Technologie-Beratung und Engineering Services Rückläufige Marktentwicklung

Nach mehreren Boomjahren erwarten die führenden Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland in diesem Jahr erstmals eine rückläufige Marktentwicklung.

Dies zeigt die aktuelle Studie »Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland«, die das in Kaufbeuren ansässige Marktforschungsunternehmen Lünendonk jährlich erstellt.

Die Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland rechnen für 2009 mit einem Rückgang von durchschnittlich 6,2 Prozent. Im Jahr 2008 konnten die Top 25 der Branche ihren Umsatz im Schnitt noch um 9,3 Prozent steigern und insgesamt einen Umsatz in Höhe von 3,7 Mrd. Euro auf sich vereinen.

Gleichwohl sehen die Anbieter den Markteinbruch durch die Wirtschaftskrise nicht als dauerhaften Einbruch; für den Fünfjahres-Zeitraum 2009 bis 2014 rechnen sie mit einem durchschnittlichen Marktwachstum von über 9 Prozent. Das schwierige Jahr 2010 wurde dabei allerdings ausgeklammert.

»Insbesondere für die Automotive-Industrie, der als wichtigstem Auftraggeber eine besondere Bedeutung zukommt, bedeutet der Spagat zwischen notwendigen Kostensenkungen und hohem Innovationsdruck eine echte Zerreißprobe«, beschreibt Hartmut Lürßen, Partner von Lünendonk, die aktuelle Situation. »Der Nachholbedarf der deutschen Automobilhersteller ist jedoch weiterhin groß, vor allem bei neuen und umweltschonenden Antriebskonzepten«, so Lürßen weiter. Eine ähnliche Tendenz sei auch bei den Bereichen Elektrik und Elektronik im Automobil zu erkennen.

Die Zusammenarbeit mit den Kundenunternehmen erfolgt meist auf Projektbasis: Mehr als zwei Drittel des Umsatzes erzielen die 25 führenden Anbieterunternehmen mit Werks- oder Dienstverträgen, wobei beim Dienstvertrag Zeit bzw. Aufwand und beim Werksvertrag Ergebnisse abgerechnet werden. Der steigende Anteil der Werksverträge gegenüber Dienstverträgen einerseits und die Zunahme des Arbeitnehmerlassungs-Geschäfts (28,2 Prozent des Umsatzes) andererseits deuten Lürßen zufolge darauf hin, dass Kunden zum einen mehr Projekte im eigenen Haus durchführen und zum anderen von den strategischen System-Dienstleistern Kostensicherheit durch Ergebnislieferung verlangen.

Aufspreizung des Anbieter-Markts nimmt zu

Der Trend zu strategischen System-Dienstleistern, die – ähnlich wie die System-Lieferanten in der Automotive-Industrie – mehr und mehr Verantwortung für die Produkt-Innovation übernehmen, zeichnete sich bereits in den vergangenen Jahren ab. In der Krise scheint die Aufspreizung des Anbieter-Markts zuzunehmen: Während die System-Dienstleister zunehmend Verantwortung und unternehmerisches Risiko im Produktlebenszyklus übernehmen, werden Anbieter, die überwiegend mit Arbeitnehmerüberlassung oder Dienstverträgen arbeiten, tendenziell in die Rolle der Flexibilitäts-Dienstleister gedrängt.

Trotz der derzeitigen Einbrüche sehen die Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services weiterhin einen Fachkräftemangel, besonders bei Ingenieuren, auch wenn es kurzfristig aufgrund von Insolvenzen durchaus zu Problemen kommen könnte. Hier sehen sich die Service-Anbieter als Arbeitgeber im Vorteil, da sie industrieweit kompensieren können.

»Wenn wir einen Entwicklungsauftrag aus dem Bereich Automotive verlieren, können wir die betroffenen Mitarbeiter beispielsweise in den Bereichen Aviation oder Energie einsetzen«, erläutert René Esser, Managing Director von IndustrieHansa Consulting & Engineering. IndustrieHansa beschäftigt in Deutschland 820 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2008 bei 72 Mio. Euro. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Airbus, BMW, MAN, Daimler etc. Als weiteren Pluspunkt für IndustrieHansa nennt Esser die eigene Business Akademie (IBA), in der eigene, aber auch Mitarbeiter der Kunden weitergebildet werden.

Inhaltliche Schwerpunkte des Weiterbildungsangebots liegen in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, persönliche Kommunikation & Auftreten, Projektmanagement und Managementkompetenz, aber auch ein berufsbegleitendes Studium zum Master of Business Administration (MBA) ist möglich. Sogenannte »Freetime« eines Mitarbeiters wird daher gerne zur Weiterbildung genutzt.

Vorteile für Berufsanfänger bei einem Entwicklungs-Dienstleister

Ähnlich sieht es auch Robert Viefers, Director Marketing & Communication von Yacht Teccon engineering. Natürlich müssten auch sie Kosten senken, aber: »Unsere Leute sind unser Kapital. Daher ist das das Letzte, wo wir sparen!« Auch Yacht Teccon verfügt über eine eigene Akademie, in der schon zum Einstieg für jeden neuen Mitarbeiter »Newcomer«-Seminare angeboten werden. Viefers sieht besonders für Berufsanfänger, die noch nicht wirklich wissen, auf welchen Gebieten ihre Neigungen liegen, Vorteile bei einem Entwicklungs-Dienstleister: »Ein junger Ingenieur kann bei uns auf verschiedenen Gebieten Erfahrungen sammeln und dann entscheiden, ob er beispielsweise lieber in der Technik oder lieber im Vertrieb tätig sein möchte, beides ist bei uns möglich.«

Bei einem Service-Anbieter sind seiner Meinung nach die Karriere-Chancen größer, weil die Leistung transparenter ist als in einer Festanstellung im Unternehmen – mit allen Konsequenzen (auch Minderleistungen werden schneller erkannt). Und sofern es bei den Gehaltshöhen noch Unterschiede gäbe, würden sie zunehmend kleiner. Yacht Teccon beschäftigt in Deutschland derzeit 2000 Mitarbeiter, auf der Webseite des Unternehmens sind 103 offene Stellen gelistet.

Im Großen und Ganzen blicken die Anbieter von Engineering-Services positiv in die Zukunft. Sie stellen sich auf für die Zeit nach der Krise und hoffen, dass sie dank des in guten Zeiten erwirtschafteten Cashflows die schwierige Zeit überbrücken werden. »Bisher war nach jedem Einbruch die darauf folgende Steigerung des Umsatzes größer als die Steigerung zuvor, schon aufgrund des Nachholbedarfs der Unternehmen«, glaubt Esser.

Die Art der Marktentwicklung wird sich verändern

Gleichwohl sind die Unternehmen überzeugt, dass sich der Markt verändern wird. Der Kostendruck werde dazu führen, dass sich die Art der Entwicklung verändern werde, vor allem die Nutzung von Nearshore-/Offshore-Kapazitäten werde an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Mittelständler seien daran interessiert, berichtet beispielsweise Ciwan Gouma, Director Sales bei Tieto Deutschland. Tieto gehört mit 16 000 Experten zu den größten Dienstleistern Europas, in Deutschland beschäftigt das Unternehmen 1226 Mitarbeiter.

Bisher sei Nearshore- bzw. Offshore-Entwicklung eher ein Thema für Großunternehmen gewesen. Und das wiederum habe Konsequenten an das Anforderungsprofil künftiger Ingenieure: Ingenieure mit einer zu starken Spezialisierung werden ihrer Meinung nach zunehmend schlechte Karten haben. Gefragt seien dann in noch stärkerem Ausmaß als bisher Fähigkeiten wie beispielsweise Systemdenken oder internationales Projektmanagement.

Die aktuelle Lünendonk-Liste »Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services in Deutschland«