Kommentar Spezialistenschmiede Uni?

Ingenieurausbildung im Wandel
Ingenieurausbildung im Wandel

Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren und bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Bis dahin ist noch viel zu tun. Und es ist eine große Chance. Das wissen auch die Unternehmen und suchen händeringend Spezialisten. Doch wer ist für deren Ausbildung verantwortlich: Hochschule oder Unternehmen?

Egal, ob in Zeitungen, im Fernsehen oder im Radio, an zwei Themen ist nicht vorbeizukommen: Erneuerbare Energien und Elektromobilität. Die Bundesregierung hat einen ambitionierten Zeitplan vorgelegt: Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren und bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Dann steht ein Energiemix aus Fossilkraftwerken und Erneuerbaren Energiequellen auf dem Programm. Bis dahin ist noch viel zu tun. Und es ist eine große Chance.

Das wissen auch die Unternehmen. Sie suchen händeringend Spezialisten. Die Bundesagentur für Arbeit meldet 3.000 offene Stellen für Elektroingenieure. Andere Institutionen sprechen von weit mehr. Die Frage ist nur, welcher der zahlreichen Statistiken man Glauben schenkt. Fakt ist, die Unternehmen sind stark an Elektroingenieuren u.a. mit den Fachrichtungen Embedded Systeme oder Leistungselektronik interessiert. Besonders in den Bereichen Erneuerbare Energien und Elektromobilität werden Spezialisten gesucht. Um die Situation rund um den Fachkräftemangel zu entspannen, hat die Bundesregierung den Weg für qualifizierte Ingenieure aus Drittländern geebnet: Die Vorrangprüfung für die Einstellung ausländischer Ingenieure in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau wurde aufgehoben. Aus demselben Grund will Wirtschaftsminister Philipp Rösler die aktuelle Einkommensgrenze für Ingenieure von 66.000 € auf etwa 40.000 € senken.

Sind die Unternehmen vielleicht nur an gut ausgebildeten Leuten mit niedriger Gehaltsvorstellung interessiert?

Sicherlich nicht allein. Die Industrie ist bereit, für ausgesuchte Fachkräfte auch 66.000 € zu zahlen; das Alter des Bewerbers spielt immer öfter eine untergeordnete Rolle. Zurzeit sind etwa 170.000 Menschen im Bereich Erneuerbare Energien beschäftigt. Bis 2020 wird sich die Zahl nahezu verdoppeln. Zur Zeit sind gut ausgebildete Fachkräfte jedoch Mangelware.

Kann Deutschland keine Fachkräfte mehr hervorbringen?

Das Problem ist ein anderes. Früher war es Gang und Gäbe, dass die Studenten an den Hochschulen eine breite und fundierte Ausbildung erhalten haben, die Spezialisierung häufig aber erst außerhalb der Hochschule stattfand, sprich bei der täglichen Arbeit in den Unternehmen. Mittlerweile scheint die Industrie oft zu bequem, Spezialisten auszubilden. Ruft man sich aber den Zeitplan der Bundesregierung ins Gedächtnis, so bleibt der Industrie kaum Zeit, aus einem Generalisten einen Spezialisten zu machen – zumindest nicht im erforderlichen Maße. Gefragt sind Absolventen, die sich bereits während des Studiums ein fundiertes Wissen in den Trendbereichen Erneuerbare Energien und Elektromobilität angeeignet haben. Zwar gibt es bereits Schwerpunkte wie Leistungselektronik oder Hochfrequenztechnik in der Elektrotechnik, doch verlangen Trendtehmen wie Elektromobilität auch Wissen aus dem Maschinenbau, der Fahrzeugtechnik, etc. Die Hochschulen und Universitäten reagieren auf die sich ändernden Umstände, indem sie neue Studiengänge wie Elektromobilität oder Regenerative Energietechnik ins Leben rufen. So hat z.B. das Karlsruher Institut für Technologie ein Studienmodell Elektromobilität entwickelt: Der Masterstudiengang bündelt die Kompetenzen unterschiedlicher Institute, um die interdisziplinäre Struktur der Elektromobilität abzudecken.

Die Hochschulen haben schnell auf die geänderten Anforderungen reagiert. Das entbindet die Industrie jedoch nicht vor ihrer Verantwortung, ihr eigenes Personal zu qualifizieren – sei es durch Aus- oder Weiterbildung. Ist die Industrie nicht dazu bereit, kann der Fachkräftemangel bzw. der Leidensdruck nicht allzu groß sein. Bis die Studenten jedoch ihr Studium beendet haben, sollte die Industrie die Hochschulen unterstützen – als Partner für Forschungsprojekte oder in Form von Praktika und Gastvorträgen.

Ihre Meinung!

Liebe Leser,

wie sehen Sie den Wandel in der Ingenieurausbildung als Unternehmen oder als Betroffener:

Sind spezialisierte Studiengänge wie Erneuerbare Energien oder Elektromobilität die Zukunft?

Sollten solche Studiengänge in enger Abstimmung der FHs und Universitäten mit Unternehmen vor Ort eingerichtet werden?

Ist die Ausbildung ausreichend, sprich: Sind die Absolventen durch das Studium ausreichend qualifiziert?

Wo liegt die Schmerzgrenze für die Bezahlung eines „Jungingenieurs“? Welche Gehälter stellen sich auf der anderen Seite die Absolventen vor?

Was können Unternehmen und Studenten bzw. Absolventen tun, um den Ausbildungsstand in dieser Situation zu verbessern?

Sind Duale Studiengänge hierfür eine Lösung?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

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