Arbeitsmarkt »Personalbeschaffung kostet immer mehr als Weiterbildung«

Viele Weiterbildungsanbieter verkaufen derzeit gut, aus zwei Gründen: Es fehlen qualifizierte Fachkräfte, und auch die Konjunktur ist immer noch ordentlich. Ihre Kunden erkennen, dass es vergleichsweise preisgünstig ist, in das vorhandene Personal zu investieren. Denn neue Mitarbeiter mit den gesuchten Qualifikationen kosten noch mehr – wenn sie der Arbeitsmarkt überhaupt hergibt.

Was sich die Schaeffler KG mit dem Reifenhersteller Continental vorgenommen hat, ist zweifellos ein dickes Ding. Die Kommentare reichen von »geschickt eingefädelt« über »außerordentlich clever« bis »ziemlich gerissen«. Und sie müssten Paul Seren, dem Leiter der Abteilung Wissensmanagement bei Schaeffler, das Herz aufgehen lassen, denn das genau ist seine Aufgabe: »Wir bieten den Mitarbeitern Methoden an, die zur Findung von kreativen Ideen führen und die Fähigkeit fördern, nach links und rechts zu schauen.« Zumindest ein paar Leute in Herzogenaurach scheinen die firmeneigene Schulbank gedrückt zu haben.

Dass berufliche Weiterbildung nicht nur in Franken fruchtet, weiß Barbara Mohr am besten, und sie wird auch nicht müde, bei den Arbeitgebern dafür zu werben. Zurzeit aber läuft die Leiterin des Zentrums für Betriebliches Weiterbildungsmanagement (zbw) der Bayerischen Arbeitgeberverbände Metall + Elektro offene Türen ein, wenn sie ihre Unterstützung bei der betrieblichen Mitarbeiterqualifizierung anbietet. »Viele Betriebe machen Weiterbildung ja nur, wenn’s drückt«, zeigt sie Verständnis, »aber bei den meisten Arbeitgebern ist jetzt die Bereitschaft da. Nur haben viele eben keine Personalentwicklung und brauchen daher Hilfe: Was sollen die Leute lernen, wann sollen sie das lernen, wie organisiert man die Qualifizierung und was darf das Ganze letztlich kosten?«

Das alles kann man beim zbw erfahren. Zwei Gründe machen Barbara Mohr momentan die Arbeit leicht: Das Fehlen qualifizierter Fachkräfte und die immer noch ansehnliche Konjunktur. Das heißt: Geld ist zwar genügend da, aber nicht genügend aus- und weitergebildete Mitarbeiter, die für den Betrieb noch mehr Geld verdienen könnten. Auch Carsten Franke, Pressesprecher von JobStairs, registriert gesteigerte Anspannung auf Seiten der Personalentwickler. Job-Stairs dient als Marktplatz sowohl für Stellenausschreibungen von vorwiegend großen Unternehmen in Deutschland als auch für Stellengesuche qualifizierter Bewerber.