Unternehmen stellen hohe Anforderungen an Bewerber »Viele offene Ingenieursstellen kommen für Berufsanfänger nicht in Frage«

Anja Kettner, Arbeitsmarktforscherin beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung: »61 Prozent der Stellenangebote kamen 2009 für Jungingenieure gar nicht in Frage.«

Sehr gute Ingenieure werden nach wie vor gesucht, sagt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung und spricht von 37.000 kurzfristig zu besetzenden Stellen im ersten Quartal dieses Jahres. Doch warum müssen sich dann derzeit viele Jungingenieure mit Gelegenheitsjobs oder Aufbaustudiengängen über Wasser halten, wenn sie angeblich so gefragt sind?

37.000 offene Ingenieursstellen hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung - die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit - im ersten Quartal 2010 gezählt. »Sehr gute Ingenieure sind trotz Krise durchaus Mangelware«, bekräftigt die Arbeitsmarktexpertin Anja Kettner vom IAB.

Doch warum finden dann viele Jungingenieure nur mit Mühe einen Job? Kettner hat auch dazu Zahlen, vertröstet für einen Moment und legt das Telefon weg. Sie greift nach Unterlagen, die dieses Missverhältnis erklären könnten. »Hier, auch im letzten Jahr haben wir wieder eine repräsentative Untersuchung gemacht, in der wir uns die Profile von Neueinstellungen in den Ingenieursberufen angesehen haben. Dabei fiel auf, dass viele Stellenangebote, nämlich 61 Prozent, für Jungingenieure gar nicht in Frage kamen, denn hier war längere Erfahrung in diesem spezifischen Berufsfeld erforderlich!«

In anderen Branchen, so Kettner, sei das nicht so auffällig, hier wurde nur bei 47 Prozent der Neueinstellungen spezifische Erfahrung vorausgesetzt. Und: »Ein Drittel der Stellenausschreibungen (36 Prozent) verlangten Zusatzkenntnisse, die man an der Uni nicht lernt. Das ist ganz klar eine Barriere für Absolventen.«, sagt Kettner.

Aber ist es dann gerechtfertigt, von Fachkräftemangel zu sprechen? Schließlich könnten suchende Unternehmen die Jungingenieure für die zu besetzende Stelle doch auch weiterbilden. »Mangel - das ist momentan sicherlich eine Definitionssache und sehr davon beeinflusst, wie flexibel Betriebe bei der Personalauswahl sind«, räumt Kettner ein. »Dass wir aber langfristig durch den demographischen Wandel zu wenige Ingenieursabsolventen haben werden, um den Bedarf in Deutschland decken zu können, darüber besteht in der Fachwelt kein Zweifel.«