Arbeitgeber-Bewertungsplattformen Schlechte Bewertungen vergraulen Bewerber

Mehr als jeder dritte Internetnutzer aus dieser Altersgruppe (35 Prozent) hat schon einmal bei kununu.com, meinchef.de oder ähnlichen Angeboten vorbeigeschaut.
Mehr als jeder dritte Internetnutzer aus dieser Altersgruppe (35 Prozent) hat schon einmal bei kununu.com, meinchef.de oder ähnlichen Angeboten vorbeigeschaut.

Da nützt die schönste Hochglanz-Broschüre nichts: gepostete schlechte Erfahrungen mit Arbeitgebern schrecken potenzielle Bewerber ab. Mehr als jeder dritte Internetnutzer zwischen 30 und 49 hat schon einmal bei kununu.com, meinchef.de oder ähnlichen Angeboten vorbeigesurft. Das zwingt Unternehmen zum Dialog.

"Die Atmosphäre des Bewerbungsgesprächs war von Anfang an eisig. Ich fühlte mich 60 min lang wie bei einem Verhör und war ständig in die Postition gedrängt mich zu verteidigen. Ich hatte auch woanders Stressinterviews erlebt, aber keines war dermaßen frostig. Ein auflockernder Witz oder ein Lächeln, wie ich es schon woanders erlebt habe, scheint in dieser Firma eher unüblich zu sein"

Das schrieb ein Bewerber auf kununu.com über seine Erfahrungen bei einem Elektronikunternehmen aus Bayern. Wer hat schon Lust, sich in solch einer Firma zu bewerben? Offizielle Antworten aus der kritisierten Firma gab es dazu nicht.

Da sind andere Firmen schon weiter: Rohde&Schwarz etwa kommentiert die kritischen Äußerungen der Nutzer in offiziellen Stellungnahmen, die alle Nutzer lesen können - und zeigt dadurch Transparenz. Auch Phoenix Contact kommentiert Kritik und lädt zum Dialog.

Nach Auskunft von Tamara Frast, Pressesprecherin von Kununu, nutzen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit, mit einer kostenlosen Stellungnahme auf Bewertungen zu reagieren. "Bei positiven Bewertungen bedanken sich die Unternehmen, bei kritischen Bewertungen nehmen die Firmen Stellung zu den angesprochenen Punkten. Die Firmen profitieren dadurch enorm: Zum einen nehmen sie kritischen Bewertungen "den Wind aus den Segeln", des weiteren sprechen sie den Mitarbeitern, die eine Bewertung abgegeben haben, dadurch eine Wertschätzung aus. Zusätzlicher Nebeneffekt: Die Unternehmen können sich gegenüber den zahlreichen Usern als offener Arbeitgeber profilieren, der zu Themen Stellung bezieht."

Jeder vierte Internetnutzer (26 Prozent) gibt an, sich im Netz schon einmal über Bewertungen von Firmen als Arbeitgeber informiert zu haben. Das hat eine repräsentative Umfrage des BITKOM ergeben.  Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) von denen, die dabei tatsächlich die Absicht hatten, den Job zu wechseln, haben sich durch diese Bewertung in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen, teilt der Verband BITKOM auf Grundlage der repräsentativen Umfrage mit.

Die Mehrheit der Jobsucher (60 Prozent) wurde durch die Bewertungen in ihrer Entscheidung für den neuen Arbeitgeber bestärkt. 40 Prozent geben an, sich aufgrund der Bewertungen gegen einen Jobwechsel entschieden zu haben. „Produkte von Unternehmen, aber auch die Unternehmen selbst sind längst Gegenstand des Erfahrungsaustausches im Netz“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. „Unternehmen, die ein gutes Arbeitsumfeld bieten, profitieren davon, dass sie im Web empfohlen werden. Es reicht nicht mehr aus, auf der eigenen Homepage um Mitarbeiter zu werben.“

Am häufigsten nutzen die 30- bis 49-Jährigen die Bewertungsplattformen für Arbeitgeber. Mehr als jeder dritte Internetnutzer aus dieser Altersgruppe (35 Prozent) hat schon einmal bei kununu.com, meinchef.de oder ähnlichen Angeboten vorbeigeschaut. Männer und Frauen nutzen das Angebot dabei gleichermaßen. Deutlich seltener wird allerdings die Möglichkeit genutzt, seinen eigenen Arbeitgeber im Netz zu bewerten.

Nur rund jeder achte Internetnutzer (13 Prozent) hat bereits einmal selbst ein Urteil abgegeben. Auch hier sind die 30- bis 49-Jährigen am aktivsten. Fast jeder Fünfte aus dieser Altersgruppe (19 Prozent) hat ein Unternehmen, in dem er beschäftigt war oder ist, benotet.

Im Auftrag des BITKOM hat das Meinungsforschungsinstitut ARIS 778 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.