Burnout Wenn die Seele dicht macht

Frank Schneegans, Management Coach aus Ratingen

Es beginnt mit Gereiztheit und Schlafstörungen und endet mit Angstzuständen und Depressionen. Das Gefühl, ausgebrannt zu sein und nichts mehr auf die Reihe zu bekommen, beschleicht immer mehr Arbeitnehmer. Auch in der Technik mehren sich die Anzeichen. Gut, wenn man mit seinem Chef darüber reden kann.

Das Erschöpfungssyndrom (»Burnout«) betrifft Menschen aller Berufssparten. Auch in den technischen Berufen leiden mehr und mehr Mitarbeiter unter dieser modernen Volkskrankheit. Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) hat jetzt sogar ein wachsendes Burnout-Risiko in der IT-Branche ausgemacht.

Über die Ursachen sind sich Ursula Kreft und ihre Wissenschaftlerkollegen freilich alles andere als einig. Das erschwert nicht nur den Weg zu einer Lösung, sondern belässt das Phänomen Burnout nach wie vor in der Tabuzone, in die es in vielen Betrieben gerückt wird. »Viele Leute trauen sich nicht, Burnout-Symptome zuzugeben, weil sie nicht als minder leistungsfähig gelten wollen«, behauptet Frank Schneegans, Management Coach aus Ratingen. Aber das sei hochgradig gefährlich, nämlich »eine Wette auf die eigene Substanz.«

Manche Forscher sehen die Betroffenen als Opfer der hohen Ansprüche an sich selbst und ihren Erwartungen an den Job. Grundsätzlich mache nicht der Arbeitsstress krank, sondern der permanente Verschleiß eigener Reserven. Wer keine neue Energie tanken kann – auch durch positive Faktoren wie Arbeitsfreude und Anerkennung –, bei dem ist das Gleichgewicht zwischen Beanspruchung im Beruf und persönlichen Ressourcen gestört. Ein anderer Teil der Forschung sieht die Ursachen für Burnout primär im Arbeitsumfeld, den Arbeitsbedingungen und der Form der Arbeitsorganisation. Die moderne Arbeitswelt und die Bedürfnisse der Menschen passen nicht mehr richtig zusammen, behaupten diese Wissenschaftler.

Viele Mitarbeiter leiden unter Arbeitszeitbelastungen

Auch in den technischen Berufen nähmen dauerhafte Arbeitsüberlastung, mangelnde Kontrolle über die eigene Arbeit, unzureichende Belohnung, der Zusammenbruch der Gemeinschaft am Arbeitsplatz, fehlende Fairness und widersprüchliche Vorgaben der Unternehmensleitungen überhand. Viele Mitarbeiter leiden unter extremen Arbeitszeitbelastungen. Wer um vier Uhr morgens aufstehen muss, um den Flug Düsseldorf-München zu bekommen, dann noch bis abends am Schreibtisch arbeitet und das womöglich eine ganze Woche lang, kommt nicht mehr zur Ruhe.

»Unsere Geschäftsprozesse werden immer schneller, das werden wir nicht ändern können«, sagt der Berater. »Wir können aber die Workload auf mehrere Schultern verteilen und damit der Leistungsverdichtung bei einzelnen Mitarbeitern entgegentreten.« Vorgesetzte sollten trotz des Drucks, dem sie selbst unterliegen, sensibler werden für Veränderungen bei ihren Mitarbeitern. Vor allem sollten sie ihren Blick schärfen: Was ist mit Maier oder Müller los? Schneegans: »Das kann man durchaus trainieren.«

Ob man ein Kandidat für Burnout ist, kann man mittlerweile über zahlreiche Selbst-Tests herausfinden. Das Problem dabei: Viele Symptome weisen ebenfalls auf ganz andere Probleme oder sich ankündigende Erkrankungen hin. Das erschwert die Feststellung, ob tatsächlich ein Burnout vorliegt. So wird auch Schneegans immer wieder mit der selbst gestellten Diagnose Burnout konfrontiert: »In dem Moment, wo ich ein paar Symptome beim Namen nenne, sagt mir die halbe Welt: ‘Das kenne ich, das habe ich erlebt, das habe ich überstanden‘. Klar, als junger Mensch kann man sich auch schnell davon erholen. Aber schon mit Mitte 30 geht das nicht mehr so einfach. Zwischen 35 und 45 überschätzen sich viele Führungskräfte gnadenlos. Die merken gar nicht, was mit ihnen passiert.«