Studium Warum Bachelor-Studenten unzufriedener sind als Diplomanden

Mehr Leistungsdruck, weniger Freiraum: Studenten fühlen sich seit der Einführung der Bachelor-Studiengänge stärker belastet als Kommilitonen, die noch auf Diplom studieren. Der Stress hat allerdings wenig mit der tatsächlichen Arbeitsbelastung zu tun, sagt Psychologieprofessorin Monika Sieverding. Woran liegt es dann?

Die Hintergründe sind immer dieselben: Hohe Erwartungen + wenig Entscheidungsspielraum = Unzufriedenheit. Der wissenschaftliche Erklärungsansatz dafür lautet „Demand-Control-Modell“ und soll erklären, warum sich manche  Arbeitnehmer unglücklicher im Job fühlen als andere und manchmal sogar krank werden.

Psychologen der Uni Heidelberg wollten nun herausfinden, ob das Modell auch auf Psychologie-Studenten übertragbar ist, deren Studiengänge seit der Bologna-Reform sukzessive von Magister und Diplom auf Bachelor und Master umgestellt wurden.  Hintergrund für die Fragestellungen waren Berichte zahlreicher Studienberater, die den Bachelor als stressig und krankmachend bewertet hatten.

Studienleiterin und Psychologieprofessorin Monika Sieverding hält die nun vorliegenden Ergebnisse der Studie auf andere Studienfächer übertragbar. Laut Studie sind die Belastungen nicht nur gefühlt, sondern real gestiegen.

Zwar sei der der tatsächliche Studienaufwand mit 20 bis 36 Wochenstunden im Vergleich kaum gestiegen, doch sei das auch nicht wesentlich,  Sieverding  und ihre Kollegen halten die zeitliche Belastung für ein unbrauchbares Kriterium.  Wie viele Stunden pro Woche jemand ins Studium investiere, habe nur einen geringen Einfluss auf das Stressempfinden - und gar keinen auf die Zufriedenheit.

Der Grund liegt woanders: Die Bachelor-Studenten berichten von deutlich höherem Leistungsdruck als Diplom-Studenten. Sieverding vermutet, dass dies unter anderem mit dem Notenstress zu tun hat, denn die Noten in vielen Bachelor-Studiengängen zählen bereits zur Abschlussnote – und die ist wichtig, um einen Master-Studienplatz zu bekommen.

Auch die Entscheidungsfreiheit habe laut Studie wenig Einfluss auf das Stressempfinden, hier entdeckten die Forscher keinen Unterschied zwischen Studenten aus verschulten Bachelor- und offenen Diplom-Studiengängen. Doch auf die Zufriedenheit wirke sich die mangelnde Freiheit sehr deutlich aus.

Die Wissenschaftler empfehlen anhand der Ergebnisse mehr unbenotete Lehrveranstaltungen und längere Regelstudienzeiten für Bachelor-Studenten.

Die Wissenschaftler der Uni Heidelberg haben für die Studie 405 Psychologiestudenten an vier Unis befragt, darunter 307 Bachelor- und 98 Diplomstudenten. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Psychologische Rundschau" veröffentlicht.

Quelle: Spiegel Online