Die Zukunft? Recruiting per Smartphone

Ist Recruiting per Smartphone oder Tablet ein Trend, mit dem man rechnen muss? Ja, und damit kommt viel Arbeit auf Personaler zu. Wir haben dazu drei einschlägige Experten befragt.
Ist Recruiting per Smartphone ein Trend, mit dem man rechnen muss? Ja, und damit kommt viel Arbeit auf Personaler zu. Wir haben dazu drei einschlägige Experten befragt.

Ist Recruiting per Smartphone ein Trend, mit dem man rechnen sollte? Ja, meinen einschlägige Experten. Denn die Zielgruppe lebt und arbeitet mobil. Damit kommt viel Arbeit auf Personaler zu.

Helge Weinberg ist Berater für Personalkommunikation aus Hamburg, Bernhard Rauscher Geschäftsführer der Personalmarketing-Agentur Personalwerk. Peer Bieber leitet als geschäftsführender Gesellschafter die TalentFrogs GmbH aus Köln.

Meine Herren, manche Unternehmen haben noch nicht mal eine Facebook-Seite. Und nun das Ganze gleich noch optimiert für mobile Endgeräte? Muss man da mitmachen?

Helge Weinberg: Wenn die wichtigste Zielgruppe der Unternehmen mobil auf Jobsuche ist, dann müssen sich diese darauf einstellen. Von einer „Mobile-First-Strategie“ sind wir aber noch weit entfernt. Studien ergeben seit Jahren das gleiche Bild: Das Interesse an Mobile Recruiting ist hoch, die konkreten Einsatzabsichten hingegen deutlich geringer. Dieses Bild zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA.

Hier könnte Google Veränderungen in den Unternehmen beschleunigen. Karriere-Webseiten, die nicht mobil optimiert sind, werden in absehbarer Zeit im Google-Ranking nach unten rutschen.
Social Recruiting ist in vielen Unternehmen angekommen. Vor allem die Social Media Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn werden rege durch Recruiter genutzt.

Bevorzugte Recruiting-Kanäle sind aber nach wie vor nicht die sozialen Netzwerke, sondern Jobbörsen und die Karriere-Webseiten der Unternehmen. Auftritte auf Netzwerken wie Facebook sehe ich nicht vorrangig unter Recruiting-Gesichtspunkten, sondern eher als Bestandteil des Employer Brandings, des Aufbaus eines Arbeitgeber-Images.

In Zukunft geht es darum, die Recruiting-Kanäle mobil abzubilden.

Was unterscheidet Mobile Recruiting vom Social Recruiting?

Helge Weinberg: Social Recruiting bedeutet, sich als Personaler auf die Bewerber einzustellen, mit ihnen zu kommunizieren, für das Unternehmen zu interessieren - und sie zu rekrutieren. Personaler müssen PR- und Vertriebsqualitäten entwickeln, was ihnen bisher fern lag. Eine solche Herausforderung hatte HR noch nie meistern müssen. HR kann sich ihr auch nicht entziehen, denn hier spielt der Megatrend „Demografischer Wandel“ den Bewerbern in die Hände.

Mobile Recruiting, wenn es denn konsequent eingeführt wird im Unternehmen, gibt dieser Entwicklung noch einmal zusätzlichen Schub. Es soll die wesentlichen Prozessschritte des Recruitings auf mobile Endgeräte übertragen, konsequenterweise also auch die Bewerbung per Smartphone ermöglichen. Dieser Schritt ist bisher in der Welt der Personaler umstritten, wird aber die Zukunft sein.

Es wird zurzeit viel über die „mobile Sackgasse“ diskutiert, in die Unternehmen ihre Bewerber im Mobile Recruiting führen. Informationen werden nicht für die mobile Nutzung optimiert, es gibt Angebote an die Bewerber, die diese aber dann mobil nur teilweise wahrnehmen können. Das mobile Web wird dazu führen, dass Recruiting-Prozesse deutlich verändert und verschlankt werden. Sowohl Bewerber als auch Recruiter werden davon profitieren. Dies bedeutet allerdings ein weiteres radikales Umdenken im Recruiting.

Was meinen Sie mit radikal?

Helge Weinberg: Die Anforderungen an eine klassische Bewerbung, bestehend aus Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen, lassen sich im Mobile Recruiting nicht mehr aufrechterhalten. In Zukunft werden sich Recruiter mit einem einfachen Bewerberprofil begnügen, hinterlegt auf Sozialen Netzwerken.

Langfristig wird die Entwicklung dahin gehen, dass Mobile Recruiting nicht mehr den Charme des Besonderen haben wird, sondern einfach erwartet wird. Unternehmen, die sich nicht entsprechend umgestellt haben, werden im Recruiting gegenüber der Konkurrenz im Nachteil sein.

 

Bernhard Rauscher: Mobile und Social Recruiting sind zwei Begriffe, die zwar gerne zusammen genannt werden, da beides bereits Trends sind. Dennoch haben sie nicht zwangsläufig miteinander zu tun.

Bei Mobile Recruiting geht es um den Übertragungskanal der Informationen, eben über das mobile Device. Generell wird der Laptop und erst recht der Desktop Rechner immer mehr links liegen gelassen zugunsten Tablets und Smartphones. Zumindest wenn es um privates Surfen, Mailen, Chatten etc. geht.

Damit ist auch klar, dass es Lösungen geben muss und wird, sich von diesen Geräten aus auch zu bewerben. Denn fast alles andere kann man mittlerweile damit. Kurz, ja, ich bezeichne dass als Trend, aber es gibt noch viel Luft nach oben in Sachen Weiterentwicklung.

Bei Social Recruiting geht es nicht um den eigentlichen (Übertragungskanal-)Kanal, sondern eher um den Kontext bzw. Kommunikationskanal - unabhängig vom Endgerät.

Letztlich ist dieser Trend zwar voll da, aber bei allen unseren Kunden immer nur flankierend zu anderen, meist klassischen, Maßnahmen. Es ist in meinen Augen ein zusätzlicher Kommunikationskanal über den man schnell Informationen in alle Richtungen austauschen kann, super für die ersten Fragen, die man früher telefonisch geklärt hätte und für einen Austausch zwischen Interessenten. Der Trend ist bereits umgesetzt!

 

Peer Bieber:  Gerade die Generation Y, die zukünftig wichtigste Zielgruppe auf dem Arbeitsmarkt, kommuniziert primär über mobile Geräte (Smartphones, Tables, etc.). Durch Plattformen wie Facebook hat sich in den letzten Jahren das Kommunikationsverhalten der Generation Y sehr stark verändert.

Die Chat-Funktion hat das persönliche Telefonat abgelöst und kann mit Hilfe der mobilen Geräte genutzt werden. Darum müssen Unternehmen die potenziellen Mitarbeiter auch dort abholen.