Kommentar Silicon Valley: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ingo Kuss, Chefredakteur, IKuss@weka-fachmedien.de

Warum ausgerechnet die digitale Avantgarde im Silicon Valley zumindest zeitweilig alle elektronischen Kommunikationskanäle kappt – und wir das auf keinen Fall machen.

Seine E-Mails bleiben unbeantwortet, niemand geht ans Telefon, selbst die Firmenadresse ist meist nicht ausfindig zu machen: Beim Versuch, mit Startups im Silicon Valley in Kontakt zu treten, musste Springers Digitalexperte Christoph Keese feststellen, dass ausgerechnet die digitale Avantgarde dort ein sehr restriktives, analoges Kommunikationsverhalten pflegt. Insbesondere in der Gründungsphase zählt allein der persönliche Kontakt.

Keese sieht in der extremen Abschottung einen wichtigen Erfolgsfaktor, da sie den meist noch kleinen Teams die Fokussierung auf eine möglichst schnelle Produktentwicklung erlaube. Nun könnte man diese Strategie natürlich auch einfach als bloße Marotte kommunikativ ohnehin minderbegabter Nerds abtun – doch dafür ist das Silicon Valley mit seinen Methoden schlicht zu erfolgreich. Außerdem ist die im Valley so intensiv gepflegte Kultur der physischen Nähe an sich ja nichts Neues: Die wirklich wichtigen Dinge wurden schon immer in persönlichen Gesprächen geregelt – daran hat bislang noch kein digitales Medium etwas ändern können.

Neu – und für Außenstehende irritierend – ist allerdings die Radikalität, mit der gerade die Digital Natives zeitweise alle elektronischen Kommunikationskanäle kappen. In einer speziellen Entwicklungsphase und für ein eng begrenztes Gebiet wie das Silicon Valley mag die gezielte Missachtung der üblichen Kommunikationsregeln zielführend sein. Zum Vorbild für andere Regionen und Branchen taugt ein solches Verhalten indes nur bedingt.

Gerade ein viel größerer und deutlich heterogenerer Standort wie Deutschland ist auf einen intensiven Informationsaustausch auf unterschiedlichsten Kanälen angewiesen: Als führendes Fachmedium versorgt die Markt&Technik seit mehr als 40 Jahren Entscheider in der professionellen Elektronik mit exklusiven Nachrichten und aufwendig recherchierten Hintergrundberichten. Die hochaktuelle Online-Plattform markt-technik.de, maßgeschneiderte Sonderpublikationen sowie zahlreiche Fachveranstaltungen und Branchentreffs komplettieren unser umfangreiches Kommunikationsangebot.

Dieses inzwischen stark gewachsene Angebot hat es erforderlich gemacht, Aufgabenbereiche innerhalb der Redaktion neu zu strukturieren, um uns für die Zukunft effizient aufzustellen. Anfang Januar habe ich von Heinz Arnold die Chefredaktion der Markt&Technik übernommen. In seiner neuen Position als Editor-at-Large konzentriert sich Heinz Arnold auf die journalistische Weiterentwicklung der vielfältigen redaktionellen Formate der Markt&Technik. In dieser Konstellation wollen wir gemeinsam mit dem gesamten Redaktionsteam den Erfolgsweg der Markt&Technik weiter fortführen.

Ich freue mich auf den persönlichen Austausch mit Ihnen und auf jede Form von Feedback – anders als im Silicon Valley können Sie bei der oben genannten E-Mail-Adresse auch mit einer zeitnahen Antwort rechnen.

Herzlich, Ihr

Ingo Kuss