Arbeitsmarkt Vertriebsprofis schlagen Ingenieure. Und BWLer

Welche Positionen weltweit am schwierigsten zu besetzen sind.
Welche Positionen weltweit am schwierigsten zu besetzen sind.

Umfrage: Keine Berufsgruppe ist bei Unternehmen derzeit so gefragt wie Vertriebsspezialisten – am liebsten mit technischem Hintergrund und gleichzeitig exzellenten kommunikativen Kompetenzen. Gesättigt hingegen ist der Markt für Betriebswirte. 

Vertriebsspezialisten sind die begehrtesten Fach- und Führungskräfte im europäischen Arbeitsmarkt. Das sagen mehr als ein Fünftel (22 Prozent) der in Europa befragten HR-Verantwortlichen in einer aktuellen Untersuchung der Unternehmensberatung Korn Ferry Futurestep. 

Danach erst folgen Ingenieure und IT-Spezialisten. Kein Problem hingegen haben die Unternehmen bei der Rekrutierung von Finanzfach- und Kaufleuten. In Asien führen Vertriebsprofis neben Spezialisten für Forschung und Entwicklung (je 22 Prozent), in Nord- und Südamerika IT-Professionals (23 und 24 Prozent) die Hitliste derjenigen an, um die Unternehmen intensiv werben.

Da der Vertrieb immer mehr Technologiekompetenz benötigt, wird es zunehmend anspruchsvoller, die offnenen Stellen zu besetzen, so Korn Ferry. Gleichzeitig fehlten europaweit Spezialisten für neue Themen wie Cyber-Sicherheit, Datenanalytik und Digitalisierung. 
 
»Die fortschreitende Technologisierung der Produkte bei gleichzeitiger Professionalisierung des Einkaufs hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Anforderungen an Vertriebsmitarbeiter deutlich gestiegen sind«, erklärt Jan Müller, verantwortlich für das Geschäft von Korn Ferry Futurestep in EMEA.

»Vertriebler müssen heute nicht nur mit Emotionen arbeiten, sondern die technischen Spezifikationen ihrer Produkte insbesondere im B2B-Umfeld bis ins Detail verstehen. Ansonsten drohen sie am durch professionalisierten Einkauf zu scheitern, der heute vielfach vollständige weltweite Kostentransparenz über alle Produkt- und Dienstleistungsgruppen hat. Nur wer die richtigen Argumente in den immer komplexeren Verhandlungen findet, kann am Ende erfolgreich sein. Das macht es für Unternehmen aber umso schwerer, die richtigen Talente zu finden und zu binden. Insbesondere, weil diese immer öfter aus den Ingenieurberufen stammen.«
 
Und auch dort sei die Nachfrage ungebrochen. Von den befragten Unternehmen haben immerhin 18 Prozent angegeben, dass es am schwierigsten sei, Ingenieure zu finden. »Gerade weil Ingenieure heute auch in Vertriebs- und Managementbereichen eingesetzt werden, könnte sich hier kurzfristig die Verknappung noch verstärken«, sagt Jan Müller. 

Dass nur 14 Prozent der Unternehmen es für schwierig erachten, IT-Experten einzustellen, begründet Müller so: »Entscheidend ist es hier, genau hinzuschauen: Klassische IT-Experten werden seit vielen Jahren auch in Europa, insbesondere in Deutschland, exzellent ausgebildet. Richtig schwer wird es für Unternehmen aber, wenn es um Spezialisten für Themen wie Cyber-Sicherheit, Datenanalytik oder Digitalisierung geht. Diese gibt es in Europa nämlich bisher nur vereinzelt. Da müssen Unternehmen schnell Richtung USA, Israel oder Hong Kong schauen.«

Laut Korn Ferry benennen 23 Prozent der europäischen Unternehmen neue Kompetenzen und Fähigkeiten aufgrund des sich immer rascher ändernden Marktumfelds als größte Herausforderungen für die Besetzung von Stellen.  

Nur vier Prozent der europäischen Unternehmen halten hingegen die Rekrutierung von Finanzkaufleuten für schwierig. »Management zu studieren war in den letzten Jahren en vogue«, sagt Jan Müller. »Darum werden sehr viele Unternehmen heute auch von Kaufleuten geführt. Immer häufiger ist der CFO zum CEO geworden. Die Nachfrage nach technischer Expertise ist heute jedoch deutlich höher ausgeprägt. Darum droht der Markt für Betriebswirte und Kaufleute zu übersättigen. Hier gibt es viele exzellente Kandidaten, unter denen Unternehmen auswählen können.«
 
»Um die besten Talente zu bekommen, müssen Arbeitgeber heute neue Anforderungen der Bewerber erfüllen. Gehalt ist da ein Hygienefaktor.«, sagt Jan Müller. 
Fast ein Drittel (27 Prozent) der befragten Unternehmen ist der Meinung, dass in fünf Jahren vor allem flexibles Arbeiten in virtuellen Teams, unabhängig von Zeit und Arbeitsort, von Mitarbeitern nachgefragt wird.  
Als ebenfalls relevant für die Entscheidung, das Angebot eines Arbeitgebers anzunehmen, wurden die Unternehmenskultur (21 Prozent) und Unternehmenswerte (20 Prozent) benannt. Das Gehalt landet mit sechs Prozent erst auf dem siebten von acht möglichen Plätzen. 

An der Umfrage von Korn Ferry Futurestep haben im 4. Quartal 2016 über 1.100 HR-Führungskräfte teilgenommen.