Auszeit - aber richtig Sabbatical ohne Karriereknick

Dr. Christian Göttsch, Geschäftsführer des Karrieredienstes Experteer

Sinnfindung, Weiterbildung oder das Engagement für eine gute Sache – für eine Auszeit gibt es viele gute Gründe. Welcher auch immer den Ausschlag geben mag – die Entscheidung will gut überlegt sein. Strategisch geplant, kann ein Sabbatical sogar zum Baustein der Karriere werden.

In einer Welt, die von Hektik und Rastlosigkeit geprägt ist, sehnt sich jeder dann und wann einmal nach Ruhe. Endlose Zeit. Zeit – wofür eigentlich? Wer »Sabbatical« sagt, denkt oft an »Weltreise«. Einmal um die ganze Welt – mit dem Segelboot, mit dem Autobus, zu Fuß. Was die Liebhaber von Nobelherbergen und Backpacker in dem Moment verbindet, ist der Wunsch, einfach mal auszusteigen und etwas anderes, zunächst vielleicht schlicht und einfach – nichts – zu tun. Aber nicht für immer. Nur für eine gewisse Zeit.

Damit die Auszeit nicht ins endgültige Aus führt, sollte ein Sabbatical gut geplant sein. Neben den Grundvoraussetzungen sollte auch an das Danach gedacht werden. Was passiert, wenn ich wieder da bin? Was in der Zeit, in der ich »dann mal weg« bin? Kann der Arbeitnehmer nahtlos an seine bisherige Tätigkeit anknüpfen, muss er nach seiner Rückkehr wechseln, oder droht gar ein Karriereknick?

»Zur Zeit werden Sabbaticals tatsächlich weniger angeboten«, stellt Dr. Christian Göttsch, Geschäftsführer des Karrieredienstes Experteer, fest. Der in München ansässige Personalexperte bezeichnet Sabbaticals gar als »zweischneidiges Schwert«: »Auf der einen Seite kann sich während einer besonders langen Auszeit die Organisation innerhalb des Unternehmens ändern, und der Arbeitnehmer findet eventuell nicht mehr den passenden Job vor. Auf der anderen Seite kann er sich selbst in dieser Auszeit emotional stark vom Unternehmen entfernen und findet eventuell nicht mehr zurück.«

Arbeitsplatzverlust auf der Arbeitnehmerseite, »Humankapitalverlust«, wie es Dr. Göttsch nennt, auf Arbeitgeberseite – so ein Ausstieg auf Zeit ist durchaus mit einem gewissen Risiko verbunden. Gerade in der aktuellen Weltwirtschaftslage überlegt sich ein Festangestellter zweimal, ob er sich freiwillig substituierbar, gar als Manövriermasse in der Human-Resources-Planung, zeigen soll.