Standort Deutschland „Unsere Mitarbeiter sind in Kompetenz und Charakter nicht ersetzbar“

„Vergessen Sie nicht, dass auch im Ausland die Produktionskosten steigen: Allein in Shanghai haben sie sich in den letzten 10 Jahren die Personalkosten von qualifizierten Mitarbeitern um 1000 Prozent erhöht.“ Pascal Schiefer, Geschäftsführer Leipold Group.
„Vergessen Sie nicht, dass auch im Ausland die Produktionskosten steigen: Allein in Shanghai haben sie sich in den letzten 10 Jahren die Personalkosten von qualifizierten Mitarbeitern um 1000 Prozent erhöht.“ Pascal Schiefer, Geschäftsführer Leipold Group.

Abwandern würde er nie: Pascal Schiefer führt die Leipold Gruppe aus Wolfach im Schwarzwald als Hersteller von kundenspezifischen Präzisionsteilen aus Metallwerkstoffen mit insgesamt vier Produktionsstandorten in Deutschland und in den USA. Als Geschäftsführer hält er die hierzulande steigenden Stückpreiskosten für gefährlicher als hohe Rohstoff- und Energiepreise.

Herr Schiefer, das erste Quartal ist für die Elektronikindustrie mäßig gelaufen, Aufträge und Produktion sind zurückgegangen. Wie geht es Ihnen?

Pascal Schiefer: Wir sind mit der aktuellen Lage zufrieden, unsere Auftragslage ist gut, besonders in Deutschland! Aber was wir spüren, ist die unglaubliche Nervosität, die im Markt herrscht. Kleinste Zuckungen können zu Panik führen. Wir produzieren kundenspezifische Artikel und haben je nach Produkt eine Lieferzeit von zwei bis vier Monaten. Diese aktuell nervöse Stimmung ist Gift für Einkäufer, die mit einem Vorlauf von drei bis 9 Monaten bestellen müssen. Jeder kleinste Anlass kann die Stimmung kippen und Einkäufer in Schockstarre verfallen lassen. Die Schockstarre ist der „worst case“, davor habe ich Sorge.

Dabei ist die objektive Lage unseres Marktes gut, zumindest hier in Deutschland. Es ist das Resultat der harten Arbeit der vergangenen Jahre. 2010 und 2011 waren sehr gut, 2012 okay, mit Skepsis im Sommer und schlechter Stimmung im Herbst. Im Januar war die Stimmung sehr gut, jetzt ist sie gut. Es gibt keinen Grund zur Sorge, aber wir dürfen auch nicht nachlassen, damit der Motor nicht anfängt zu stottern!

Was meinen Sie mit nachlassen?

Die Lohnstückkosten sind seit der Krise stetig gesunken – jetzt steigen sie wieder! Die Arbeit wird wieder teurer. Nehmen Sie die jüngsten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie. Wir schwächen damit unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber Betrieben in Italien, Frankreich oder Spanien. Die stehen unter massivem Druck und treten aggressiv mit Kampfpreisen an den Kunden heran. Die höheren Personalkosten muss ich also wieder reinholen, durch Gewinnverzicht und noch höhere Produktivität. Ganz konkret heißt das, ich muss meine Mitarbeiter stärker fordern, mehr Leistung erzwingen. Positiv ist, dass in den USA eine Umkehr zu beobachten ist, dort ist das Bewusstsein für Qualität und höherpreisige Waren gestiegen, davon profitieren wir als Qualitätsanbieter.  

Rahmenbedingungen wie die hohen Energiekosten, über die alle jammern, tangieren Sie nicht? 

Natürlich sind nationale Alleingänge immer ein Problem. Aber die hohen Energiekosten haben auch andere. Das gleiche gilt für hohe Rohstoffpreise, die wir über Preisgleitklauseln an den Kunden weitergeben können, so wie alle anderen das auch machen. Wir unterscheiden wie alle anderen auch zwischen einem Wertschöpfungsanteil am Gesamtpreis und einem Preisanteil Rohmaterial. Diesen geben wir weiter.

Positiv wirkt sich aktuell das billige Geld aus, das ist gut für unsere Investitionen. 

Und sie profitieren natürlich auch von den aktuell niedrigen Rohstoffpreisen – das verbilligt ihre Produkte.

Ja natürlich. Wobei das die anderen auch tun. Leider sind niedrige Rohstoffpreise immer auch ein Zeichen dafür, dass es der produzierenden Industrie insgesamt nicht so gut geht: Ziehen Wolken am Konjunkturhimmel auf, sinken die Rohstoffpreise.

Sie liefern 25 Prozent Ihrer Produkte in den Bereich Stromversorgung und Energietechnik. Welche Erwartungen haben Sie an das Thema Smart Grid?

Das ist für uns ein potenziell wichtiger Markt, der sich aber viel langsamer entwickeln wird, als es der aktuelle Hype glauben lassen mag. Denn wer soll das Thema denn vorantreiben? Etwa die großen Energieversorger?

Das gleiche gilt für die Elektromobilität: 8 Prozent der Neuzulassungen sollen 2030 elektrisch sein, das ist vom großen Hype übriggeblieben. Immerhin hat all das zu einem Effizienzsprung bei den Verbrennungsmotoren geführt. Wir werden von der Elektromobilität als Hersteller profitieren, aber das ist ein schleichender Prozess, kein Paradigmenwechsel. Es wird nicht wie bei der CD sein, die mit einem Schlag die Langspielplatte verdrängt hat.