Jobwechsel Sauberer Schnitt

Es hätte leicht schlief gehen können: Wie Vertriebsingenieur Stephan Schneider die Stelle wechselte, lässt sich nicht als ideal bezeichnen. Der Fall aus Sachsen zeigt, worauf Jobwechsler beim Abgang achten sollten.

Der heute 57-Jährige Vertriebsingenieur Stephan Schneider hat "vor vielen Jahren meinen Lebenslauf in einer Wirtschaftszeitung gelesen", wie er sagt. Ein Verpackungsunternehmen suchte in einer Stellenanzeige einen Geschäftsführer, der internationale Vertriebs-Erfahrungen gesammelt hat, Englisch und Französisch spricht und Branchenkenntnisse vorweisen kann. Schneider arbeitete damals bei Hoechst im Saarland und wollte seinen Hut in den Ring werfen.

Alles passte und er wurde zu zwei Vorstellungsgesprächen nach Sachsen eingeladen. Am Vormittag eines 30. Juni klingelte dann Schneiders Telefon. Einer der Beiräte war dran. Und erklärte ihm mit hanseatischer Stimme, man habe sich für ihn entschieden und könne sich vorstellen, neun Monate auf ihn zu warten. Denn Schneiders Kündigunsfrist betrug damals ein Dreivierteljahr. Allerdings: "Zwölf Monate warten wollten die Herren damals nicht", erinnert sich Schneider. So war er gezwungen, noch am selben Tag seinen Job als Gebietsverkaufsleiter Südeuropa zu kündigen, um die Chance auf den Geschäftsführerposten zu wahren. Und das ohne einen schriftlichen Vertrag vorliegen zu haben.

Denn auf den Firmenanschluss wollte sich Schneider ein Fax verständlicherweise nicht schicken lassen. "Das Gerät speichert die Daten und die sind auslesbar, das wolle ich nicht", erzählt er von seiner schwierigen Situation. Allerdings versprach der Hanseate, ihm den Vertrag noch am selben Tag mit der Post zu senden. Der damals 40-Jährige sagte sich damals: "Wenn ich dem Beirat, meinem künftigen Aufsichtsorgan, schon jetzt nicht traue, kann ich unmöglich dort als Geschäftsführer arbeiten." Eine Stunde später reichte er seine Kündigung ein.

"So ein Verhalten ist, formal betrachtet, unklug", urteilt Anna Pietrus. Die Personalchefin von Skillsoft, einem global agierenden Unternehmen für digitales Lernen mit Europa-Sitz in Düsseldorf, kann aber Schneiders Entscheidung nachvollziehen. Dennoch betont die HR-Expertin: "Wer seinen Job ohne Arbeitsvertrag in der Tasche kündigt, handelt schlichtweg fahrlässig." Zwar könne in der Regel auf mündliche Zusagen der Unternehmen vertraut werden. Doch auch bei strukturierten Konzernen passieren Fehler und seien es Formalien, wie das Vergessen der Informationspflicht des Betriebsrats. Wer dann auf einmal ohne Job da steht, trage die Schuld selbst, sagt Pietrus.