Studium Plötzlich wählbar: Elektrotechnik

2011 markiert die Wende.
2011 markiert die Wende.

Seit 2011 ist die Zahl der jungen Frauen, die ein E-Technik-Studium beginnen, von 10 Prozent auf einen neuen Rekord von 16,3 Prozent gestiegen. Warum klappt's auf einmal mit den Frauen?

Dr. Michael Schanz ist Experte für Studium und Beruf von Elektrotechnik-Ingenieuren im VDE. Seit vielen Jahren schon beobachtet, erhebt und publiziert er für den VDE Zahlen, Daten und Fakten rund um den Ingenieurberuf. Und rückt auch schon mal gerade, wenn er Zahlen in seinem Fach nicht sachgemäß dargestellt sieht: Sei es zu den früheren, plakativen »Fachkräftemangel«-Warnungen des anderen großen Ingenieurverbandes, dem VDI (»Sehen wir in dieser Schärfe nicht so«), oder vermeintliche schlechte Berufsaussichten für E-Ingenieure durch Automatisierung und Digitalisierung, dargestellt im Job-Futuromat der ARD im vergangenen Jahr (»Unsinn«).

Heute bezieht Schanz Stellung zur Diskussion um eine potenzielle Über-Akademisierung und einem in Folge drohenden »Schweinezyklus« bei Ingenieuren (»Es gibt eindeutig keine«)  anhand konkreter Zahlen: Die Zahl der in Deutschland neu ausgebildeten Elektroingenieure habe in den vergangenen Jahren höchstens den Ersatzbedarf für die aus dem Berufsleben ausgeschiedenen decken können. Den wachstums- und technologiebedingten Zusatzbedarf hätten Unternehmen mit Ingenieuren aus dem Ausland (z.B. aus Südeuropa) kompensieren müssen: 2013 machten sie 10,6 Prozent der 381.200 erwerbstätigen E-Ingenieure in Deutschland aus. Und prognostiziert daher heute, deutlich schärfer als früher: »Da für die Zukunft von einem konstant wachsenden Bedarf auszugehen ist, müssen Unternehmen in der nächsten Dekade über 100.000 E-Ingenieure zusätzlich gewinnen.«

Umso erfreuter ist Schanz über seine jüngsten Erhebungen zu Studienanfängerinnen-Zahlen in Elektrotechnik. Im aktuellen Wintersemester haben sich laut Statistischem Bundesamt 17.388 Studenten in den Studiengang »Elektrotechnik und Informationstechnik« eingeschrieben – der Anteil der jungen Frauen daran ist auf eine nie dagewesene Rekordquote von 16,3 Prozent gestiegen. Von 10 Prozent in 2011.

Ein erstaunlich steiler Anstieg, wenn man die flach dahindümpelnde Kurve seit ihrer Erhebung in den 90er Jahren verfolgt.  Zumal die allgemeine Studierendenquote in Deutschland seit Jahren erstmals wieder etwas gesunken ist. Das Interesse am Studium der Elektrotechnik/Informationstechnik hingegen bleibt auf einem stabilen Niveau, verzeichnet sogar einen leichten Anstieg.

Was ist da los? Schlagen die vielen MINT-Bemühungen endlich durch?

Dr. Michael Schanz hält eine andere Ursache für wahrscheinlich. »Wie meine Auswertungen ergeben, nimmt der Anteil der Studentinnen besonders seit 2011 kontinuierlich zu – von 10 auf heute über 16 Prozent. Mit dem Beschluss zur Energiewende in Deutschland hat auch die Elektrotechnik einen Auftrieb bekommen.«

Und zwar zu Gunsten der Universitäten. Hier nahmen 6,7 Prozent mehr Studienberechtigte ein Studium auf, während die Zahl an Fachhochschulen um 4,7 Prozent zurückging.

Offensichtlich hat der Beschluss zur Energiewende geschafft, was zahlreiche MINT-Initiativen bislang nicht vermochten: Frauen die Sinnhaftigkeit eines E-Technik-Studium nahe zu bringen, Elektronik als Motor des Wandels hin zu einer besseren, einer nachhaltigeren Welt zu begreifen. Stoff, der auch HR-Marketing-Abteilungen faszinieren sollte.