Neuerscheinung »Die Personalfalle« »Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen«

Prof. Dr. Jörg Knoblauch: »Exzellente Mitarbeiter sind wichtiger als die beste Strategie. Denn A-Mitarbeiter sind Mit-Unternehmer und ›können Strategie‹, wenn man sich vorher auf ein Ziel einigt!«

Als überzeugter Fan von General-Electrics-Veteran Jack Welch (»Von Low Performern muss man sich trennen«) hat der Unternehmer und ehemalige Dozent für Personalmanagement an der Universität St. Gallen, Prof. Dr. Jörg Knoblauch, das Buch »Die Personalfalle« geschrieben. Sein Fazit: Es kommt Unternehmen teuer zu stehen, sich gerade in schlechten Zeiten mit C-Mitarbeitern (= Low Performer) statt A-Angestellten (= Mit-Unternehmer) zu begnügen. Doch wie bekommt man die?

Die Karriereberaterin Svenja Hofert ließ sich kürzlich in Spiegel Online mit den Worten zitieren »Lieber die Uschi aus Herne als die Ulrike aus Harvard«. Sie umschrieb damit einen angeblichen Trend, wonach mittelständische Unternehmen lieber mittelmäßige Bewerber einstellen würden als Überflieger. Angeblich würden im Mittelstand die internationalen Lebensläufe von modernen Jungakademikern wenig geschätzt, vielleicht, weil solche Top-Kandidaten ohnehin nicht lange »sesshaft« bleiben würden. Hofert behauptet, dass sehr gut qualifizierte Bewerber derzeit oft mehr Absagen kassieren als mittelgute.

»Ich bin jedes Mal überrascht und entsetzt, wenn ein Unternehmen ganz bewusst einen B-Mitarbeiter sucht.«, sagt Jörg Knoblauch. »Die Definition für A-B-C ist ganz einfach: Der A zieht den Karren, der B geht neben her und der C setzt sich oben drauf und lässt sich ziehen. Es ist doch völlig klar, dass ein Mitarbeiter, der Ziele nicht nur liebt, sondern sie auch erreicht und übertrifft, der die Tore für seinen Chef schießt und der mit ganzer Begeisterung und Herzblut die Kunden täglich verblüfft, erste Wahl ist. Ein solcher Mitarbeiter, ganz egal, was Sie ihm bezahlen, ist nie überbezahlt. Dass in manchen Firmen an einem und demselben Tag viele Mitarbeiter den »blauen Brief« bekommen und andere durch Halteprämien zum Bleiben im Unternehmen überzeugt werden, zeigt wie sehr Talentmanagement bei großen Firmen geschätzt wird. Umso erstaunlicher, dass viele mittlere und kleine Firmen den B-Mitarbeiter bevorzugen, der angeblich so verlässlich ist, aber letztlich sehr oft nur ein »Nine-to-Fiver« ist (kommt um 9:00 Uhr geht um 17:00 Uhr).«

Tun die Firmen das wirklich, den B-Kandidaten bevorzugen? Gespräche mit Personalberatern aus der Elektronikbranche ergeben viel mehr, dass eine ausgeschriebene Stelle viel eher unbesetzt bleibt, als dass Personaler bereit sind, bei der Kandidatenqualifikation Abstriche zu machen. »120 Prozent Passgenauigkeit, und sofort einsetzbar«, so lautet das gewünschte Profil.

Der VDI meldet derzeit eine Ingenieurlücke von 26.200 Personen. Für den Februar 2010 hat er 52.500 offene Ingenieurstellen errechnet. Viel wahrscheinlicher scheint es demnach, dass in bestimmten Bereichen für hochqualifizierte Ingenieure der Nachwuchs schlicht so knapp ist, dass Personalverantwortliche – gemessen an ihren Ansprüchen -  nur eine sehr beschränkte Auswahlmöglichkeit haben.

Umso mehr propagiert Knoblauch, alles dafür zu tun, um nur A-Kräfte einzustellen und zu beschäftigen. Hier lägen die großen Marken wie Siemens, Google oder Apple durch ihr Image als Arbeitgeber im Vorteil. Schlimmer dran sind laut Knoblauch die »unsichtbaren Unternehmen« - »No-name«-Firmen ohne größere Bekanntheit und »Strahlkraft« auf dem Arbeitsmarkt. »Solche gibt es zu Tausenden«. Dass sich auf die Stellenanzeigen von solchen mittelständischen Unternehmen fast nur C-Mitarbeiter meldeten, liege keinesfalls nur am Fachkräftemangel – sondern an einem uneffektiven bzw. nicht vorhandenem Bewerbungs- und Einstellungsprozess.  

»Zu mir kommen doch nur C-Mitarbeiter« und »Wir nehmen jeden, der zwei Hände hat« - diese Haltung sei fatal und komme ein Unternehmen teuer zu stehen, sagt Knoblauch. Wer dagegen neun von zehn Stellen richtig besetzen könne, habe das Zeug zum Marktführer. Deswegen hält Knoblauch auch Talentmanagement für so wichtig, gerade für vermeintlich »unattraktive« Branchen oder unbekannte Unternehmen.

Knoblauch schreibt eindringlich, dass »nur die besten Mitarbeiter für den jeweiligen Job (…) ein Garant für das dauerhafte Überleben eines Unternehmens sein kann« und »unfähige Mitarbeiter Ihre Firma ruinieren«.

Die erste Hälfte des Buches rechtfertigt die Klassifikation in A, B- und C-Mitarbeiter. Warum Knoblauch es als Christ nicht unmenschlich findet, sich von C-Mitarbeitern zu trennen, warum C-Mitarbeiter Unternehmenskulturen zerstören (»Sie vertreiben A-Mitarbeiter«, »A-Mitarbeiter müssen Fehler ihrer B- und C-Kollegen ausbügeln«), etc.