Berufsbilder mit Zukunft Was macht eigentlich ein »Abkündigungs-Manager«?

Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender des Obsolescence-Expertenverbandes COG Deutschland: »Unser Verband  geht fest davon aus, dass wir in einigen Jahren in Deutschland in jedem Unternehmen, das langlebige Industriegüter produziert, einen oder mehrere Obsolesence Manager vorfinden werden«.
Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender des Obsolescence-Expertenverbandes COG Deutschland: »Unser Verband geht fest davon aus, dass wir in einigen Jahren in Deutschland in jedem Unternehmen, das langlebige Industriegüter produziert, einen oder mehrere Obsolescence-Manager vorfinden werden«.

Der Stellenwert von Bauteile-Verfügbarkeit und Kosten rund um den Lebenszyklus eines Produktes nimmt überall in der Industrie stetig zu. Was genau ein »Abkündigungsmanager« macht, erklärt Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender des Obsolescence-Expertenverbandes COG Deutschland.

Markt&Technik: Herr Ermel, was genau macht ein Obsolescence-Manager?
Ein Obsolescence Manager ist vor allem dafür verantwortlich, dass etwaige Statusänderungen bei wichtigen Zukaufteilen - die Palette reicht hier von technischen Anpassungen bei einzelnen Bauteilen bis hin zur Abkündigung kompletter Systemgruppen - geringstmöglichen Schaden in der eigenen Wertschöpfungskette verursachen. 
Im Idealfall erarbeitet er dafür bereits in der Evaluierungsphase eines neuen Produktes gemeinsam mit der Entwicklungsabteilung, dem Einkauf, dem Produktmanagement und dem Vertrieb kreative Lösungen, die eine langfristige Kundenzufriedenheit und –treue sicherstellen. Auf Grund der zahlreichen unterschiedlichen Zukaufteile und der komplexe Versorgungsketten verlangt das Berufsbild nach exzellentem technischen als auch kaufmännischen Verständnis.
Zudem muss ein  Obsolescence Manager bestens mit den normativen und rechtlichen Rahmenbedingungen beispielsweise  in punkto Zulassungsverfahren vertraut sein.

Warum ist das Berufsbild für Sie spannend?
Wie wichtig ein konsequentes Obsolescence Management heutzutage ist, zeigt sich darin, dass bei Geräten und Anlagen mit Lebenszyklen von über zehn Jahren inzwischen bis zu 5o Prozent der gesamten Produktzykluskosten durch direkte oder indirekte Obsolescence-Folgen entstehen.
Und spannend ist das Berufsbild allein schon deshalb, weil jedes neue Projekt immer ein Unikum ist.
Die vom Obsolescence Manager getragene Verantwortung und die damit einhergehenden Befugnisse sorgen für ein abwechslungsreiches, dynamisches und motivierendes Handlungsfeld. Insbesondere der Blick auf das große Ganze wird von vielen mir bekannten Obsolescence Managern als äußerst motivierend gesehen.

Wo ist man als Obsolescence-Manager im Organigramm angesiedelt?
Die organisatorische Zuordnung ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Größere Unternehmen und Konzerne unterhalten in der Regel eine eigenständige Obsolescence Management-Abteilung. Diese ist je nach Unternehmensstruktur dann  entweder direkt der Geschäftsleitung, dem strategischen Einkauf, dem Produktmanagement oder in manchen Fällen auch dem Vertrieb unterstellt.
Es gibt auch Firmen, bei denen  das Obsolescence-Managment in der Entwicklungsabteilung und/oder dem technischen Support angesiedelt ist. Letztlich hängt die Eingliederung ins Unternehmen von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren ab, in der Regel stellen aber das Produkt und die Wertschöpfungstiefe des Unternehmens die entscheidende Weiche, ob die Obsolescence Management Abteilung eher den technischen oder den kaufmännischen Abteilungen zugeordnet wird.
Bei mittleren und kleineren Unternehmen sind die Obsolescence Manager ohne eigene Abteilung meist eher dem Einkauf oder der Technik zugeordnet.   

Welche Einstiegs-Voraussetzungen erwartet die Industrie?
Bei Unternehmen, die eigene Geräte oder Anlagen entwickeln, wird meistens ein abgeschlossenes technisches Studium vorausgesetzt, bei Handelsunternehmen hingegen reicht oft auch schon eine anderweitige technische Ausbildung, um als Obsolescence Manager erfolgreich bestehen zu können.
Unabhängig davon muss ein Obsolescence Manager generell immer über ein ziemlich breites Wissen und  ein gutes Netzwerk im Unternehmen verfügen. Sie oder er müssen Spaß daran haben, gelegentlich über den Tellerrand hinauszublicken. Komplexe Zusammenhänge schnell zu erkennen ist für diesen Job ebenso essenziell wie ein fundiertes technisches Englisch.
Bei komplexen Produkten und Systemen sind nicht selten sogar Obsolescence Manager mit einem zusätzlichen MBA im Einsatz.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt, wie sehen die Karriere-Möglichkeiten aus?
Das Einstiegsgehalt ist sehr stark abhängig von der Branche und der Komplexität der Produkte. Ausbildung, Erfahrung, und eine hohe Verantwortungsbereitschaft  spielen ebenfalls eine maßgebliche Rolle.
Zur groben Orientierung kann man von einem Gehaltslevel irgendwo zwischen strategischem Einkäufer und Entwicklungsingenieur ausgehen, wobei es vereinzelt durchaus auch zu starken Abweichungen sowohl nach oben wie nach unten kommen kann.
Die späteren Karrierechancen hängen erfahrungsgemäß stark von der individuellen Persönlichkeit ab.  Ich sehe das Berufsbild des Obsolescence Managers als tolles Sprungbrett in die Produktentwicklung oder Produktmanagement, aber wenn jemand seinen Job wirklich liebt, muss sie oder er bekanntlich nicht unbedingt groß Karriere machen, um glücklich zu werden.

Wie steht es um die Zukunftssicherheit des Jobs?
Nachdem sich mit konsequentem Obsolescence Management langfristig sehr viel Geld sparen lässt, mache ich mir um die Zukunftssicherheit dieses Jobs definitiv kein Sorgen.
Unser Verband geht fest davon aus, dass wir in einigen Jahren in Deutschland in jedem Unternehmen, das langlebige Industriegüter produziert, einen oder mehrere Obsolescence Manager vorfinden werden. In den USA und in Großbritannien wird sogar bereits an speziellen Studiengängen und kontinuierlichen Fortbildungsangebote gearbeitet. Ich denke also, wir stehen hier noch ganz am Anfang einer sehr spannenden Entwicklung.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck