Start-up-Finanzierung - Chancen mit »Cleantech«

Software, Internet-Services und Biotechnologie greifen einen Großteil des verfügbaren Beteilungskapitals (Private Equity und Venture Capital) in Deutschland ab. Auch »Cleantech« ist weiterhin stark im Fokus von Investoren und bietet große Chancen für die gesamte Elektronikindustrie.

Alexander Brühl guckt sehr genau hin, welchem Jungunternehmer er das Kapital seiner Investoren zwecks ordentlicher Vermehrung anvertraut. Für Durchschnittsprodukte auf Durchschnittsmärkten, die Durchschnittserträge erwarten lassen, macht der Senior Partner für den Unternehmensbereich Technologie und Geschäftsführer von Atlas Venture, keinen Euro locker. Aber wer das Perpetuum mobile erfindet, SAP alt aussehen lässt oder eine Software programmiert, mit der sich der Energieverbrauch nachhaltig drosseln lässt, hat gute Aussichten, seine Geschäftsidee präsentieren zu dürfen. Denn: »Produkte und Technologien, mit denen sich aktuelle Makrobedürfnisse unserer Gesellschaft befriedigen lassen, haben nach wie vor sehr gute Aussichten auf Finanzierung.«

Wie Brühl stochern heute alle privaten Beteiligungsgesellschaften vor allem nach Investments, die kurzfristige Lösungen für langfristig verursachte Probleme versprechen. »Venture Capital ist die ideale Finanzierungsform, wenn ein junges Unternehmen mit neuen Produkten eindeutige Wettbewerbsvorteile in einem attraktiven Markt schafft«, bestätigt Bernhard Schirmers, Geschäftsführer der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement. »Geht es jedoch nur um graduelle Verbesserungen und kleine, lokale Märkte, wird es kein Venture Capital geben.«

Life Science- und Medizintechnik-Branche
Die Tübinger Venture Capital Gesellschaft legt gerade ihren dritten Fonds auf und investiert in junge, stark wachsende Unternehmen aus der Life Science- und Medizintechnik-Branche. Wie viele andere auch. Ein gutes Viertel aller Neuinvestitionen von 36 wichtigen Venture Capital-Gebern (dokumentiert von FHP Private Equity Consultants) flossen im dritten Quartal 2007 in den boomenden Gesundheitsmarkt. Hintergrund: die längere Lebenszeit und die gestiegene Bereitschaft der Menschen, sich ihr Wohlbefinden einiges kosten zu lassen.

Noch mehr, nämlich gut 41 Prozent vom Gesamtkuchen in Höhe von 116 Millionen Euro, heimsten Software-Entwickler und die Anbieter neuer Internet Services und Strukturen ein. Auf Elektronik, Industrie-Automation, Hardware und Umwelttechnologie entfielen zusammen 15,2 Prozent. Alexander Brühl: »Im Bereich Cleantech zum Beispiel fließt ein großer Teil der Investitionen in die Entwicklung und den Produktionsaufbau von erneuerbaren Energiequellen wie Solar, Wind und Wasserkraft. Dabei steckt gerade im Bereich der effizienten Nutzung vorhandener Energiereserven das größte Potenzial der nächsten Jahre. Energieeffizienz ist eine Chance für die gesamte Elektronikindustrie.« So sollen neuartige Softwareprogramme direkt beim Endverbraucher die Nutzung von Energie intelligent steuern. Brühl: »Ins Netz des Energieversorgers wird die Energie aus privaten Solaranlagen bedarfsgerecht eingespeist, auch hier spielt Software eine zentrale Rolle.«

Nicht nur die privaten Beteiligungsgeber haben dank erfolgreicher Rückverkäufe wieder mehr Kapital zur Verfügung als noch vor einem Jahr. Auch die staatlichen Geldsäckel öffnen sich angesichts des Zauberwortes »Hightech«. Bis 2009 stellt die Bundesregierung fast 6,5 Milliarden Euro für Technologie- und Innovationspolitik bereit. Etwa die Hälfte davon wird vom Wirtschaftsministerium verantwortet, Schwerpunkte sind Energieforschung, Fahrzeug- und Verkehrstechnologien, Informations- und Kommunikationstechnik, Luft- und Raumfahrt sowie maritime Technologien. Über die KfW-Mittelstandsbank und den HighTech-Gründerfonds werden nicht nur bestehende Unternehmen mit Fremdkapital ausgestattet, sondern auch Seed- und Early-Stage-Finanzierungen, also hoffnungsvolle Neugründungen von fachkundigen Technologen. Nachteil hier: Die Beurteilung eines Geschäftsvorhaben in einem womöglich hochkomplexen Elektronikgebiet kann Monate dauern. An Geld mangelt es nicht, aber oft an fachkundigen Technologen. Christine Demmer