Entlassungen bei Halbleiterfirmen Wer vermittelbar ist – und wer nicht

Hoch das Trikot. So sieht der neue, von oben verordnete Standard-Jubel der Tiki-Taka-Künstler aus.
Intel inside: In diesem Jahr will der Chip-Riese 5 Prozent der 107.000 Arbeitsplätze abbauen, um sich dem – wie zuvor schon von AMD praktiziert - schrumpfenden PC-Markt anzupassen.

Immer wieder Personalabbau in der Halbleiterindustrie: Aktuell rücken sich Renesas, Intel und Texas Instruments zurecht, 2012 waren es TI und AMD. Wann Ingenieure um ihren Job bangen müssen – und welche Kenntnisse gefragt sind.

Der japanische Halbleiterhersteller Renesas soll laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg planen, bis März 2016 weitere 5.400 Arbeitsplätze abzubauen.  Renesas dementiert entsprechende Medienberichte offiziell und ist auch nicht bereit zu weiteren Auskünften. Noch ist unklar, ob auch in Deutschland Personalabbau stattfinden soll.

Einen „hiring freeze“ scheint es aber zumindest nicht zu geben: Zwei offene Stellen sind für Deutschland derzeit ausgeschrieben. Gesucht wird ein (Senior) Engineer  für die Automotive Business Group  sowie ein (Senior) Sales Engineer für den Bereich Industrial & Communications.

Der Chip-Hersteller Intel hat hingegen offiziell bekanntgegeben, dass er in diesem Jahr 5 Prozent  der 107.000 Arbeitsplätze abbauen will,  um sich dem – wie zuvor schon von AMD praktiziert - schrumpfenden PC-Markt anzupassen. Intel will stattdessen nun den Zukunftsmarkt Smartphones und Tablets angehen, mit dem Ex-Infineon-Manager Prof. Hermann Eul an der Spitze.

In der Regel versuchen Unternehmen zwar, solche imagegefährdenden  Mitteilungen zu vermeiden. Im Zuge des Verkaufs der Sparte „Wireless Solutions« von Infineon an Intel etwa gab es  auch „Überkapazitäten“, die aber relativ leise  in Form von sehr ordentlichen Abfindungsangeboten vonstatten gingen: Die ersten Vorschläge von Intel gab es Anfang 2013, die letzten zum Ende vergangenen Jahres.

Es herrscht allgemein die Ansicht, dass sich Elektroingenieure angesichts des Fachkräftemangels keine Sorgen machen müssen.

Nur leider stimmt das so nicht. Entscheidend ist nicht die ursprüngliche Qualifikation, entscheidend ist die aktuelle Expertise in Zukunftsfeldern, die Unternehmen besetzen wollen.  Wechseln für weniger Gehalt?  Macht doch keiner, könnte man denken. Weit gefehlt! Arbeitsmarktexperten raten sogar dazu, gewisse Einbußen in Kauf zu nehmen, wenn dafür die strategische Richtung wieder stimmt.

Ingenieure in der schnelllebigen Elektronikindustrie sind für ihre Entwicklung und „Employability“ selbst verantwortlich, müssen über den Tellerrand ihres Fachgebietes rausschauen, um rechtzeitig Veränderungen am Markt zu erkennen und aus einer vermeintlichen „Nische“ (PC-Sparte – siehe Intel, AMD) rauszukommen. 

Karriere machen in ein- und derselben Firma,  womöglich  Aufstieg in Management-Positionen mit Führungsverantwortung, aber weg von der Technik – höchst gefährlich!

Ingenieurmangel hin oder her,  der Zwang der Unternehmen nach Profitabilität und  „Schlankheit“  in allen Prozessen ist spürbar gewachsen, Kompromisse, um die Stelle besetzen zu können, werden nicht gemacht. Am deutlichsten merkt man das beim Thema Bezahlung: Stellenweise wechseln Kandidaten zu weniger Fixgehalt als in der alten Position, etwaige Boni und Gewinnbeteiligungen werden im Vorgriff schon draufgeschlagen – unabhängig davon, ob sie auch tatsächlich kommen.

Oder die „Car-Policy“: Früher wäre es für ein Unternehmen, das auf sich hält, undenkbar gewesen, seine Vertriebsleute in Mittelklassewagen zum Kunden zu schicken. „Inzwischen ist die Golf-Klasse auch im Kundenkontakt salonfähig“, weiß Personalberater Michael Köhler von Schuh-Eder Consulting.

Er kann ein Lied davon singen, wie schwer es für manche Ingenieure ist, einen neuen Job zu finden. „Von den aktuellen Entlassungen bzw. Abfindungsaktionen sind vor allem Manager betroffen. Denn die Firmen bauen Management-Positionen ab, nicht auf. Ob Kandidaten, die aktuell freigesetzt werden, schnell wieder zu vermitteln sind, hängt extrem von der Qualifikation und der bisherigen Tätigkeit ab!“

Dieser Trend zur „Verschlankung“ und Lean Management ist beileibe nicht neu, schon seit Jahren kann man das beobachten. Laut Arbeitsmarktexperten wie Köhler spitzt er sich aber immer weiter zu, „Schlank sein“ ist Dogma. „In Bezug auf die Jobsicherheit kann ich heute nur jedem Ingenieur raten, eine Fachkarriere anzustreben – die Führungslaufbahn ist mehr denn je ein Schleudersitz!“, lautet sein Rat.