Besondere Fähigkeiten SAP will Hunderte Autisten einstellen

Im Inneren des SAP Headquarters in Walldorf. Schon bald sollen hier uns in anderen Niederlassungen Menschen mit Autismus arbeiten.
Im Inneren des SAP Headquarters in Walldorf. Schon bald sollen hier uns in anderen Niederlassungen Menschen mit Autismus arbeiten.

SAP will künftig weltweit Menschen mit Autismus als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung beschäftigen. Bis 2020 sollen ein Prozent der SAP-Belegschaft Menschen mit Autismus sein.

Schätzungen zufolge ist rund ein Prozent der Weltbevölkerung von Autismus betroffen. Laut dem Verein Autismus Deutschland e.V. sind sechs bis sieben Menschen pro tausend Einwohner von der Störung betroffen.  Von der tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die sich in schweren und leichteren Formen äußert, sind häufiger Männer betroffen als Frauen.

Menschen mit der sozialen Kontaktstörung Asperger-Syndrom, einer milden Form von Autismus, haben zwar große Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu kommunizieren, sich einzufühlen oder gar im Team zu arbeiten. Dafür können sie sich besonders gut konzentrieren, erfassen auch Details penibel und genau, ohne dabei zu ermüden und sind oft überdurchschnittlich intelligent  - all das macht sie für IT-Firmen interessant.

Als einer der ersten hat nun SAP angekündigt, bis 2020 ein Prozent der Belegschaft mit Menschen mit Autismus zu besetzen.

Das Unternehmen Specialisterne soll SAP bei der Besetzung unterstützen. Die Firma ist auf die Besetzung von technologieorientierten Arbeitsplätzen mit Menschen mit Autismus spezialisiert, beispielsweise im Bereich Software-Testing, Programmieren und Datenmanagement. Das Unternehmen wurde in Dänemark gegründet. Mittlerweile ist Specialisterne weltweit tätig.

 „Wir freuen uns, SAP den weltweiten Zugriff auf einen großen Pool von Talenten zu ermöglichen, und das Unternehmen so dabei zu unterstützen, seine führende Position im Bereich Innovation weiter zu stärken. SAP ist der erste Partner, der weltweit mit uns zusammenarbeitet. Diese Partnerschaft macht SAP zu einem Thought Leader und wird andere Unternehmen aus der Branche motivieren, dem Beispiel zu folgen“, sagt Thorkil Sonne, Gründer von Specialisterne und Vorstandsvorsitzender der Specialist People Foundation.

Der weltweiten Zusammenarbeit von Specialisterne gingen erfolgreiche Pilotprojekte in Indien und Irland voraus. In lokaler Zusammenarbeit mit Specialisterne stellte SAP Labs India sechs Mitarbeiter mit Autismus als Softwaretester für Anwendungen der SAP Business Suite ein. Seitdem habe das Team seine Produktivität und seinen Zusammenhalt verbessert, so SAP. Im Rahmen des Pilotprojekts in Irland wird gerade die Auswahlphase für fünf Positionen abgeschlossen, die noch in diesem Jahr besetzt werden sollen. Nun führt SAP das Programm weltweit ein. Begonnen wird dieses Jahr in den USA, Kanada und Deutschland.

Specialisterne kommt von der dänischen Bedeutung „Die Spezialisten“ und wurde 2004 von Thorkil Sonne in Dänemark gegründet. Das Unternehmen nutzt und vermarktet die Fähigkeiten von Menschen im Autismus-Spektrum oder mit ähnlichen Beeinträchtigungen als Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Ein Großteil der weltweit bei Specialisterne Beschäftigten sind Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Sie arbeiten als IT-Consultants in der freien Wirtschaft und sind mit Aufgaben wie IT-Management, Revision, Logistik und Datenerfassung betraut.

Was haben autistische Menschen normalen Arbeitnehmern voraus? Ein Interview mit Dirk Müller Remus, Geschäftsführer der Firma „Auticon und Vater von vier Kindern, eines davon mit Asperger-Syndrom, lesen Sie im nächsten karriere-ing.de-Newsletter am 28. Mai.