Warum in die Ferne schweifen...

Am Anfang waren sie blitzschnell: In Osteuropa gehören Elektroindustrie-Unternehmen aus Deutschland zu den wichtigsten ausländischen Arbeitgebern. Doch je weiter die Karawane der Globalisierung nach Osten zieht, desto mehr zögern kleine und mittelroße Unternehmen. Der Mittelstand bestaunt die Wirtschaftsblüte in Asien lieber aus sicherer Entfernung. Wenn das nur gut ausgeht.

Deutschland ist ein schönes Land, kein Zweifel. Aber im Weltmaßstab eben doch recht klein. Augenfällig wird das durch eine kleine Übung. Man braucht dazu nur eine Weltkarte aus Papier in möglichst großem Format, eine Schere und einen gut gefüllten Cognacschwenker.

Und so geht’s: Man schneide den Staat Deutschland (Mitteleuropa) entlang seiner politischen Grenzen sorgfältig aus der Karte heraus und platziere diesen Schnipsel inmitten der Grenzen eines anderen Landes.

Zugegeben, in Europa ist das schwierig. Aber dafür gibt es in China, Indien, Kasachstan und Argentinien reichlich Platz. Und wie man’s auch dreht und wendet, man sieht: Deutschland ist klein. Auf Brasilien passt der Schnipsel nahezu 24 Mal, mit ein bisschen Geschick lassen sich in China noch drei weitere Bundesrepubliken unterbringen. Als Unternehmer kommt man da unweigerlich ins Grübeln. Dafür ist dann der Cognac da.

Der Mittelstand, jahrzehntelang der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft, gerät ins Stottern. Neben vielen anderen Gründen, an denen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mehr oder minder unschuldig sind, liege das an ihrer unzureichenden Auslandstätigkeit. Sagen die Experten und belegen das sogar statistisch: Die Exportquote der kleinen Unternehmen beträgt gut 8 Prozent, die der mittleren 16 und die der großen Unternehmen im Durchschnitt 21 Prozent ihrer Umsätze.

Fast zwei Drittel der KMU exportieren überhaupt nicht

Insgesamt haben die kleinen und mittelgroßen Unternehmen eine Exportquote von gut 14 Prozent, also rund 7 Prozentpunkte weniger als die großen Unternehmen. Fast zwei Drittel der KMU exportieren überhaupt nicht, bei großen Unternehmen ist es nur ein Drittel. Kleine und mittlere Betriebe produzieren in wesentlich geringerem Maß im Ausland als große Unternehmen: 5 Prozent sind es bei den kleinen und mittleren, 20 Prozent bei Großunternehmen.