»Absahner ohne Kompetenz und Werteverständnis« Warum BWL-Manager Ingenieuren intellektuell unterlegen sind

Der Wirtschaftsethiker Professor Florian Pfeffel fällt ein vernichtendes Urteil über Deutschlands Chefetagen: Es herrsche »Tristesse und Mittelmäßigkeit« vor. Der Grund: Das in der Ausbildung dominierende BWL-Studium könne intellektuell mit dem eines Ingenieur- oder Naturwissenschaftsstudiums nicht mithalten.

Das dürfte Wasser auf den Mühlen derer sein, die das Profitstreben der Konzerne geißeln und die Kaufleute an deren Spitze als Ursache des Übels ausmachen. Und der Bad Homburger Wirtschaftsethiker Professor Florian Pfeffel gibt ihnen Rückendeckung: Auch »durchschnittlich Begabte« könnten auf vielen Feldern der Betriebswirtschaftslehre durch viel Fleiß, viel Geld und gutes Networking sowie dem Deckmantel der so genannten Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten den Studienabschluss erreichen, obwohl es an Kompetenz mangelt. Somit starteten viele Blender auf der Karriereleiter durch und bringen Schaden über Unternehmen, was das Beispiel vieler Banken zeige oder das des Arcandor-Pleitiers Thomas Middelhoff.  

Ein Atomphysiker oder ein Ingenieur dagegen könnten mangelnde Fähigkeiten nicht lange verdecken. »Spätestens wenn der zweite Statiker oder die numerische Simulation die Ergebnisse überprüft, ist es mit der Herrlichkeit vorbei«, erklärt Wirtschaftsethiker Pfeffel, der an der Accadis Hochschule Bad Homburg lehrt. Der Wirtschaftswissenschaftler will damit nicht die These vertreten, dass »alle Manager schlecht seien«, vielmehr geht es ihm darum, das Betriebswirtschaftsstudium und die Führungskräfteentwicklung, die es mittelmäßigen Talenten erlauben, Karriere zu machen, kritisch zu hinterfragen.

Zu schwacher Kompetenz geselle sich dann in der Regel noch mangelndes Werteverständnis. »Diese Manager verdienen sehr viel Geld, machen große Fehler und sahnen vor ihrem Abtritt noch einmal im großen Stil ab ohne äußerlich erkennbares Verantwortungsbewusstsein für den hinterlassenen Scherbenhaufen«, konstatiert der Wirtschaftsethiker.