Jobmotor Sensorik und Messtechnik Rasante Entwicklung versprochen

Nach den Aussichten für das laufende Jahr befragt, prognostizieren die AMA-Mitglieder ein weiteres, deutliches Umsatzwachstum von sieben Prozent.
Nach den Aussichten für das laufende Jahr befragt, prognostizieren die AMA-Mitglieder ein weiteres, deutliches Umsatzwachstum von sieben Prozent.

Wer die Vorteile mittelständischer Unternehmen zu schätzen weiß, kann aktuell in der Sensorik- und Messtechnik-Branche gute Jobs finden: es gibt reichlich zu besetzende Positionen, die Zeichen stehen - längst nicht nur dank Industrie 4.0 - auf Wachstum.

Messtechnik geht heute nicht mehr ohne Elektronik. Physikalische Größen werden in elektrische Signale umgewandelt, digitalisiert und verarbeitet. Anschließend wird der Messaufbau in der Regel mittels Kommunikationstechnik an die elektronische Umgebung bzw. das übergeordnete System weitergeleitet.

Und ohne Sensorik wird nichts »smart«, sie spielt in vielen Wachstumsbereichen derzeit die entscheidende Rolle: Im Auto, im Smartphone, in Industrie 4.0 oder auch bei der Energiewende in Form von Smart Grids. Zukünftige Anwendungen wie ferngesteuerte Operationsroboter, Sensor-Aktor-Systeme in Fabriken oder im intelligenten Stromnetz sowie die IKT-basierte Verkehrssteuerung erfordern künftig vernetzte und örtlich verteilte Systeme mit Reaktionszeiten deutlich unter 10 Millisekunden. Das "Taktile Internet", das VDE-Experten ab 2020 erwarten, benötigt Netze, die Reaktionszeiten im Bereich einer Millisekunde ermöglichen.

Doch man muss nicht unbedingt in die Zukunft blicken, auch in bestehenden Märkten bringt innovative Sensorik Verbesserungen, Beispiel Beleuchtung: Weil die Helligkeit von LEDs nach langer Einsatzdauer sinkt und Änderungen der Umgebungstemperatur zu Farbänderungen führen, hat das Fraunhofer IIS soeben auf der Sensor+Test eine Lösung präsentiert: den Prototypen eines neuen Farbsensors mit on-chip-Filter.

Er steuert Schwankungen in Farbe und Helligkeit von LEDs und trägt somit entscheidend zu Zuverlässigkeit und Lebensdauer bei. Der Farbfilter ist in diesem Fall in den Sensor integriert. Die Produktion erfolgt kostengünstig direkt im CMOS-Halbleiter-Prozess.

Die Marschrichtung ist für die Sensorik- und Messtechnik-Branche also klar vorgezeichnet, es gibt genug zu tun. Anders als zum Beispiel in der Mikroelektronik gibt es keine vergleichbaren Diskussionen über Zukunftsfähigkeit und Bestand in Deutschland – die Gefahr, sich in eine Nische zu bugsieren, ist vergleichsweise gering.

Der Markt an Bewerbern ist leergefegt, es gibt reichlich Positionen in der mittelständisch geprägten Branche, die besetzt werden müssen. Gibt man in der Jobbörse »Stepstone« nur den Begriff »Sensorik« ein, spuckt die Suchmaschine aktuell 411 offene Positionen für Ingenieure aus, 185 sind es beim Konkurrenten »Monster«. Der Begriff „Messtechnik“ liefert bereits 1355 offene Positionen, bei Monster sind es 708.

Die Nachfrage spiegelt sich auch beim Projekt-Portals «Gulp« wider: die Anzahl der Projektanfragen nach selbstständigen Experten für Sensorik und Messtechnik stiegt von 2573 Anfragen im Jahr 2012 auf 2897 Anfragen im vergangenen Jahr. 2014 gab es bis einschließlich Mai bereits 175 Anfragen.

Pressesprecherin Susanne Schödl: »Im Schnitt werden in 1,5 Prozent der über Gulp versendeten Projektanfragen Spezialisten für Sensorik und Messtechnik gesucht« Klingt wenig, sei aber »für das sehr breite Spektrum an Skills, das über uns gesucht wird, schon relativ viel!«, erklärt Schödl. Freelancer im Bereich Sensorik und Messtechnik fordern durchschnittlich einen Stundensatz von 68 Euro. Schödl: »Das liegt genau im Schnitt aller Engineering-Qualifikationen. «

Der Personalbedarf zog neuesten Zahlen des AMA-Verbands zufolge bereits im letzten Jahr um zwei Prozent an. Doch einfach es für die Branche nicht, das nötige Fachpersonal zu finden. Sensorik und Messtechnik ist vor allem klein- und mittelständisch geprägt. Viele Betriebe kämpfen teilweise trotz Innovationsführerschaft permanent mit mangelnder Bekanntheit.

Erschwerend kommt häufig die geographische Lage hinzu: Im Südschwarzwald oder auf der schwäbischen Alb möchte viele vielleicht Urlaub machen – aber zum Leidwesen der Unternehmen nicht dauerhaft leben – trotz attraktiver Mieten, Freizeitangeboten und viel Natur. Hat der Hidden Champion seinen Sitz dagegen in einem Ballungsraum, wird der beste Nachwuchs in der Regel von den bekannten Platzhirschen absorbiert – viel bleibt da häufig für die KMUs nicht mehr übrig.

Die Sensorik-Branche spiegelt damit ganz gut die Probleme des deutschen Mittelstands allgemein wider: Nach Angaben des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben rund 95 Prozent der Betriebe weniger als 50 Mitarbeiter und fast die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in einem dieser Kleinbetriebe. All diese Kleinbetriebe bieten zusammen mehr offene Stellen an als die mittleren und großen Betriebe zusammen.

Dabei stehen Sensorik und Messtechnik deutlich besser da als das verarbeitende Gewerbe, das laut Statistischem Bundesamt de Umsatzrückgang von 0,2 Prozent aus 2013 verdauen muss. Auf der Sensor+Test verkündete der AMA Fachverband die guten Zahlen seiner Mitglieder: ein Umsatzplus von 3 Prozent, eine stabile Exportquote mit 40 Prozent. Und 2014 soll noch besser werden: Nach den Aussichten für das laufende Jahr befragt, prognostizieren die AMA-Mitglieder ein weiteres, deutliches Umsatzwachstum von sieben Prozent.

Es ist also genug Geld da für Investitionen in F&E. Zehn Prozent des Umsatzes investiert die mittelständisch geprägte Branche in neue Produkte. Rückenwind bietet dabei der Umbau zu Industrie 4.0: »Eine ‚Industrie 4.0‘ ist ohne intelligente Sensoren und Messtechnik nicht umsetzbar, nicht zuletzt deshalb blickt unsere Branche zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr.“, sagt Thomas Simmons, Geschäftsführer des AMA Verband für Sensorik und Messtechnik.

Absolventen und Ingenieure des Fachgebiets Elektro- und Informationstechnik mit Hang zu mittelständischen Betrieben haben also gute Jobaussichten. »Ich persönlich sehe eine nach wie vor rasante Entwicklung in diesem Fachgebiet«, sagt Dr. Michael Schanz, Arbeitsmarktexperte vom VDE.

Zumal vorab ausgewertete Zahlen aus der im Herbst erscheinenden Young-Professionals-Studie des VDE aufhorchen lassen: Viele Elektrotechnik-Studenten belegen aktuell Energietechnik als Vertiefungsfach an den Unis und Fachhochschulen. Dieser Trend geht zu Lasten von Informations- und Kommunikationstechnik (und damit auch von Hochfrequenztechnik und Technischer Informatik), Automatisierungstechnik und Mikroelektronik.

Ungelöst ist bislang auch das Problem der »Unsichtbarkeit« vieler Hidden Champions. Die Personalberatung »wirth + partner« betreut seit Jahren das »Career Center« auf der Sensor + Test in Nürnberg. »Auch wir sehen eine sehr stetige, positive Entwicklung im Bereich Sensorik und Messtechnik«, sagt Geschäftsführer Stefan Wirth. »Wir stellen aber auch fest, dass gerade bei Absolventen und Young Professionals dieses Branchenumfeld und die dort agierenden, vorwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen immer wieder eine große Unbekannte darstellen.«