„Tausche Reihenmittelhaus gegen romantischen Bauernhof mit Reetdach“ Schöner Leben

Welcher Auswärtige kann schon auf Anhieb sagen, wo Gütersloh genau liegt. Dabei misst sich die Region um den Stammsitz von Bertelsmann und Miele mit europäischen Spitzenclustern in Maschinenbau und Automatisierungstechnik und bietet neben reizvoller Landschaft und Kunst&Kultur auch bezahlbaren Wohnraum. Trümpfe, mit denen Ostwestfalen-Lippe um Fachkräfte ringt, die eigentlich München oder Hamburg auf dem Radar haben.

Susanne Meierhenrich arbeitet in München für die Robert-Bosch-Stiftung. Aufgewachsen ist sie in Hüllhorst, Kreis Minden-Lübbecke. Gefragt, was ihr am besten gefällt an Ihrer Heimat, lächelt sie zuerst ein wenig zweifelnd, als verstehe sie die Ernsthaftigkeit der Frage nicht. Sparsam und bodenständig sei man da, überlegt sie, gut situierter Mittelstand, gepflegte Gärten, Natur pur, heile Welt. Und Platz ohne Ende, also eher ideal für Landmenschen und Familien. Und einsam - ohne Auto sei man da verloren. Obwohl das Kulturangebot z.B. in Detmold, Bielefeld oder auch Herford wirklich nicht zu verachten sei. "Toll sind auch die vielen alten, restaurierten Mühlen in der Umgebung, die man per Rad erkunden und wo man über weite Kornfelder blickend die Seele baumeln lassen kann. Im Sommer locken dort zahlreiche Mühlenfeste mit frisch gebackenem Kuchen und Brot." Zum Kaffee isst man Lippischen Pickert, einen Hefereibekuchen mit Leberwurst und obendrauf Rübenkraut, eine typisch lippische Spezialität. Und die vielen schönen alten Fachwerkhäuser, die man dort praktisch nachgeschmissen bekäme. Einen Bungalow mit 1000 Quadratmeter Grund – ja, das könne man sich in Lippe auch als Durchschnittsverdiener leisten.  

Für Auswärtige ist Rübenkraut mit Leberwurst wenig vorstellbar -  typisch für Ostwestfalen-Lippe, das ebenfalls eher auf den zweiten Blick punktet. Mit gut 6500 Quadratkilometern ist die Region zwar nur etwas größer als ein gutes Drittel von Oberbayern, aber mit soviel Marken gesegnet wie kaum eine  andere deutsche Region: der Musicboxen-Produzent Wurlitzer, der einst die legendäre Wurlitzer Orgel baute, Miele, Dr. Oetker, Bertelsmann, Claas, Gildemeister, Melitta, Storck, Gerry Weber und Poggenpohl haben hier ihren Sitz. Über zwei Millionen Menschen leben in Ostwestfalen-Lippe, das sich aus den sechs Kreisen Gütersloh, Herford, Höxter, Minden-Lübbecke, Lippe und Paderborn und der kreisfreien Stadt Bielefeld zusammensetzt. Mit knapp 230.000 Industriearbeitsplätzen ist die mittelständisch geprägte Region einer der wichtigsten und größten Industriestandorte in Nordrhein-Westfalen. Viele Mittelständler sind „Hidden Champions“ auf Ihrem Gebiet, so zum Beispiel in der Industrieelektronik: Mit ihrer Verbindungstechnik setzen Beckhoff, Harting, KEB, Lenze, Phoenix Contact, Wago und Weidmüller Weltstandards und halten einen Weltmarktanteil von 75  Prozent. Insgesamt sind es über 400 Unternehmen, die im Bereich Maschinenbau, Elektro- und Elektronikindustrie und Automobilzulieferer Arbeitsplätze für rund 80.000 Beschäftigte stellen und einen Jahresumsatz von 16,5 Mrd. Euro erwirtschaften.  Damit gehört die Region zu den wirtschaftsstärksten Standorten in Europa.

 

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Einst zählte die Tabakindustrie – Dannemann ist noch heute ein Begriff - rund um Minden sowie Leinenweber zu den größten Arbeitgebern, heute sind nur noch wenige davon erhalten. Aus der Textilindustrie sind Modemarken wie Gerry Weber hervorgegangen.

Musste man früher nach Köln, Münster oder Hamburg zum Studieren, bieten heute 13 Hochschulen mit Bielefeld und Paderborn an der Spitze und knapp 2.200 Professoren und Dozenten rund 50.000 Studenten Studium und Forschung an, vieles davon auf Spitzenniveau. In Bielefeld entsteht ein neuer Campus, in Lemgo und Paderborn wachsen neue Forschungszentren. Besonders stark ausgeprägt ist die Fähigkeit zum Netzwerken, vielleicht auch wegen der traditionell hohen Verbundenheit mit der Region.  So erreichte der Zusammenschluss aus Unternehmen, Verbänden und Forschung „it’s OWL _ Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe“ beim Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums die Finalrunde der letzten 11.  Das Netzwerk, zu dem Projekte mit einem Umfang von mehr als 100 Millionen Euro gehören, wurde gegründet, um die Region als Hightech-Standort weiter voran zu bringen. Zahleiche Unternehmen aus Maschinenbau, Elektrotechnik, Automatisierung, Kfz-Zulieferung und IT bringen Projekte ein, die sie gemeinsam mit den Hochschulen und Forschungszentren in Bielefeld, Paderborn und Lemgo umsetzen wollen. Die Bandbreite reicht von mitdenkenden Haushaltsgeräten über selbstständig lernende Maschinen bis zu Fahrzeugen, die ihre Umgebung analysieren. „Der bisherige Erfolg zeigt, dass die Region zu den führenden Technologiestandorten in Deutschland gehört. Nun müssen wir alles daran setzen und uns in der Finalrunde durchsetzen“, erklärte Herbert Sommer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OWL Marketing GmbH, angesichts des Zwischenergebnisses. Im Januar 2012 entscheidet eine unabhängige Jury, welche fünf Cluster jeweils 40 Millionen Euro Fördermittel bekommen sollen.

Landschaftlich ist die Region um den Naturpark Teutoburger Wald und Eggegebirge reizvoll. In unberührter Natur, reich an Heilquellen (Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen), leben Heidschnucken und seltene Vogelarten, finden sich mäandernde Flüsse, Buchenwälder und malerische alte Windmühlen. Wandern und Rad fahren gehört zu den Haupt-Freizeitbeschäftigungen, auch Jagen, Reiten oder Fischen ist verbreitet. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehört das berühmte Hermannsdenkmal, alte Burgen und Klöster oder die sagenhaften Externsteine. Letztere sind eine monumentale, 70 Millionen Jahre alte Felsengruppe nahe Horn-Bad Meinberg, um die sich viele ungeklärte Mythen ranken. Nutzten Heiden den Ort einst als Kultstätte? Oder beteten dort Christen? Handelt es sich gar um eine uralte Sternwarte? Die bizarren Felsnadeln entstanden, so viel ist sicher, als sich durch Verschiebungen der Erdkruste der ursprünglich flache Sandstein senkrecht aufstellte, verwitterte und abtrug. Besucher können die von einem Park umgebenen Externsteine über Treppen und Brücken besteigen. Esoteriker wollen eine ungewöhnlich intensive Erdstrahlung fühlen, manche feiern dort Sommersonnwende oder Walpurgisnacht.
Wer immer mal schon den Traum hatte, in einem alten Fachwerk-Bauernhof zu wohnen – hier kann man ihn bezahlen. Inmitten von Wiesen und Feldern, mit Blick auf die bewaldeten Hänge des Wiehengebirges in Preußisch-Oldendorf, nicht weit vom Harting-Stammsitz Espelkamp, liegt zum Beispiel so ein großzügiges, gut erhaltenes Exemplar, am Rande eines kleinen Dorfes gelegen. Vor dem renovierten Haupthaus steht eine riesige, schattenspendende Linde. Innen finden sich eine romantische weiße Einbauküche, weiße gepflegte Bäder und großzügige, rustikale Räume. Dazu kommen Fahrzeugremise, eine 3-er Garagenanlage sowie eine Holzscheune. Nach Minden, Bielefeld oder Osnabrück ist es nicht weit. Der Preis: 350.000 Euro. Dafür gibt es im Landkreis München ein Reihenmittelhaus. Mehr Infos unter www.talente-zuhause.de, www.ostwestfalen-Lippe.de und www.teutoburgerwald.de, Bauernhäuser kann man unter www.owl-agrarimmobilien.de anschauen.