Nachwuchswissenschaftler für Organische Elektronik Starthilfe für eine internationale Karriere

Von der EU geförderte Forscher-Erstausbildungsnetze (Initial Training Networks – ITN) wie das Forschernetzwerk OSNIRO (Organic Semiconductors for NIR Optoelectronics) eröffnen Nachwuchsforschern die Möglichkeit, ihre Forschungskompetenzen und –Netzwerke im Ausland zu erweitern und ihre Berufsaussichten zu verbessern.

Befristete Arbeitsverträge, unbezahlte Überstunden, Konkurrenzdruck und ständig die Frage, wie es nach der Promotion weitergeht: Doktoranden haben es nicht leicht, in der Welt der Wissenschaft Fuß zu fassen. Das macht eine akademische Laufbahn für viele unattraktiv.

Besser bezahlt werden Doktoranden, die in den Genuss einer öffentlichen Förderung kommen. So fördert die Europäische Kommission junge Forscher unter anderem über sogenannte Erstausbildungsnetze (Innovative Training Networks - ITN). Diese erlauben ihnen, in einem internationalen Umfeld ihre akademischen und sozialen Kompetenzen zu erweitern, wichtige Kontakte in Wissenschaft und Industrie zu knüpfen und so ihre Berufsaussichten zu verbessern.

Das Forschernetzwerk OSNIRO (Organic Semiconductors for NIR Optoelectronics) fördert speziell Doktoranden aus dem Bereich der Optoelektronik. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit steht die Entwicklung von neuen organischen Materialien, die Licht im nahen Infrarotbereich absorbieren und abgeben.

Sie versprechen ein großes Potenzial etwa für die Entwicklung von flexiblen, kostengünstigen organischen Solarzellen (führend ist dabei in Deutschland der Spin-off der TU Dresden, Heliatek) sowie von Lichtsensoren, die etwa im Bereich der Bildgebung - bzw. in der Telekommunikation integriert werden können.

Projektkoordinator ist Prof. Dr. Ullrich Scherf von der Bergischen Universität Wuppertal, beteiligt ist auf deutscher Seite zudem die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Deutscher Industriepartner ist Siemens, das Organische Elektronik vor allem im Bereich Photodetektoren kommerziell nutzen will. Vervollständigt wird das Konsortium durch Hochschulen und Unternehmen in Frankreich, Griechenland, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden. Die acht Partner dienen als Gastinstitutionen für Doktoranden aus aller Welt, die sich auf die im Rahmen von OSNIRO international ausgeschriebenen Stellen beworben haben.

Die Europäischen Kommission fördert das internationale Projekt mit 3,6 Mio. Euro; davon fließen rund 725.000 Euro nach Bayern und insgesamt 1,4 Mio. Euro nach Deutschland.

Den beteiligten Doktoranden bietet OSNIRO ein interdisziplinäres Umfeld: Neben Chemikern sind auch Physiker und Materialwissenschaftler an der Forschung beteiligt. Dabei bearbeitet jeder Doktorand ein Teilprojekt, zwischen den Teilprojekten bestehen jedoch zahlreiche Verknüpfungen. So lernen die Doktoranden, über Länder- und Disziplingrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.„Außerdem haben die Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, die Arbeitswelt in Industrie und Universitäten gleichermaßen kennenzulernen“, so Scherf.

Während der kommenden vier Jahre forschen die 15 ausgewählten Nachwuchswissenschaftler an ihrer Gastinstitution und bekommen zusätzlich Trainings und gemeinsame Fortbildungen, die sowohl die wissenschaftlichen Kompetenzen als auch die Soft Skills ausbauen sollen.

Bei der ersten gemeinsamen Fortbildung an der Bergischen Universität Wuppertal standen zum Beispiel "Akademisches Schreiben und Präsentieren" auf dem Programm, das Training deckte sowohl den Schreibprozess als solchen als auch Veröffentlichungsstrategien ab.

Beim Präsentationstraining lernten die Doktoranden unter anderem das Sprechen vor einem großen Publikum. Weitere "Soft Skills"-Themen, die in den kommenden drei Jahren als Fortbildung angeboten werden sollen, sind Didaktik, Fördermittelakquise und Öffentlichkeitsarbeit. Forschungsbezogene Vorträge gehören ebenfalls zum Konzept. Die Bayerische Forschungsallianz hat das OSNIRO-Konsortium bei der Beantragung der Fördergelder bei der Europäischen Kommission professionell unterstützt.

Die EU-Förderung umfasst Pauschalen für die Personal- und Projektkosten sowie Management- und Gemeinkosten. Gefördert werden Netzwerke aus allen Forschungsgebieten der Geistes- und Naturwissenschaften. Die nächste Bewerbungsrunde endet am 15. Januar 2015.  Zusätzliche Informationen zum ITN-Konzept sind unter http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020 verfügbar.