Humankapital '4.0' Weltwirtschaftsforum warnt vor globaler Talentkrise 

Menschen fit machen für den Arbeitsmarkt - daran scheitern laut einer Studie viele Länder. Die Folge: wachsende Einkommensungleichheit und verhinderte Chancen, warnt das Weltwirtschaftsforum.

Viele Staaten versagen einer Studie zufolge bei der Vorbereitung ihrer Bürger für den Arbeitsmarkt. Deutschland belegt bei der Talentförderung Platz 6 unter 130 untersuchten Ländern, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten «Human Capital Report 2017» des Weltwirtschaftsforums hervorgeht. Angeführt wird die Liste von Norwegen, Finnland, der Schweiz und den USA. China liege auf Platz 34 und sei - Russland ausgenommen - den anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen Brasilien, Indien und Südafrika weit voraus. Schlusslicht im Ranking sind Mauretanien (129) und der Jemen (130).

Die Bundesrepublik bekommt zwar für die Qualität ihres Bildungssystems insgesamt gute Noten. Allerdings liegt die größte europäische Volkswirtschaft bei der Zahl der 15- bis 24-Jährigen zurück, die mit einem Abschluss die Schule verlassen.

Global gesehen würden lediglich 62 Prozent des «Humankapitals» voll ausgeschöpft. Gründe seien ineffiziente Vermittlung von Kenntnissen, die Vernachlässigung zukunftsorientierter Fähigkeiten und das Fehlen von Weiterbildungsangeboten für Beschäftigte. Investitionen in die Bildung führten zu selten zu hoch qualifizierten, gut bezahlten Arbeitnehmern. Dies verschärfe dann auch die Einkommensungleichheit.

Laut der Studie haben nur 25 Länder im «Human Capital Index» eine Entwicklungsquote von 70 Prozent oder darüber, in den meisten liegt sie zwischen 50 und 70 Prozent. 14 Länder blieben noch unterhalb der 50-Prozent-Marke. Viele Volkswirtschaften verfügten zwar über gut ausgebildete Arbeitnehmer, böten aber keine Möglichkeiten entsprechender Beschäftigung, heißt es in dem Report.

«Die vierte Industrielle Revolution verändert nicht nur die Arbeitswelt, sie erzeugt auch enormen Bedarf an neuen Fähigkeiten. Damit steht uns eine globale Talentkrise ins Haus», warnt Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums. «Wir brauchen ein neues Denken und eine echte Revolution, um unsere Bildungssysteme auf die Anforderungen der Zukunft einzustellen.»

Untersucht wurden in den 130 Ländern Kerngebiete der Entwicklung von «Humankapital»: die Aufnahmefähigkeit der Bildungseinrichtungen, die Anwendung und Erweiterung der Fähigkeiten im Job, die Ausbildung künftiger Arbeitnehmer sowie Fort- und Weiterbildung der jetzigen Generation und die Breite und Tiefe der vermittelten beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten.