Arbeitsmarkt Photovoltaik „Teilweise katastrophal niedrige Gehälter“

"Vor allem Vorstände verdienen in der Photovoltaikbranche weniger als in anderen Branchen." sagt Michael Ziegler, Geschäftsführer PhotovoltaikZentrum.
"Welcher Arbeitgeber ist heute attraktiv, wenn er morgen Insolvenz anmelden muss? Nein im Ernst, die PV-Branche bleibt als Arbeitgeber in Deutschland attraktiv." sagt Michael Ziegler, Geschäftsführer PhotovoltaikZentrum.

Ist die Photovoltaik-Branche als Arbeitgeber nur noch was für grüne Überzeugungstäter? Ein Gespräch mit Michael Ziegler, Geschäftsführer Photovoltaikzentrum und Autor einer aktuellen Gehaltsstudie.

Herr Ziegler, welche Sparten innerhalb der Photovoltaik-Industrie leiden am meisten? Und wie wirkt sich das auf die Gehälter und die Arbeitsplatzsicherheit aus?

Die ganze Branche musste - und muss noch immer - Federn lassen, was sich auch zwangsläufig auf die Gehälter auswirkt. Leiden tun letztlich die Beschäftigten in der Solarindustrie, denn deren Grundbedürfnis Arbeitsplatzsicherheit steht auf wackligen Beinen. Die Gehaltsveränderungen bei den jeweiligen Sparten klaffen im Vergleich zum Vorjahr nicht so weit auseinander, dass ein Gewinner oder Verlierer daraus hervorgeht.

Wie attraktiv ist die Branche als Arbeitgeber noch: Nur noch was für Überzeugungstäter?

Welcher Arbeitgeber ist heute attraktiv, wenn er morgen Insolvenz anmelden muss? Nein im Ernst, die PV-Branche bleibt als Arbeitgeber in Deutschland attraktiv. Und das nicht nur für Überzeugungstäter. Schließlich handelt es sich um eine innovative Branche, die bedeutend für die Energieversorgung in unserem Land und Vorbild für viele Länder auf der Welt ist. Das Thema Energiespeicher, Eigenverbrauch und dezentrale Energiewende werden immer wichtiger und somit auch die PV-Branche.

Stellt die PV-Branche im Hochqualifizierten-Bereich noch unbefristet ein?

Ja, und zwar hauptsächlich die großen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in schwierigen Marktsituationen auch innerhalb des Unternehmens in anderen Bereichen einsetzen können. Aber auch mittelständische Unternehmen stellen nach wie vor unbefristet ein. Das mag wohl an der soliden Basis dieser Unternehmen liegen.

Dennoch dürften viele Ingenieure auf dem Sprung sein…

Über 26 Prozent denken in der Solarbranche über einen Arbeitsplatzwechsel nach, darunter befinden sich auch Ingenieure. Wie sich ein Wechsel gestaltet, wohin sie sich bewerben und wie ihre Chancen sind, ist mit vielen Faktoren verbunden. Das ist abhängig von persönlichen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Ausbildung und Berufserfahrung, von positionsabhängigen Faktoren wie der Art der ausgeübten Tätigkeit, dem Verantwortungsumfang und dem Status eines Mitarbeiters, von unternehmensabhängigen Faktoren wie der Unternehmensgröße, dem Standort und dem Branchensektor sowie den zuzurechnenden Zusatzleistungen und variablen Entgeltbestandteilen.

In Hessen sind die Gehälter am höchsten, in Brandenburg am niedrigsten. Worauf beruht diese Schere?

Das beruht auf dem Ost-West-Gefälle. Dieser Einkommensabstand existiert noch 24 Jahre nach der Wende zwischen den östlichen und den westlichen Bundesländern. Im Osten haben sich die meisten Hersteller angesiedelt, welche sich ziemlich am Anfang der Wertschöpfungskette befinden und heute nach und nach auf Grund der schwierigen Wirtschaftslage schließen müssen. In der Produktion werden dort teilweise katastrophal niedrige Gehälter bezahlt. Am Ende der Wertschöpfungskette, vorwiegend im Westen der Republik, konnten bisweilen bessere Löhne und Gehälter erzielt werden.

Auch Leiharbeiter konnten ihre Vergütung geringfügig steigern. Ist das der Tatsache geschuldet, dass immer mehr Zeitarbeits-Unternehmen Mindestlöhne bzw. Tarifverträge einführen?

Sicherlich profitieren Leiharbeiter von der allgemeinen Tariferhöhung und den ausgehandelten Zuschlägen. Ob allerdings Mindestlöhne und Tarifverträge die Hauptursache für die Gehaltssteigerung sind, wäre reine Spekulation. Vielmehr wissen auch die Leiharbeitsfirmen um den Wert von Fachpersonal.

Herr Ziegler, was sagt eine Gehaltsstudie aus, die einen Mittelwert quer über alle Beschäftigungsformen und Abschlüsse hinweg bildet?

Der von uns veröffentlichte Median gibt die Gehaltsveränderung gegenüber dem Vorjahr bekannt. Er wird aus allen vorliegenden Gehältern von Beschäftigten ermittelt, die ausschließlich im Bereich Photovoltaik tätig sind. Dabei spielen Fachgebiete, Beschäftigungsformen und Abschlüsse keine Rolle. Immerhin wurde der Median aus über 6.178 Gehälter ermittelt.