9 von 10 Vakanzen präsentiert die Unternehmenswebsite Personalmarketing setzt auf Online

Das »Centre of Human Resources Information Systems« (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt hat in Zusammenarbeit mit der Stellenbörse Monster die Top-1.000-Unternehmen aus Deutschland zu den Recruiting-Trends 2010 befragt. Ergebnis: Es besteht Einstellungsbedarf, trotz Krise. Gesucht und gefunden werden soll das Personal online.

Angesichts der Wirtschaftskrise prognostizieren zwar mit 34 Prozent deutlich weniger Unternehmen einen Anstieg der Mitarbeiterzahlen als im Vorjahr (58 Prozent). Dennoch plant noch immer über ein Drittel der Studienteilnehmer eine Aufstockung des derzeitigen Personalbestands bis Ende 2010. Und den Befragten schwant dabei nichts Gutes: Sie rechnen damit, 36,6 Prozent aller Vakanzen nur schwer und 4,1 Prozent gar nicht besetzen zu können.

Erstmals veröffentlichen die Top-1.000-Unternehmen aus Deutschland mehr als neun von zehn Vakanzen auf der eigenen Webseite. Da weiterhin auch 62,9 Prozent aller freien Stellen in Internet-Stellenbörsen erscheinen, dominieren diese beiden Online-Kanäle das Personalmarketing, so die Studie. Mittlerweile werden 72 Prozent aller Stellenbesetzungen über diese beiden Kanäle generiert.

Im Posteingang der Unternehmen beläuft sich der Anteil der elektronischen Bewerbungen (E-Mail- und Formularbewerbung) auf nahezu zwei Drittel. Lediglich 33,6 Prozent der eingehenden Bewerbungen sind Bewerbungsmappen aus Papier.

Web 2.0 und Suchmaschinen haben dagegen noch eine geringe Bedeutung. Die Studienteilnehmer nutzen bereits die Möglichkeiten zur Informationssuche über Kandidaten, die sich durch Web 2.0 und Suchmaschinen ergeben, allerdings bis dato noch »in überschaubarem Umfang«. Beispielsweise suchen nur etwas mehr als drei von zehn Unternehmen häufig in der Karriereplattform Xing und 22,2 Prozent

über die Suchmaschine Google nach Informationen über potenzielle Kandidaten. Gut 45 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sagen aus, dass die eingesetzte IT im Personalmarketing in Bezug auf Kosten/Nutzen effektiv ist.

Aktuell wünschen 48,2 Prozent der befragten Unternehmen eine Formularbewerbung, 28,2 Prozent eine Bewerbung per E-Mail und lediglich 7,3 Prozent eine papierbasierte Bewerbungsmappe. Web 2.0 und Suchmaschinen haben bei der Kandidatensuche noch geringe Bedeutung: Die 1.000 größten deutschen Unternehmen nutzen bei der Suche nach Informationen über Kandidaten noch vergleichsweise selten die Möglichkeiten des Web 2.0 bzw. von Suchmaschinen. So kommt das Online-Netzwerk Xing bei über 30 Prozent der Unternehmen häufig zum Einsatz. 22,2 Prozent suchen zudem häufig über die Suchmaschine Google. Die dabei gefundenen Informationen beurteilen 27,6 Prozent (Xing) bzw. 20,4 Prozent (Google) der Studienteilnehmer als relevant. Die Unternehmen sehen sich jedoch auch selbst verstärkt im Fokus der Bewerber: 73,4 Prozent der Teilnehmer wollen wissen, ob sie bereits auf einer Unternehmensbewertungsplattform bewertet wurden, 67 Prozent, ob Diskussionsgruppen zum eigenen Unternehmen in Netzwerkplattformen existieren.

Hochschulmarketing besitzt für 77,8 Prozent der Teilnehmer an der Studie einen hohen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen aus Deutschland sponsern zudem Veranstaltungen an Hochschulen. Mit Blick auf den Bologna-Prozess geben mehr als drei Viertel der antwortenden Unternehmen an, dass ihnen die Unterschiede in Struktur und Ablauf zwischen Bachelor-/Master- und Diplomstudiengängen bewusst sind. 43,9 Prozent schreiben Stellen, die früher für Diplom-Absolventen ausgeschrieben wurden, heute eher für Master-Absolventen und nur 23,1 Prozent eher für Bachelor-Absolventen aus. Insgesamt beurteilt nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten die Umstellung von Diplom- auf Bachelor- und Masterstudiengänge generell als positiv.

Zur Erhöhung der Transparenz in der Personalbeschaffung ermittelt schon heute ein Großteil der Studienteilnehmer Kennzahlen in diesem Bereich. Mehr als sechs von zehn Befragten erheben die durchschnittlichen Kosten je geschalteter Stellenanzeige sowie über welche Informationskanäle ihre Zielgruppen auf das eigene Unternehmen als interessanter Arbeitgeber aufmerksam werden. Welche Bewerbungsverfahren die Bewerber nutzen und welche Gehälter die Zielgruppen erwarten, wird von jeweils 55,1 Prozent der deutschen Großunternehmen erhoben. 46,2 Prozent messen zudem die durchschnittliche Zeit zwischen der Identifikation einer Vakanz und ihrer Besetzung (»Time-to-Hire«).