VDE-Umfrage zum Thema Familie und Beruf Teilzeit-Ingenieur funktioniert nicht

Eine Umfrage unter Young Professionals der Ingenieurwissenschaften bringt es an Licht: Viele Ingenieure opfern ihre Wünsche nach einem gleichberechtigten Familienleben neben dem Job notgedrungen der Karriere.

Nie gab es so viele Initiativen wie heute, Frauen in Ingenieurwissenschaften zu bekommen. Der Erfolg bislang: sehr mäßig. In der Elektrotechnik stieg der Studentinnen-Anteil über viele Jahre hinweg nur sehr langsam auf heute rund 10 Prozent, zum Abschluss kommen noch weniger. Einer der Gründe, warum der Erfolg der diversen Förderprogramme bislang ausbleibt, könnte die schlechte Vereinbarkeit von Ingenieurberuf&Familie sein. Darauf deutet zumindest eine neue Umfrage des VDE hin. Beispiel Elternzeit: Vier von zehn befragten Young Professionals glauben, dass Ingenieure, die sich aus privaten Gründen zwei bis drei Jahre aus dem Beruf zurückziehen, sich danach nicht mehr im Ingenieurberuf zurechtfinden. Dass die Arbeit eines Ingenieurs zumindest partiell durch ständige Verfügbarkeit, häufige Überstunden und Wochenendarbeit geprägt ist, glaubt jeder Zweite. Deshalb wundert es auch nicht, dass über 30 Prozent der Young Professionals davon ausgehen, dass die Ausübung des Ingenieurberufs einerseits und Teilzeitarbeit beziehungsweise Auszeiten andererseits zueinander im Widerspruch stehen und sie ihr Privat- beziehungsweise Familienleben einschränken müssen, um beruflich voranzukommen. Rund 20 Prozent geben an, dass sie derzeit auch persönlich ihre sozialen beziehungsweise familiären Bedürfnisse nicht mit den Pflichten eines Ingenieurs in Einklang bringen können.

Während sich Frauen zu etwa zwei Dritteln und Männer zu 50 Prozent wünschen, Haushalt und Betreuung nach der Geburt eines Kindes aufzuteilen, realisiert sich diese Erwartung für nur 60 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer. Ähnlich sind die Ergebnisse auch in Bezug auf die Auszeit, die sich vor der Geburt eines Kindes über 40 Prozent der Männer und Frauen wünschen: Tatsächlich haben sich mehr als 60 Prozent der Frauen und lediglich 38 Prozent der Männer diese Auszeit auch wirklich genommen. Gut die Hälfte der Befragten ist skeptisch, ob sie ihre beruflichen Aufgaben an die Bedürfnisse des Kindes anpassen können. Vor allem Frauen wünschen sich mehr Unterstützung von Seiten des Arbeitgebers, um Familie und Beruf besser miteinander verbinden zu können. »Damit steigt die Gefahr, dass ein Teil des Potentials von Frauen in MINT-Berufen ungenutzt bleibt«, so VDE-Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer. Für die Studie wurden insgesamt 776 Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik befragt, davon waren rund 10 Prozent weiblich. Die meisten der Befragten leben in Partnerschaften und sind in größeren Unternehmen beschäftigt. Das Durchschnittsalter lag bei 29,4 Jahren.