lin Kayser, CEO Hyperganic Technologies AG, Philipp A. Schoeller, General Capital Group, Initiator und Moderator Christopher Meyer-Mölleringhof, Daniel Föst, FDP-Bundestagskandidat, Vlad Lata, Mitgründer und CTO Konux, Johanna Strunz, Familienunternehmerin Lamilux Heinrich Strunz Gruppe.
Wie können Mittelständler und Startups von einander profitieren? V.l.n.r.: Seriengründer und Investor Lin Kayser, CEO Hyperganic Technologies AG, Philipp A. Schoeller, General Capital Group, Initiator und Moderator Christopher Meyer-Mölleringhof, Daniel Föst, FDP-Bundestagskandidat, Vlad Lata, Mitgründer und CTO Konux, Johanna Strunz, Familienunternehmerin Lamilux Heinrich Strunz Gruppe.

Die Industrie schreibt Rekordzahlen. Macht der Erfolg den Mittelstand zu träge, um die Digitalisierung voran zu treiben? Frisst das Tagesgeschäft die Innovation? Start-ups, Investoren und Mittelständler diskutierten das auf einer Podiumsdiskussion in München.

Tatsächlich brummt die Industrie in Deutschland wie selten. Vielleicht ist das der Grund, warum laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Studie 78 Prozent der deutschen Mittelständler keine Gefahr durch Digitalisierung sehen. Nur 22 Prozent sehen die Notwendigkeit, ihre Geschäftsmodelle anzupassen.

Wird die Digitalisierung also überschätzt, oder haben Mittelständler ein Realitätsproblem? Das fragt der Initiator und Moderator des »Corporate Startup Meetup« in München, Christopher Meyer-Mölleringhof in die Runde der Diskutanten aus Startups, Politikern, Investoren und Mittelstand.

Johanna Strunz muss erst mal überlegen. Und bringt dann ihre Erfahrung aus dem aktuellen Tagesgeschäft auf den Punkt: »Ich kann nur für uns reden, unsere Ressourcen sind am Anschlag. Da gilt es zu überlegen, was wichtiger ist, das USA-Geschäft oder die Digitalisierung?«

Dabei kann man der jungen Unternehmerin nicht vorwerfen, dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkenne. An der Spitze des Spezialisten für Tageslichtsysteme und faserverstärkte Kunststoffe »Lamilux«, sitzt sie auch im Bundesvorstand der jungen Unternehmer in Deutschland und promoviert parallel am Gründerzentrum der RWTH Aachen.

Außerdem scannt sie permanent den Markt nach Start-ups, die dem Geschäftsmodell von Lamilux gefährlich werden könnten. 3D-Druck ist so ein Beispiel. Ein Bus aus Carbon? Aus dem 3D-Drucker? Momentan rechne sich das noch nicht, sagt sie. »Momentan«.

Aus diesem Grund beobachtet die Familien-Unternehmerin das Gründergeschehen in diesem Bereich sehr genau. Und holt auch gerne Start-ups von der RWTH Aachen zu sich in die Firma, um den Austausch zu fördern.

Klingt plausibel, ist aber eine Herausforderung, weil Kulturen aufeinandertreffen, die unterschiedlich gewachsen sind. »Die zwei Welten zu verbinden ist nicht einfach! Man muss dabei akzeptieren können, dass nicht alles hundertprozentig läuft, wenn man mit einem Startup zusammenarbeitet. ‚Das ist doch nicht Lamilux-Standard!‘, heißt es dann zweifelnd von unseren Mitarbeitern.«

Doch dass sich Mühe und Aufwand langfristig lohnen, um Innovation ins Unternehmen zu holen, davon ist Strunz fest überzeugt. »Leute überschätzen, was man kurzfristig erreichen kann und unterschätzen, was man langfristig erreicht. Das sagte mein Vater mir immer.«

Fakt ist aber auch, dass Mittelstand und Start-ups noch nicht sehr häufig, geschweige denn organisiert, zusammen kommen. Zwei von drei Mittelständlern aus dem Maschinenbau hatten noch nie Kontakt zu Startups und haben auch gar kein Interesse daran, besagt eine Studie der Förderbank KFW, die Meyer-Mölleringhof zitiert.