Kompetenzen von morgen Raus aus der Kreidezeit

Wie könnte man Schule reformieren? Darüber diskutierten der Schüler und Unternehmer Lorenzo Tural Osorio, Innovationsexperte Christopher Meyer-Mölleringhof, Moderator Dr. Martin Preusse, Thomas Becker von Aktion gute Schule e.V., Caroline Lindner, Leiterin der Haba Digitalwerkstatt und Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Wissenschaftsminister a.D. auf Einladung von politik-neu-denken.de.
Wie könnte man Schule reformieren? Darüber diskutierten der Schüler und Unternehmer Lorenzo Tural Osorio, Innovationsexperte Christopher Meyer-Mölleringhof, Moderator Dr. Martin Preusse, Thomas Becker von Aktion gute Schule e.V., Caroline Lindner, Leiterin der Haba Digitalwerkstatt und Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Wissenschaftsminister a.D. auf Einladung von politik-neu-denken.de.

Wie sieht die (digitale) Bildung der Zukunft aus? Welche Skills sind morgen gefragt? Das war Gegenstand einer Podiumsdiskussion in München. Programmieren war nur am Rande ein Thema. 

Bildung ist Deutschlands wichtigste Ressource. Kreativ soll der Ingenieur von morgen sein, digitale Tools wie selbstverständlich nicht nur nutzen, sondern auch neue Geschäftsmodelle daraus entwerfen. Freilich keinen neuen Online-Foodshop, sondern solche, die die Menschheit weiterbringen. 

Sind damit Gadgets wie Diaperpie gemeint, die smarte Windel mit Intel-Chip und diversen Sensoren, die Acer-Entwickler vor zwei Jahren präsentierten? Mit der Eltern sich benachrichtigen lassen können, wenn die Windel voll ist?  »Querdenker« suche man heute in der Industrie und finde sie nicht, Kreativität und soziale Kompetenz seien die Fähigkeiten der Zukunft, lautet die Botschaft der Veranstaltung »Raus aus der Kreidezeit - wie sieht die Bildung der Zukunft aus?«, die von der überparteilichen Organisation www.politik-neu-denken.de organisiert worden war. 

Ist das ein Wunder, dass Recruiter verzweifeln? Denn Schule heute bildet solche Querdenker eher nicht aus. Das Bildungssystem hat sich seit dem 19. Jahrhundert nicht wesentlich verändert.

Im Schulalltag ist der Gebrauch des Smartphones in der Regel verboten, unter altgedienten Lehrern nur als Daddel-Kasten verschrien, denn als nützliches Instrument zum Lernen. Das digitalste im Klassenzimmer ist das Whiteboard an der Wand, das die Tafel abgelöst hat. 

Der Rest: ist wie früher.

Projektbasiertes Lernen und Wissen aneignen, zur Benotung wieder ausspucken. Wettbewerb. Extrinsische Motivation - wegen der Noten. Neu und wünschenswert wären Wissensfreizeiten, Trail&Error, Freiräume und intrinsische Motivation, erklärt Christopher Meyer-Mölleringhof, einer der Organisatoren des Abends. Neue Ideen und Konzepte, mehr Freiheit und Eigenständigkeit für Bildungseinrichtungen.

Auch in Sachen Budget: Es müsse doch möglich sein, wettert Bayerns ehemaliger Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch auf dem Podium, dass Schulen externe, professionelle  IT-Dienstleister in Anspruch nehmen dürften, und nicht wie bisher, eine Lehrkraft zur IT-Beauftragten verdonnern. 

Der 16-jährige Schüler Lorenzo Tural Osorio hatte die smarte Windel Diaperpie in seinen Vortrag eingebaut. Um, ob nun nützlich oder nicht, damit zu verdeutlichen, dass das »Internet of Things« sich in rasender Schnelligkeit entwickelt. Und es für Leute seiner Altersklasse gar nicht die Frage sei, ob sie Smartphone, Facebook oder sonstige Digital-Tools nutzen oder nicht  - »es gehört wie selbstverständlich dazu, es ist schlicht normal!«

In der Freizeit normal, in der Schule verboten - das ist der Status Quo in Deutschland. 

Was in der Schule noch nicht läuft, machen private Unternehmen inzwischen vor. Spiele-Fabrikant Ravensburger oder der Hersteller von hochpreisigem Qualitäts-Holzspielzeug Haba setzen seit einiger Zeit zusätzlich auf Digitale Bildung. 

Die Haba Digitalwerkstatt will ein kreativer Bildungs- und Erfahrungsraum sein, mit der Kinder zwischen 5 und 14 die digitale Welt spielerisch entdecken. Und somit wichtige Kompetenzen für die Zukunft gleich mit erwerben.

Ziel: die natürliche Neugierde und Kreativität von Kindern zu wecken und zu fördern. Ohne Denkschablonen, dafür mit Spaß, wie die Münchner Leiterin Caroline Lindner berichtet. »In unseren Kursen und Workshops lernen Kinder programmieren, konstruieren Roboter, gestalten Animationsfilme oder bauen ein Bananen-Klavier (»Warum leiten Bananen Strom?«).

Ferienworkshops seien regelmäßig ausgebucht. Inzwischen bekomme man auch immer mehr  Anfragen von Lehrern, die digitale Projekte im Rahmen ihres Lehrplan umsetzen möchten. Diese digitalen Schulstunden finden dann zur Schulzeit statt - freilich außerhalb der Schule, in der Digitalwerkstatt.