Web 2.0: Zeitenwende im Personalmarketing Sei da, wo die Ingenieure sind!

createyourowncareer.de - die Karrierewebsite von Bertelsmann

Twitter, Facebook, Youtube, Xing, LinkedIn – lösen die neuen Kommunikationswerkzeuge bald klassische Recruiting-Wege ab? Noch sind die meisten Firmen zurückhaltend.

Zumindest unter Marketing- und PR-Dienstleistern hat Social Media enorm an Bedeutung gewonnen. Jeden Tag flattern Angebote in den Posteingang, Social Media zu nutzen, professionelle Unterstützung bei der Einführung zu erhalten oder die richtige Strategie zu erarbeiten. Nur eine neue Geschäftsidee, oder tatsächlich ein Trend?

Bislang setzen nur wenige große Firmen wie Bertelsmann, Telekom oder die Otto Group eigene Profile auf Facebook oder Twitter für die Kommunikation mit potenziellen Kandidaten ein. Durchaus mit Erfolg, zumindest was die Wahrnehmung in den Medien betrifft: Das schwedische Unternehmen Potentialpark befragte knapp 2000 deutsche Studenten und Absolventen, wie sie ihre Karriere online planen und wie sie sich Karriereseiten wünschen. Anhand dieser Kriterien bewertete Potentialpark die Seiten von 100 deutschen Unternehmen – und Spiegel Online, Manager Magazin, Wirtschaftswoche und andere berichteten sogleich über die Gewinner.

Doch auch wenn Social Media gerade »sexy« und »in« ist: es steckt mehr Potenzial drin, als die meisten Unternehmen heute schon wahrhaben wollen. »Talent Relationship Management« ist für Experten die Personalmarketing-Aufgabe der Zukunft. Weil alles danach aussieht, als würde der (vor allem technische) Nachwuchs in Zukunft immer knapper. Und nachdem dieser sich in Xing und Facebook unterhält, scheint es nur folgerichtig, dort den Dialog mit ihm zu suchen.

Stellenangebote auf der eigenen Webseite veröffentlichen – das reicht nicht aus für eine gute Bewertung bei Potentialpark. Gewinner wie Bertelsmann bieten mehr als Informationen, sie arbeiten daran, ein Image im Web zu transportieren und schließen damit den Kreis zwischen Recruiting und Employer Branding.

Gero Hesse ist als Senior Vice President Human Resources verantwortlich für die Web-Kampagne »create your own career« von Bertelsmann. Der Konzern nimmt rund 300.000 Bewerbungen pro Jahr entgegen. Viel wichtiger als diese beeindruckende Ausbeute ist es ihm aber, die Absagequote von Top-Talenten möglichst niedrig zu halten – sprich diejenigen, die man gerne für sich gewinnen würde, auch zu bekommen. Die Absagequote liegt unter 1 Prozent, das Bild, dass Bertelsmann dem Nachwuchs zu transportieren versucht, scheint zu stimmen.

Wie wichtig die gelungene Arbeitgeberpräsenz im Web ist, zeigen weitere Studienergebnisse von Potentialpark: Neun von zehn Kandidaten gehen ins Internet, wenn sie karriererelevante Informationen suchen. Davon vertrauen zwei Drittel den Karrierewebsites von Unternehmen, Job- und Karriereportale haben für die Studenten an Bedeutung verloren.

Wichtig ist den Befragten laut Studie die Authentizität: Wer die Gesichter zu den Jobprofilen zeigt, Geschichten aus dem Unternehmen erzählt statt nur trockene Informationen zu verbreiten, gewinnt.

Trendsetter nutzen deshalb Social-Media-Plattfomen wie Facebook, Youtube, Xing oder Twitter. So auch die Telekom, im Potentialpark-Ranking auf Platz zwei hinter Bertelsmann gelistet. Das Unternehmen hat sich im Vergleich zum Vorjahr damit um 30 Plätze verbessert. »Wir bieten nicht nur ansprechende Seiten«, sagt Marc-Stefan Brodbeck, Leiter des Recruiting & Talent Service des Unternehmens, »wir möchten eine Beziehung zu Schülern, Studenten, Absolventen und auch Professionals aufbauen.« Deshalb seien die Seiten der Telekom keine Zahlen-Hitparade, »uns geht es darum, unser Unternehmen als innovativen und attraktiven Arbeitgeber darzustellen.« Seit Januar berichten die Beschäftigten in Videobeiträgen aus ihrem Arbeitsalltag.

Telekom hat ihr Engagement in den Social Media-Netzwerken wie Facebook, Twitter und auch auf YouTube verstärkt. »Dort können wir uns unverfälschter, offener und smarter darstellen als auf den traditionellen Wegen«, so Brodbeck.

Doch soviel Lockerheit liegt nicht jedem. ThyssenKrupp etwa, Platz drei im Potentialpark-Ranking, twittert zwar über neue Jobangebote, verzichtet aber auf einen Auftritt bei Facebook, das »kumpelhafte« dort passe nach Angaben einer Unternehmenssprecherin nicht zur seriösen Arbeitsweise des Stahlriesen. Dialog findet statt, aber nur über die eigene Website.