Recruiting per Netzwerke auf dem Prüfstand: Wer kennt wen?

Dürfen Headhunter und Personalchefs einfach bei den Mitgliedern von Xing, Wer-kennt-wen, StudiVZ oder Experteers anklopfen und zum Stellenwechsel verführen? Dürfen sie auf der privaten Webseite von Arbeitnehmern ihre Angeln auswerfen? Ja, das alles dürfen sie, und sie machen es längst. Die begehrtesten Jagdobjekte sind Informatiker und Ingenieure.

Der Wiesbadener Kai Friedrichs ist zwar erst 20 Jahre jung und zudem noch in der Ausbildung zum Fachinformatiker, trotzdem kennt er schon diverse Headhunter mit Namen. Im Mai schickten sie ihm fünf, im Juni acht und im Juli drei Stellenangebote ins Haus.

Gemeint ist damit sein elektronisches Postfach bei Xing, das der junge Mann vor einem halben Jahr eingerichtet hat. Unter einem Alibinamen allerdings, denn auf die Bekanntschaft mit Hinz und Kunz legt er keinen Wert. Personalberater Hinz und Recruiter Kunz mit ihm aber schon. Deshalb hat sich der angehende IT-Fachmann genervt wieder von Xing verabschiedet. »Es hätte mich ja gar nicht gestört, wenn sich die Leute meinen hinterlegten Lebenslauf näher angesehen und mir gezielt Angebote für nächstes Jahr geschickt hätten«, zeigt sich Friedrichs begrenzt verständnisvoll, »aber das hier ist nur noch blöd.«